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    <title>lilagesprenkelt</title>
    <link>http://lilagesprenkelt.com/</link>
    <description>Here to share my experiences in Kenya! </description>
    <pubDate>Sun, 19 Apr 2026 04:05:21 +0200</pubDate>
    <item>
      <title>Über Freiheit, oder: Ich bin umgezogen</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/ueber-freiheit-oder-ich-bin-umgezogen</link>
      <description>&lt;![CDATA[Mein erstes Zuhause in Kenia war in den Eastlands Nairobis. Von dort aus habe ich alle meine bisherigen Blogs verfasst. Über das Gefühl, mit Eindrücken zu überschwemmen an meinen ersten Abenden. Dem zögerlichen Entlangtasten, Abschauen, Nachahmen. Den Herausforderungen und den Spielen und der Ruhe, der stillen See.&#xA;Ich bin mir sicher, dass verschiedene Erinnerungen aus dieser Zeit noch ihren Weg in zukünftige Texte finden werden. &#xA;&#xA;Am 5. März, sieben Wochen nach unserem Einzug, waren unsere Koffer und Rucksäcke wieder gepackt und Lola und ich machten uns eine zweites Mal auf die Reise, „anzukommen”. Isa, meine andere Mitfreiwillige, war schon einige Zeit zuvor zu ihrer Tante in einen anderen Stadtteil und anschließend zu einer neuen Gastfamilie gezogen. Normalerweise findet ein Freiwilligendienst nur an einem Ort statt. Aber es besteht die Option, einmal das Projekt zu wechseln, wofür wir drei uns letztendlich aus unterschiedlichen Gründen entschieden. Einen meiner Gründe möchte ich Dir heute erklären.&#xA;&#xA;Das Haus meiner Gastfamilie hatte keinen Garten und es gab auch keinen Park, der in den Stunden zwischen Arbeitsende und Sonnenuntergang erreichbar gewesen wäre. So habe ich mich in Nairobi manchmal gefühlt, als würde mein Alltag nur in geschlossenen Räumen stattfinden: entweder Zuhause, in der Schule (ein Gebäude ohne Hof), in der Mall - oder dazwischen im Auto. Ich sehnte mich danach, mehr Strecken zu Fuß zu laufen und frei neue Orte für Hobbies und Freundschaften zu erkunden, was uns häufig wegen Sicherheitsbedenken untersagt wurde. &#xA;&#xA;Dennoch möchte ich nicht den Eindruck vermitteln, Nairobi sei grundsätzlich eine gefährliche Stadt. Ich habe es geliebt, die Straße in die erlaubte Richtung entlangzuspazieren und an den Wochenenden mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren, ohne mich je ängstlich oder gar bedroht zu fühlen. Gleichzeitig barg meine Unabhängigkeit immer ein gewisses Risiko für meine Gastmama, die es sich nicht verziehen hätte, wenn mir doch etwas zugestoßen wäre. Dadurch gab es Grenzen, die ich zwar empathisch nachvollziehen, aber nicht immer „nachfühlen“ konnte (bspw. wenn mein Sicherheitsempfinden sich von ihrem unterschied). Das war einerseits frustrierend, andererseits erdend: Ich bin die Neue in der Stadt und es liegt an mir, Freiheit innerhalb der Grenzen zu finden, anstatt meine Grenzzieher:innen anzuzweifeln.&#xA;&#xA;Nairobi hat mir beigebracht, diese Rolle zu akzeptieren. Ich habe gelesen und gemalt, was immer ich wollte, und, wann immer möglich, Ausflüge gemacht, um mir selbst das Gefühl von Freiheit zu erhalten. Der Wunsch nach mehr Bewegung und Naturnähe ist trotzdem geblieben. Er wuchs, bis ich mir nicht mehr sicher war, ob es wirklich ein Wunsch, oder nicht eher ein Bedürfnis ist. Ich wusste: Hier ist noch nicht mein finales Zuhause in Kenia.&#xA;&#xA;Es folgten Gespräche mit unserer Organisation und Gastfamilie, und schließlich der Abschied von allen Menschen, die mir in der Schule bereits so ans Herz gewachsen waren. Die letzten Nachmittage vor unserem Auszug verbrachte ich mit meinen Aquarellfarben auf dem Balkon, um ihnen kleine Bilder als kleinen Dank für eine überwältigende gemeinsame Zeit zu malen. You can take Maya out of Nairobi, but you can never take Nairobi out of Maya. If you know, you know. ❤️&#xA;&#xA;(Für alle, die es nicht verstehen: Das ist eine Referenz zu der der Liedzeile “You take the man out of the city, not the city out the man“ - zu Deutsch: Man holt den Mann aus der Stadt, nicht die Stadt aus dem Mann.)&#xA;&#xA;image&#xA;&#xA;Tja, und so kamen Lola und ich nach Ngong! Eine 100.000-Einwohner:innen-Stadt, die an den Südwesten Nairobis grenzt; ebenso laut und geschäftig, aber grüner ist als ihre Nachbarin. &#xA;&#xA;Unser neues Projekt ist ein Gemeinschaftsort, der geschaffen wurde, um Kindern einen sicheren Unterschlupf zu bieten, wenn sie (temporär oder dauerhaft) nicht bei ihren Familien leben können. Neben den Schlafsälen und Aufenthaltsräumen der Kinder gibt es auf dem Projektgelände auch eine Schule, Felder, Wassertanks, eine Farm mit Kühen, Hühnern und Bienen, eine Küche, eine Bäckerei, das Gästehaus, in dem wir übernachten, und und und. &#xA;&#xA;Ich könnte diesem Ort nicht gerecht werden, würde ich versuchen, ihn in diesem Text bis in seine Details zu beschreiben. Zumal ich hier gerade nicht weniger neu bin, als ich es in meinen ersten Wochen in Nairobi war, und „schwimmen“ erst lernen muss. Damit meine ich, meinen Fluss finden. Die Strömung verstehen. Treiben.&#xA; &#xA;Ich möchte Dir sagen, ich finde mich gerade selbst noch zurecht. Bevor ich bald wieder mehr von den anderen und der Welt um mich herum erzählen kann.&#xA;&#xA;English translation will be added.&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mein erstes Zuhause in Kenia war in den Eastlands Nairobis. Von dort aus habe ich alle meine bisherigen Blogs verfasst. Über das Gefühl, mit Eindrücken zu überschwemmen an meinen ersten Abenden. Dem zögerlichen Entlangtasten, Abschauen, Nachahmen. Den Herausforderungen und den Spielen und der Ruhe, der stillen See.
Ich bin mir sicher, dass verschiedene Erinnerungen aus dieser Zeit noch ihren Weg in zukünftige Texte finden werden.</p>

