I can watch my body starting to feel home in Kenya. It wakes me gently with the rising sun, always before our alarm at 7:30 a.m. When it becomes hungry for breakfast, perfectly synced with my fellow housemates, I reach for the chocolate-flavoured margarine because my body found to enjoy it on our second morning. I don't have to think to figure out its needs, by now my body can care for my busy mind instead. It knows to take me outside for reading or stretching on the balcony, to shower hot on some and cold on the other days. My body is much smarter than I had thought. Surprisingly, it's my mind that is stumbling behind. Most nights, I dream about being home in Germany and having to say goodbye to everyone all over again. Each time I worry about the long, expensive flight I'll have to endure AGAIN, not realising I have arrived, once and for all.
I wonder how long it'll take me to start thinking and dreaming in English. Maybe I won't ever, as I still text my friends back home and talk to Lola in German, when Isa (my roommate from Peru) isn't around? But I really hope I will, eventually. If I was granted one wish for the next year, I'd even dare to wish for a dream in Swahili.
During the week, Isa, Lola and I work at a community school in Mowlem (neighbourhood in the east of Nairobi). It was founded 2008 by our host mum, who regularly welcomes short-term volunteers in her home additionally to us. Just like you'd imagine, she's a very active and open-hearted woman – sharing her house with different international guests all year around. Together with her two adult-sons (my host brothers), she works as a teacher.
The place I've come to love is located on top of the five-level school building. It's the school's kitchen and next to it the roof terrace, where the students (“learners“) spend their breaks and eat lunch. When I rest my chin on the railing surrounding the terrace, I feel like a sailor observing the sea, letting their eyes wander with the waves along the horizon. Except, I'm watching a city's skyline. My favourite part are the balconies. Almost all of them are hung with laundry, which sways evenly back and forth in the wind's rhythm.
The cook, who is only called “chef”, and her co-worker Kevin are the second reason I decided to help out in the kitchen most of the time. I have very little cooking experience (does putting noodles into a pot count?), yet they are willing to explain every tiny step, only so that I can participate. When I cannot, I become an observer again. Learning with my senses, in the same way children do.
On Wednesday morning, Isa and Lola woke up feeling sick. As they were feeling even worse when I returned from school, we decided to go the hospital in the afternoon. They were given medication and are doing much better now, fortunately, so I'm only including this here for myself to remember.
The three of us are very different people in some aspects. Whatsoever, we care for one another nonetheless, and I believe that's such a meaningful experience.
Lastly I wish you, who are reading this, a lot of patience with yourself and the ones around you. At home, I often felt like I was running out of time, especially when I was still in school. Now it's so good to be here and realise: I don't have to know yet – because I DO have time to find out and this is just the beginning, after all.
German translation below (danke Uli!)
Ich kann beobachten, wie mein Körper beginnt, sich in Kenia zu Hause zu fühlen. Er weckt mich sanft mit der aufgehenden Sonne, immer vor unserem Wecker um 7:30 Uhr. Wenn er Hunger auf Frühstück bekommt – perfekt abgestimmt mit den anderen Hausbewohner:innen – greife ich zur Margarine mit Schokogeschmack, weil mein Körper sie an unserem zweiten Morgen für sich entdeckt hat. Ich muss nicht mehr nachdenken, um seine Bedürfnisse zu verstehen. Inzwischen kann sich mein Körper um meinen ratternden Kopf kümmern. Er weiß, wann es Zeit ist, nach draußen zu gehen, um auf dem Balkon zu lesen oder mich zu dehnen, wann ich heiß duschen sollte und an welchen Tagen kalt. Mein Körper ist viel klüger, als ich gedacht hatte. Überraschenderweise ist es mein Kopf, der hinterherhinkt. Die meisten Nächte träume ich davon, wieder zu Hause in Deutschland zu sein und mich erneut von allen verabschieden zu müssen. Jedes Mal sorge ich mich um den langen, teuren Flug, den ich schon wieder auf mich nehmen muss – ohne zu realisieren, dass ich angekommen bin. Ein für alle Mal.
Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis ich anfange, auf Englisch zu denken und zu träumen. Vielleicht werde ich es nie tun, da ich meinen Freund:innen zu Hause weiterhin auf Deutsch schreibe und auch mit Lola Deutsch spreche, wenn Isa (meine Mitbewohnerin aus Peru) nicht dabei ist. Aber ich hoffe sehr, dass es irgendwann passiert. Wenn ich mir für das nächste Jahr einen Wunsch erfüllen dürfte, würde ich es sogar wagen, mir einen Traum auf Swahili zu wünschen.
Unter der Woche arbeiten Isa, Lola und ich an einer Community School in Mowlem (einem Viertel im Osten Nairobis). Sie wurde 2008 von unserer Gastmutter gegründet, die neben uns regelmäßig auch Kurzzeit-Freiwillige in ihrem Zuhause aufnimmt. Wie man es sich vorstellt, ist sie eine sehr aktive und warmherzige Frau – sie teilt ihr Haus das ganze Jahr über mit internationalen Gästen. Zusammen mit ihren zwei erwachsenen Söhnen (meinen Gastbrüdern) arbeitet sie als Lehrerin.
Der Ort, den ich besonders lieben gelernt habe, befindet sich ganz oben auf dem fünfstöckigen Schulgebäude. Dort liegen die Schulküche und direkt daneben die Dachterrasse, auf der die Schüler:innen (hier „learners“) ihre Pausen verbringen und zu Mittag essen. Wenn ich mein Kinn auf das Geländer der Terrasse lege, fühle ich mich wie eine Seefahrerin, die aufs Meer blickt und deren Augen den Wellen bis zum Horizont folgen. Nur dass ich stattdessen die Skyline einer Stadt betrachte. Mein liebster Teil sind die Balkone. Fast alle sind mit Wäsche behangen, die sich gleichmäßig im Rhythmus des Windes hin und her bewegt.
Die Köchin, die nur „Chef“ genannt wird, und ihr Kollege Kevin sind der zweite Grund, warum ich mich entschieden habe, die meiste Zeit in der Küche mitzuhelfen. Ich habe kaum Kocherfahrung (zählt es, Nudeln in einen Topf zu kippen?), und trotzdem erklären sie mir jeden noch so kleinen Schritt – nur damit ich mitmachen kann. Wenn ich es nicht kann, werde ich wieder zur Beobachterin. Ich lerne mit allen Sinnen, so wie Kinder es tun.
Am Mittwochmorgen sind Isa und Lola krank aufgewacht. Als ich nachmittags von der Schule zurückkam, ging es ihnen noch schlechter und wir beschlossen gemeinsam ins Krankenhaus zu gehen. Dort haben sie Medikamente bekommen, durch die es ihnen inzwischen zum Glück viel besser geht. Ich schreibe das hier vor allem für mich selbst, um mich später daran zu erinnern.
Wir drei sind in mancher Hinsicht sehr unterschiedliche Menschen. Trotzdem sorgen wir wie selbstverständlich füreinander, und ich glaube, das ist eine unglaublich wertvolle Erfahrung.
Zum Schluss wünsche ich Dir ganz viel Geduld mit Dir selbst und mit den Menschen um dich herum. Zu Hause hatte ich oft das Gefühl, dass mir die Zeit davonläuft – besonders während meiner Schulzeit. Jetzt tut es so gut, hier zu sein und zu merken: Ich muss vieles noch gar nicht wissen. Denn ich habe Zeit, es herauszufinden. Und das hier ist schließlich erst der Anfang.
Karura Forest, 25.01.26
roof terrace, 29.01.26