Nairobi, Mambo vipi?

Mein Rücken lehnt an der Mauer, die mein neues Zuhause umgibt. Es ist ein Haus mit zwei Etagen, hellen Treppen und abgedunkelten Räumen, weil die Gardinen geschlossen sind. Hier draußen kann ich der Sonne beim Untergehen zuschauen. 18 Uhr, 12 Stunden nach Sonnenaufgang, wird das helle Blau des Himmels blasser, die Farben der Fassade wärmer im letzten Licht des Tages. 6 Uhr morgens, 12 Stunden nach Sonnenuntergang, wird es zurückkehren. Dann ist meine Ankunft in Nairobi genau eine Woche her.

Von der anderen Seite der Mauer höre ich Rufe und Gelächter. Ich konzentriere mich, um vielleicht ein Wort auf Swahili aufzuschnappen, das ich schon verstehe. Vergeblich. Ich frage mich auch, ob sich das Stimmengewirr belebter Nachbarschaften überhaupt so sehr unterscheidet, je nachdem, welche Sprache gesprochen wird. Und, ich fühle mich ein wenig einsam. Im Haus sind meine zwei Mitfreiwilligen und eine Gruppe Brasilianerinnen, die nur etwas über eine Woche hierbleiben. Doch keine von ihnen ist mir schon wirklich vertraut. Sie scheinen mir näher, sind aber kaum weniger fremd als die Menschen auf der anderen Seite der Mauer.

Ich glaube, das ist meine erste Herausforderung: Auszuhalten, dass alle Beziehungen an ihrem Anfang stehen und nur Zeit sie tiefen wird. Zeit, die dem Fluss der auf- und untergehenden Sonne folgt, nicht meiner Kontrolle.

What would it feel like to come undone? To not fasten down, but let yourself flood? To not close, but open yourself to experience it all? (Danielle Doby)

Deutsch: Wie würde es sich anfühlen, sich fallenzulassen? Sich nicht festzuklammern, sondern sich dem Fluss der Gefühle hinzugeben? Sich nicht zu verschließen, sondern sich zu öffnen, um alles zu erleben?

Genau so.

Bevor ich heute morgen von meiner Gastmama und einem meiner Gastbrüder abgeholt wurde, habe ich die ersten 6 Tage auf dem Ankunftsseminar verbracht. Es war ein vollkommen anderes setting, als hätten mich die Koordinatorinnen von ICYE Kenya (meiner Organisation hier) vorsorglich in Watte gehüllt, um eine härtere Landung in Nairobi abzudämpfen. Falls Du ein Familienmitglied oder ein:e Freund:in von mir bist und die ganze Zeit nichts von mir gehört hat, tut es mir leid, dass es auch hier kein vollständiges Recap der Woche geben wird.

Ich habe meine Bankkarte durch zu langes Grübeln beim ersten Geldabheben vom Automaten fressen lassen und zweimal die Bank besucht, um sie zurückzubekommen, nächtelang „tede-teled“ (um irgendwann das Zungen-R rollen zu lernen), Giraffen aus der Hand gefüttert und Lolas 22. Geburtstag gefeiert. Aber in Wirklichkeit noch so viel mehr, was einfach keinen Raum in diesem Text findet.

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Um in Kenia anzukommen, brauche ich viel Präsenz. Ich möchte mir alles ganz genau anschauen, bevor ich mehr davon erzähle. Hakuna matata – keine Sorge, ich werde mein deutsches Zuhause trotzdem nicht vergessen. 💫

English translation below

My back is leaning against the wall surrounding my new home. It's a two-story house with bright staircases and darkened rooms because the curtains are drawn. Out here, I can watch the sun set. At 6 p.m., twelve hours after sunrise, the bright blue of the sky has begun to fade and the colors of the facade warm in the last streams of daylight. At 6 a.m., twelve hours after sunset, it will return. Then it will have been exactly one week since my arrival in Nairobi.

From the other side of the wall, I hear shouts and laughter. I concentrate, hoping to catch a word of Swahili that I already understand. In vain. I also wonder if the cacophony of voices in busy neighborhoods really differs so much depending on the language spoken. And I feel a little lonely. In the house are my two fellow volunteers and a group of Brazilians who are only staying for a little over a week. But none of them are really familiar to me yet. They seem closer, yet are hardly less foreign to me than the people on the other side of the wall.

I think that's my first challenge: to accept that all relationships are in their infancy and only time will deepen them. Time that follows the flow of the rising and setting sun, not my control.

What would it feel like to come undone? To not fasten down, but let yourself flood? To not close, but open yourself to experience it all? (Danielle Doby)

Just like that.

Before I was picked up this morning by my host mother and one of my host brothers, I spent the first six days at the arrival seminar. It was a completely different setting, as if the coordinators at ICYE Kenya (my organization here) had preemptively wrapped me in cotton wool to cushion a potentially rough landing in Nairobi. If you're a family member or friend and haven't heard from me this whole time, I'm sorry there won't be a full recap of the week here either. Only so much:

The first time I tryed to withdraw money, I hesitated a second too long – and my card was swallowed by the ATM. In the end, I had to visit the bank twice to get it back. I spent countless nights “tede-tele-ing” (trying to finally learn how to roll my 'r's) in preparation to our Swahili lessons. I hand-fed giraffes, and celebrated Lola's 22nd birthday. But, really, there's so much more that simply didn't find room in this text.

To truly arrive in Kenya, I need to be fully present. I want to let everything sink in before I share more. However, hakuna matata – don't be worried – even tough I'm seeking distance, I won't forget my German home. 💫