<p>Am 5. März, sieben Wochen nach unserem Einzug, waren unsere Koffer und Rucksäcke wieder gepackt und Lola und ich machten uns eine zweites Mal auf die Reise, „anzukommen”. Isa, meine andere Mitfreiwillige, war schon einige Zeit zuvor zu ihrer Tante in einen anderen Stadtteil und anschließend zu einer neuen Gastfamilie gezogen. Normalerweise findet ein Freiwilligendienst nur an einem Ort statt. Aber es besteht die Option, einmal das Projekt zu wechseln, wofür wir drei uns letztendlich aus unterschiedlichen Gründen entschieden. Einen meiner Gründe möchte ich Dir heute erklären.</p>

<p>Das Haus meiner Gastfamilie hatte keinen Garten und es gab auch keinen Park, der in den Stunden zwischen Arbeitsende und Sonnenuntergang erreichbar gewesen wäre. So habe ich mich in Nairobi manchmal gefühlt, als würde mein Alltag nur in geschlossenen Räumen stattfinden: entweder Zuhause, in der Schule (ein Gebäude ohne Hof), in der Mall – oder dazwischen im Auto. Ich sehnte mich danach, mehr Strecken zu Fuß zu laufen und frei neue Orte für Hobbies und Freundschaften zu erkunden, was uns häufig wegen Sicherheitsbedenken untersagt wurde.</p>

<p>Dennoch möchte ich nicht den Eindruck vermitteln, Nairobi sei grundsätzlich eine gefährliche Stadt. Ich habe es geliebt, die Straße in die erlaubte Richtung entlangzuspazieren und an den Wochenenden mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren, ohne mich je ängstlich oder gar bedroht zu fühlen. Gleichzeitig barg meine Unabhängigkeit immer ein gewisses Risiko für meine Gastmama, die es sich nicht verziehen hätte, wenn mir doch etwas zugestoßen wäre. Dadurch gab es Grenzen, die ich zwar empathisch nachvollziehen, aber nicht immer „nachfühlen“ konnte (bspw. wenn mein Sicherheitsempfinden sich von ihrem unterschied). Das war einerseits frustrierend, andererseits erdend: <strong><em>Ich bin die Neue in der Stadt und es liegt an mir, Freiheit innerhalb der Grenzen zu finden, anstatt meine Grenzzieher:innen anzuzweifeln.</em></strong></p>

<p>Nairobi hat mir beigebracht, diese Rolle zu akzeptieren. Ich habe gelesen und gemalt, was immer ich wollte, und, wann immer möglich, Ausflüge gemacht, um mir selbst das Gefühl von Freiheit zu erhalten. Der Wunsch nach mehr Bewegung und Naturnähe ist trotzdem geblieben. Er wuchs, bis ich mir nicht mehr sicher war, ob es wirklich ein Wunsch, oder nicht eher ein Bedürfnis ist. Ich wusste: Hier ist noch nicht mein finales Zuhause in Kenia.</p>

<p>Es folgten Gespräche mit unserer Organisation und Gastfamilie, und schließlich der Abschied von allen Menschen, die mir in der Schule bereits so ans Herz gewachsen waren. Die letzten Nachmittage vor unserem Auszug verbrachte ich mit meinen Aquarellfarben auf dem Balkon, um ihnen kleine Bilder als kleinen Dank für eine überwältigende gemeinsame Zeit zu malen. You can take Maya out of Nairobi, but you can never take Nairobi out of Maya. If you know, you know. ❤️</p>

<p>(Für alle, die es nicht verstehen: Das ist eine Referenz zu der der Liedzeile “You take the man out of the city, not the city out the man“ – zu Deutsch: Man holt den Mann aus der Stadt, nicht die Stadt aus dem Mann.)</p>

<p><img src="https://bilder.lilagesprenkelt.com/i/a4260cc2-dbb8-48ee-93a8-36a478fee9a0.jpg" alt="image"></p>

<p>Tja, und so kamen Lola und ich nach Ngong! Eine 100.000-Einwohner:innen-Stadt, die an den Südwesten Nairobis grenzt; ebenso laut und geschäftig, aber grüner ist als ihre Nachbarin.</p>

<p>Unser neues Projekt ist ein Gemeinschaftsort, der geschaffen wurde, um Kindern einen sicheren Unterschlupf zu bieten, wenn sie (temporär oder dauerhaft) nicht bei ihren Familien leben können. Neben den Schlafsälen und Aufenthaltsräumen der Kinder gibt es auf dem Projektgelände auch eine Schule, Felder, Wassertanks, eine Farm mit Kühen, Hühnern und Bienen, eine Küche, eine Bäckerei, das Gästehaus, in dem wir übernachten, und und und.</p>

<p>Ich könnte diesem Ort nicht gerecht werden, würde ich versuchen, ihn in diesem Text bis in seine Details zu beschreiben. Zumal ich hier gerade nicht weniger neu bin, als ich es in meinen ersten Wochen in Nairobi war, und „schwimmen“ erst lernen muss. Damit meine ich, meinen Fluss finden. Die Strömung verstehen. Treiben.</p>

<p>Ich möchte Dir sagen, ich finde mich gerade selbst noch zurecht. Bevor ich bald wieder mehr von den anderen und der Welt um mich herum erzählen kann.</p>

<h4 id="english-translation-will-be-added">English translation will be added.</h4>
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      <guid>http://lilagesprenkelt.com/ueber-freiheit-oder-ich-bin-umgezogen</guid>
      <pubDate>Mon, 23 Mar 2026 18:08:04 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Statement </title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/statement</link>
      <description>&lt;![CDATA[Liebe Leser:innen meines Blogs, der folgende Text liegt mir sehr am Herzen. Ich versuche Euch an meinen Reflexionen über meinen Freiwilligendienst teilhaben zu lassen, wohl wissend, dass ich über Themen schreibe, mit denen sich manche von Euch vielleicht noch nicht viel beschäftigt haben. Es bedeutet mir die Welt, dass Ihr trotzdem mitlest!&#xA;Hiermit lade ich Euch dazu ein, mir all Eure Fragen und Feedbacks über E-Mail oder WhatsApp zukommen zu lassen. &#xA;&#xA;- -&#xA;&#xA;Stell Dir vor, ich hätte Dir gerade erst erzählt, dass ich vorhabe, für ein Auslandsjahr nach Kenia zu reisen. &#xA;Wenn Du (wie ich) in Westeuropa oder in Nordamerika aufgewachsen bist, ploppen vor Deinem inneren Auge vielleicht sofort einige Bilder auf. Du hast womöglich keinen direkten Bezug zu Kenia, kannst es aber als Land in Afrika einordnen. Mit „Afrika“ haben wir, Du und ich, alle möglichen Assoziationen. Die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie beschreibt sie in ihrem TED Talk “The Danger of a Single Story“ (verlinkt ist eine Version mit deutschen Untertiteln - ich empfehle sehr, sie sich anzuschauen). &#xA;&#xA;  „Wenn alles, was ich über Afrika wüsste, von den weit verbreiteten Bildern herrührte, würde auch ich denken, dass Afrika ein Ort mit schönen Landschaften, schönen Tieren und unbelehrbaren Menschen ist, die sinnlose Kriege führen, an Armut und Aids sterben, nicht imstande, für sich selbst zu sprechen.“ &#xA;  - Chimamanda Ngozi Adichie &#xA;&#xA;Mit der Vorstellung eines armen, hilflosen Afrikas liegt der Gedanke nah, dass ich mich nur aus Selbstlosigkeit für die Reise nach Kenia entschieden haben kann. Es stimmt, dass ich im Rahmen meines Freiwilligendienstes bei einer sozialen Organisation aushelfe. Dabei finde ich mich aber viel häufiger in einer empfangenden als in einer gebenden Rolle: Ich lerne von Kenianer:innen über ihr Schulsystem und Kiswahili, wie man Chapati bäckt und die Busse in Nairobi benutzt - und so viel mehr.&#xA;&#xA;Das Bild des selbstlosen Europäers, der sein Wissen großzügig mit vermeintlich ahnungslosen Afrikaner:innen teile, scheint trotzdem immer wiederzukehren - offen so benannt oder implizit bspw. in der „Entwicklungspolitik“. Es wurzelt tief im europäischen Kolonialismus.&#xA;&#xA;Kolonialismus bezeichnet eine Politik, die zum Ziel hat, gewaltsam die Herrschaft über Gebiete außerhalb des eigenen Staates zu ergreifen. In den 1880er Jahren fand diese Politik beim deutschen Adel und Bürgertum zunehmend Anklang. Die Kolonisation versprach neue Ressourcen und Absatzmärkte, durch die man viel Geld gewinnen wollte. Es ergab sich nur ein moralisches Dilemma, weil es sich im aufgeklärten Europa offiziell nicht ziemte, Menschen zu entrechten und zu bestehlen. &#xA;&#xA;Um zu erklären, warum man Menschen im Globalen Süden (das heißt: in den kolonisierten Gebieten) antun dürfe, was bei den Reichen in Europa verboten war, behaupteten Kolonisierende, ihre Herrschaft würde den indigenen Gesellschaften zur „Zivilisation“ verhelfen. „Zivilisation“ meinte hier: Europäische Zivilisation - Christentum, freie Marktwirtschaft, europäische Wissenssysteme. Die deutsche Regierung, die die Kolonisation förderte (insb. Bismarck, Wilhelm II.), sowie Kolonisierende (bspw. Carl Peters) bildeten sich ein, den kolonisierten Menschen überlegen und deshalb dazu bestimmt zu sein, sie im Wettstreit mit anderen europäischen Kolonialmächten (Spanien, Portugal, Niederlande, England, Frankreich, Belgien, Italien) zu beherrschen. Deutschland kolonisierte unter anderem Teile Ostafrikas, die heute zu den Staaten Tansania, Ruanda und Burundi gehören.&#xA;&#xA;Wenn Du und ich heute davon ausgehen, dass ein vormals kolonisierter Staat wie Kenia ausschließlich ein Ort des Mangels ist, der sich erst noch zu einer Industrienation wie Deutschland „entwickeln“ muss, denken wir entlang einer kolonialen Hierarchie, die den Globalen Süden (kolonisierte Staaten) dem Globalen Norden (kolonisierende Staaten) unterordnet. Ich möchte nicht behaupten, dass es in Kenia keine Armut gibt. Auch will ich den Mangel an Lebensmitteln, Wasser, Wohnraum, bezahlbarer Bildung oder Arbeitsplätzen nicht verharmlosen. Es geht mir um die Art und Weise, wie ich mit meiner Familie und meinen Freund:innen über Kenia spreche und wie meine Erzählungen eingeordnet werden. Anstatt unsere Annahmen vom Anfang (Afrika sei pauschal arm und hilflos) immer wieder zu bekräftigen, können wir fragen: Welche politischen Ursachen stehen hinter Problemen in Kenia? Welche Lösungen schlagen politische Akteure und Aktivist:innen vor Ort vor? Gehen wir (unterbewusst) davon aus, dass Deutschland - Westeuropa - der Globale Norden der Maßstab für „Entwicklung“ sind? Welche Probleme gibt es in dem Land, in dem wir aufgewachsen sind; wo könnte man von Vorbildern aus Kenia - Afrika - dem Globalen Süden lernen? &#xA;&#xA;Auf einem der ersten Seminare, die ich vor meinem Freiwilligendienst besucht habe, eröffnete mein damaliger Koordinator Karsten eine Einheit zu fairem Berichten mit folgenden Worten: „Jedes Bild, das ihr aus eurem Auslandsaufenthalt postet, ist ein Statement“. Er wollte damit betonen, wie mächtig Freiwillige in ihrer Rolle als Berichtende sind. Abgesehen von den Nachrichten bin ich vermutlich Deine einzige Informationsquelle aus Kenia. &#xA;Ich könnte Dir Bilder vom Dach des KICC-Turms in Nairobi zeigen, um zu „beweisen“, wie hoch und eindrucksvoll das Stadtzentrum bebaut ist. Es wäre ein Kontrast zu den Naturbildern, die Du vielleicht sonst mit Kenia verbindest. Gleichzeitig würde ich damit wieder an Großstädten des Globalen Nordens als Ideal festhalten. Muss Nairobi aussehen wie New York oder Paris, um „fortschrittlich“ zu sein? &#xA;&#xA;Ich möchte mir in meinen Texten die oben aufgeführten Fragen stellen, weil ich fest daran glaube, dass es letztendlich (von Vorurteilen) befreit, Hintergründe und Komplexität zu benennen. &#xA;&#xA;Es bleibt dennoch eine Herausforderung, verantwortungsvoll zu berichten: Ich bin nicht vorurteilsfrei. Ich ordne meine Erfahrungen auch intuitiv in gelernte Kategorien ein und muss mich hinterfragen, austauschen und recherchieren, um über meinen Tellerrand hinauszusehen. &#xA;&#xA;- -&#xA;&#xA;Ich wünsche mir, dass Du durch diesen Blog mit mir einen Blick über Deinen Tellerrand wagen kannst, er Dir Freude bereitet und Dich neugierig macht, mehr zu lernen - selbst, wenn es manchmal weh tut, sich bspw. mit dem Ausmaß der Zerstörung durch den Kolonialismus zu beschäftigen. Ich übe mich noch darin, wie ich genug Theorie in meine Texte einbette, um den Kontext verständlich zu machen, ohne Dich zu langweilen.&#xA;&#xA;Danke, dass Du da bist, und mich auf meiner Reise begleitest! 💞 &#xA;&#xA;English translation will be added.&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen meines Blogs, der folgende Text liegt mir sehr am Herzen. Ich versuche Euch an meinen Reflexionen über meinen Freiwilligendienst teilhaben zu lassen, wohl wissend, dass ich über Themen schreibe, mit denen sich manche von Euch vielleicht noch nicht viel beschäftigt haben. Es bedeutet mir die Welt, dass Ihr trotzdem mitlest!
Hiermit lade ich Euch dazu ein, mir all Eure Fragen und Feedbacks über <a href="mailto:maya.gierich@gmail.com">E-Mail</a> oder WhatsApp zukommen zu lassen.</p>

<hr>

<p>Stell Dir vor, ich hätte Dir gerade erst erzählt, dass ich vorhabe, für ein Auslandsjahr nach Kenia zu reisen.
Wenn Du (wie ich) in Westeuropa oder in Nordamerika aufgewachsen bist, ploppen vor Deinem inneren Auge vielleicht sofort einige Bilder auf. Du hast womöglich keinen direkten Bezug zu Kenia, kannst es aber als Land in Afrika einordnen. Mit „Afrika“ haben wir, Du und ich, alle möglichen Assoziationen. Die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie beschreibt sie in ihrem TED Talk <a href="https://youtu.be/mgs2Do88zp0?si=snGKvccbBVoJ3ucX">“The Danger of a Single Story“</a> (verlinkt ist eine Version mit deutschen Untertiteln – ich empfehle sehr, sie sich anzuschauen).</p>

<blockquote><p>„Wenn alles, was ich über Afrika wüsste, von den weit verbreiteten Bildern herrührte, würde auch ich denken, dass Afrika ein Ort mit schönen Landschaften, schönen Tieren und unbelehrbaren Menschen ist, die sinnlose Kriege führen, an Armut und Aids sterben, nicht imstande, für sich selbst zu sprechen.“
– Chimamanda Ngozi Adichie</p></blockquote>

<p>Mit der Vorstellung eines armen, hilflosen Afrikas liegt der Gedanke nah, dass ich mich nur aus Selbstlosigkeit für die Reise nach Kenia entschieden haben kann. Es stimmt, dass ich im Rahmen meines Freiwilligendienstes bei einer sozialen Organisation aushelfe. Dabei finde ich mich aber viel häufiger in einer empfangenden als in einer gebenden Rolle: Ich lerne von Kenianer:innen über ihr Schulsystem und Kiswahili, wie man Chapati bäckt und die Busse in Nairobi benutzt – und so viel mehr.</p>

<p>Das Bild des selbstlosen Europäers, der sein Wissen großzügig mit vermeintlich ahnungslosen Afrikaner:innen teile, scheint trotzdem immer wiederzukehren – offen so benannt oder implizit bspw. in der „Entwicklungspolitik“. Es wurzelt tief im europäischen Kolonialismus.</p>

<p>Kolonialismus bezeichnet eine Politik, die zum Ziel hat, gewaltsam die Herrschaft über Gebiete außerhalb des eigenen Staates zu ergreifen. In den 1880er Jahren fand diese Politik beim deutschen Adel und Bürgertum zunehmend Anklang. Die Kolonisation versprach neue Ressourcen und Absatzmärkte, durch die man viel Geld gewinnen wollte. Es ergab sich nur ein moralisches Dilemma, weil es sich im aufgeklärten Europa offiziell nicht ziemte, Menschen zu entrechten und zu bestehlen.</p>

<p>Um zu erklären, warum man Menschen im Globalen Süden (das heißt: in den kolonisierten Gebieten) antun dürfe, was bei den Reichen in Europa verboten war, behaupteten Kolonisierende, ihre Herrschaft würde den indigenen Gesellschaften zur „Zivilisation“ verhelfen. „Zivilisation“ meinte hier: <em>Europäische</em> Zivilisation – Christentum, freie Marktwirtschaft, europäische Wissenssysteme. Die deutsche Regierung, die die Kolonisation förderte (insb. Bismarck, Wilhelm II.), sowie Kolonisierende (bspw. Carl Peters) bildeten sich ein, den kolonisierten Menschen überlegen und deshalb dazu bestimmt zu sein, sie im Wettstreit mit anderen europäischen Kolonialmächten (Spanien, Portugal, Niederlande, England, Frankreich, Belgien, Italien) zu beherrschen. Deutschland kolonisierte unter anderem Teile Ostafrikas, die heute zu den Staaten Tansania, Ruanda und Burundi gehören.</p>

<p>Wenn Du und ich heute davon ausgehen, dass ein vormals kolonisierter Staat wie Kenia ausschließlich ein Ort des Mangels ist, der sich erst noch zu einer Industrienation wie Deutschland „entwickeln“ muss, denken wir entlang einer kolonialen Hierarchie, die den Globalen Süden (kolonisierte Staaten) dem Globalen Norden (kolonisierende Staaten) unterordnet. Ich möchte nicht behaupten, dass es in Kenia keine Armut gibt. Auch will ich den Mangel an Lebensmitteln, Wasser, Wohnraum, bezahlbarer Bildung oder Arbeitsplätzen nicht verharmlosen. Es geht mir um die Art und Weise, wie ich mit meiner Familie und meinen Freund:innen über Kenia spreche und wie meine Erzählungen eingeordnet werden. Anstatt unsere Annahmen vom Anfang (Afrika sei pauschal arm und hilflos) immer wieder zu bekräftigen, können wir fragen: Welche politischen Ursachen stehen hinter Problemen in Kenia? Welche Lösungen schlagen politische Akteure und Aktivist:innen vor Ort vor? Gehen wir (unterbewusst) davon aus, dass Deutschland – Westeuropa – der Globale Norden der Maßstab für „Entwicklung“ sind? Welche Probleme gibt es in dem Land, in dem wir aufgewachsen sind; wo könnte man von Vorbildern aus Kenia – Afrika – dem Globalen Süden lernen?</p>

<p>Auf einem der ersten Seminare, die ich vor meinem Freiwilligendienst besucht habe, eröffnete mein damaliger Koordinator Karsten eine Einheit zu fairem Berichten mit folgenden Worten: „Jedes Bild, das ihr aus eurem Auslandsaufenthalt postet, ist ein Statement“. Er wollte damit betonen, wie mächtig Freiwillige in ihrer Rolle als Berichtende sind. Abgesehen von den Nachrichten bin ich vermutlich Deine einzige Informationsquelle aus Kenia.
Ich könnte Dir Bilder vom Dach des KICC-Turms in Nairobi zeigen, um zu „beweisen“, wie hoch und eindrucksvoll das Stadtzentrum bebaut ist. Es wäre ein Kontrast zu den Naturbildern, die Du vielleicht sonst mit Kenia verbindest. Gleichzeitig würde ich damit <em>wieder</em> an Großstädten des Globalen Nordens als Ideal festhalten. Muss Nairobi aussehen wie New York oder Paris, um „fortschrittlich“ zu sein?</p>

<p>Ich möchte mir in meinen Texten die oben aufgeführten Fragen stellen, weil ich fest daran glaube, dass es letztendlich (von Vorurteilen) <strong><em>befreit</em></strong>, Hintergründe und Komplexität zu benennen.</p>

<p>Es bleibt dennoch eine Herausforderung, verantwortungsvoll zu berichten: Ich bin nicht vorurteilsfrei. Ich ordne meine Erfahrungen auch intuitiv in gelernte Kategorien ein und muss mich hinterfragen, austauschen und recherchieren, um über meinen Tellerrand hinauszusehen.</p>

<hr>

<p>Ich wünsche mir, dass Du durch diesen Blog mit mir einen Blick über Deinen Tellerrand wagen kannst, er Dir Freude bereitet und Dich neugierig macht, mehr zu lernen – selbst, wenn es manchmal weh tut, sich bspw. mit dem Ausmaß der Zerstörung durch den Kolonialismus zu beschäftigen. Ich übe mich noch darin, wie ich genug Theorie in meine Texte einbette, um den Kontext verständlich zu machen, ohne Dich zu langweilen.</p>

<p><em>Danke, dass Du da bist, und mich auf meiner Reise begleitest!</em> 💞</p>

<h4 id="english-translation-will-be-added">English translation will be added.</h4>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/statement</guid>
      <pubDate>Mon, 09 Mar 2026 14:42:45 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Happy Valentine&#39;s Day!</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/happy-valentines-day</link>
      <description>&lt;![CDATA[Unlike every year before, I was fully aware of Valentine&#39;s Day approaching this February. Isa had mentioned it for the first time weeks ago and ever since, I kept being reminded persistently. Take yesterday, for instance:&#xA;&#xA;I started working as a teacher&#39;s assistent in pre-primary 1 at the beginning of the month. Sometimes, the two of us can smalltalk a little while the children are copying something off the whiteboard or solving a task. Yesterday, teacher J. asked me whether I&#39;d go out on Saturday to celebrate. &#xA;In the afternoon, Lola and I went for a shopping spree in the nearest mall within walking distance as she wanted to buy some beauty supplies and I ran out of toothpaste. At the entrance of Naivas, a Kenyan supermarket chain, we walked past a large Valentine&#39;s setup with teddy bears, flowers and chocolate. And even the paper bag Lola received with her iced coffee at JavaHouse had hearts on it. &#xA;&#xA;I was never so fond of Valentine&#39;s Day because I felt like it was very performative to (only) cherish your loved ones on one set date. Besides, I always thought it was an entirely capitalist invention - until I found out about its Christian origin when I researched it earlier. &#xA;&#xA;Today, it&#39;s different. I still don&#39;t feel connected to any traditions surrounding Valentine&#39;s Day, but I do love it&#39;s granting me an occasion to write about love. I told teacher J. I&#39;m not going out on Saturday and, no, I&#39;m neither in a relationship nor intending to be, as I&#39;m leaving Kenya again in 11 months. But truly, I am certain there is much more to love than the advertisment images for Valentine&#39;s dates make us believe.&#xA;&#xA;I&#39;m thinking of.&#xA;&#xA;My best friend Lena, who is not my best friend in a hierarchical sense, but who has been carrying my heart for so long, she knows its story best. Who could have guessed being separated by 6300 km would only make me feel closer to you? &#xA;&#xA;The letters, my pen pal Julia and I used to send one another, that could very much be considered love letters if we had a more expansive understanding of love. &#xA;&#xA;My friend Siri, who greeted me with roses when I returned home from France last December. &#xA;&#xA;All the romance hidden in friendships.&#xA;&#xA;Now, I will spend the rest of my day chilling and cooking eggplant casserole for dinner with my Galentine, Lola. &#xA;&#xA;Sorry this text is ending a bit abruptly. &#xA;I&#39;m busy celebrating love! xx&#xA;&#xA;German translation below&#xA;&#xA;Anders als in den Jahren zuvor war mir der bevorstehende Valentinstag diesen Februar völlig bewusst. Isa hatte ihn vor Wochen zum ersten Mal erwähnt, und seitdem wurde ich hartnäckig daran erinnert. Nehmen wir zum Beispiel gestern:&#xA;&#xA;Ich habe Anfang des Monats begonnen, als Assistenzlehrkraft in der pre-primary 1 (Vorschulklasse) zu arbeiten. Manchmal können die Lehrerin (J.) der Klasse und ich ein wenig smalltalken, während die Kinder etwas von der Tafel abschreiben oder eine Aufgabe lösen. Gestern fragte sie mich, ob ich am Samstag zum Valentinstag ausgehen würde.&#xA;&#xA;Nachmittags waren Lola und ich in der nächstgelegenen Mall einkaufen, da sie einige Kosmetikartikel und ich eine neue Tube Zahnpasta kaufen wollte. Am Eingang von Naivas, einer kenianischen Supermarktkette, kamen wir an einer großen Valentinstagsaufstellung mit Teddybären, Blumen und Schokolade vorbei. Und sogar die Papiertüte, die Lola zu ihrem Eiskaffee im JavaHouse bekam, war mit Herzen verziert.&#xA;&#xA;Ich war nie ein großer Fan vom Valentinstag, weil ich das Gefühl hatte, es wäre sehr performativ, seine Liebsten (nur) an einem einzigen, festgelegten Tag zu feiern. Außerdem habe ich den Valentinstag immer für eine rein kapitalistische Erfindung gehalten, bis ich vorhin von seinem christlichen Ursprung gelesen habe.&#xA;&#xA;Heute ist es anders. Ich fühle mich zwar noch immer nicht mit der Tradition des Valentinstags als solchem verbunden, aber ich freue mich, dass er mir die Gelegenheit gibt, über die Liebe zu schreiben. Ich habe J. gestern gesagt, dass ich am Samstag nicht ausgehen würde, und, dass ich weder in einer Beziehung sei noch plane, eine zu beginnen, da ich Kenia in elf Monaten wieder verlasse. Gleichzeitig bin ich mir vollkommen sicher, dass Liebe viel mehr ist, als die Werbebilder für Valentinstags-Dates uns glauben lassen wollen.&#xA;&#xA;Ich denke an.&#xA;&#xA;Meine beste Freundin Lena, die nicht meine beste Freundin in einem hierarchischen Sinne ist, aber mein Herz schon so lange mitträgt, dass sie seine Geschichte am besten kennt. Wer hätte gedacht, dass 6300 km Entfernung mich dir nur noch näher fühlen lassen würden?&#xA;&#xA;Die Briefe, die meine Brieffreundin Julia und ich uns früher geschrieben haben - welche man durchaus als Liebesbriefe bezeichnen könnte, wenn wir ein breiteres, umfassenderes Verständnis von Liebe hätten. &#xA;&#xA;Meine Freundin Siri, die mich letzten Dezember mit Rosen begrüßt hat, als ich aus Frankreich nachhause gekommen bin. &#xA;&#xA;Ich denke an die Romantik, die meine Freundschaften bereichert, und dennoch in ihnen verborgen zu bleiben scheint.&#xA;&#xA;Nun verbringe in den Rest des Tages entspannt mit meiner Galentine Lola und koche mit ihr später Auberginenauflauf zum Abendessen für alle. &#xA;&#xA;Verzeiht mir, dass dieser Blogeintrag so abrupt endet. &#xA;Ich bin jetzt beschäftigt, die Liebe zu feiern! xx&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Unlike every year before, I was fully aware of Valentine&#39;s Day approaching this February. Isa had mentioned it for the first time weeks ago and ever since, I kept being reminded persistently. Take yesterday, for instance:</p>

<p>I started working as a teacher&#39;s assistent in pre-primary 1 at the beginning of the month. Sometimes, the two of us can smalltalk a little while the children are copying something off the whiteboard or solving a task. Yesterday, teacher J. asked me whether I&#39;d go out on Saturday to celebrate.
In the afternoon, Lola and I went for a shopping spree in the nearest mall within walking distance as she wanted to buy some beauty supplies and I ran out of toothpaste. At the entrance of Naivas, a Kenyan supermarket chain, we walked past a large Valentine&#39;s setup with teddy bears, flowers and chocolate. And even the paper bag Lola received with her iced coffee at JavaHouse had hearts on it.</p>

<p>I was never so fond of Valentine&#39;s Day because I felt like it was very performative to (only) cherish your loved ones on one set date. Besides, I always thought it was an entirely capitalist invention – until I found out about its Christian origin when I researched it earlier.</p>

<p>Today, it&#39;s different. I still don&#39;t feel connected to any traditions surrounding Valentine&#39;s Day, but I do love it&#39;s granting me an occasion to write about love. I told teacher J. I&#39;m not going out on Saturday and, no, I&#39;m neither in a relationship nor intending to be, as I&#39;m leaving Kenya again in 11 months. But truly, I am certain there is much more to love than the advertisment images for Valentine&#39;s dates make us believe.</p>

<p>I&#39;m thinking of.</p>

<p>My best friend Lena, who is not my best friend in a hierarchical sense, but who has been carrying my heart for so long, she knows its story best. Who could have guessed being separated by 6300 km would only make me feel closer to you?</p>

<p>The letters, my pen pal Julia and I used to send one another, that could very much be considered love letters if we had a more expansive understanding of love.</p>

<p>My friend Siri, who greeted me with roses when I returned home from France last December.</p>

<p><em>All the romance hidden in friendships.</em></p>

<p>Now, I will spend the rest of my day chilling and cooking eggplant casserole for dinner with my Galentine, Lola.</p>

<p>Sorry this text is ending a bit abruptly.
I&#39;m busy celebrating love! xx</p>

<h5 id="german-translation-below">German translation below</h5>

<p>Anders als in den Jahren zuvor war mir der bevorstehende Valentinstag diesen Februar völlig bewusst. Isa hatte ihn vor Wochen zum ersten Mal erwähnt, und seitdem wurde ich hartnäckig daran erinnert. Nehmen wir zum Beispiel gestern:</p>

<p>Ich habe Anfang des Monats begonnen, als Assistenzlehrkraft in der pre-primary 1 (Vorschulklasse) zu arbeiten. Manchmal können die Lehrerin (J.) der Klasse und ich ein wenig smalltalken, während die Kinder etwas von der Tafel abschreiben oder eine Aufgabe lösen. Gestern fragte sie mich, ob ich am Samstag zum Valentinstag ausgehen würde.</p>

<p>Nachmittags waren Lola und ich in der nächstgelegenen Mall einkaufen, da sie einige Kosmetikartikel und ich eine neue Tube Zahnpasta kaufen wollte. Am Eingang von Naivas, einer kenianischen Supermarktkette, kamen wir an einer großen Valentinstagsaufstellung mit Teddybären, Blumen und Schokolade vorbei. Und sogar die Papiertüte, die Lola zu ihrem Eiskaffee im JavaHouse bekam, war mit Herzen verziert.</p>

<p>Ich war nie ein großer Fan vom Valentinstag, weil ich das Gefühl hatte, es wäre sehr performativ, seine Liebsten (nur) an einem einzigen, festgelegten Tag zu feiern. Außerdem habe ich den Valentinstag immer für eine rein kapitalistische Erfindung gehalten, bis ich vorhin von seinem christlichen Ursprung gelesen habe.</p>

<p>Heute ist es anders. Ich fühle mich zwar noch immer nicht mit der Tradition des Valentinstags als solchem verbunden, aber ich freue mich, dass er mir die Gelegenheit gibt, über die Liebe zu schreiben. Ich habe J. gestern gesagt, dass ich am Samstag nicht ausgehen würde, und, dass ich weder in einer Beziehung sei noch plane, eine zu beginnen, da ich Kenia in elf Monaten wieder verlasse. Gleichzeitig bin ich mir vollkommen sicher, dass Liebe viel mehr ist, als die Werbebilder für Valentinstags-Dates uns glauben lassen wollen.</p>

<p>Ich denke an.</p>

<p>Meine beste Freundin Lena, die nicht meine beste Freundin in einem hierarchischen Sinne ist, aber mein Herz schon so lange mitträgt, dass sie seine Geschichte am besten kennt. Wer hätte gedacht, dass 6300 km Entfernung mich dir nur noch näher fühlen lassen würden?</p>

<p>Die Briefe, die meine Brieffreundin Julia und ich uns früher geschrieben haben – welche man durchaus als Liebesbriefe bezeichnen könnte, wenn wir ein breiteres, umfassenderes Verständnis von Liebe hätten.</p>

<p>Meine Freundin Siri, die mich letzten Dezember mit Rosen begrüßt hat, als ich aus Frankreich nachhause gekommen bin.</p>

<p><em>Ich denke an die Romantik, die meine Freundschaften bereichert, und dennoch in ihnen verborgen zu bleiben scheint.</em></p>

<p>Nun verbringe in den Rest des Tages entspannt mit meiner Galentine Lola und koche mit ihr später Auberginenauflauf zum Abendessen für alle.</p>

<p>Verzeiht mir, dass dieser Blogeintrag so abrupt endet.
Ich bin jetzt beschäftigt, die Liebe zu feiern! xx</p>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/happy-valentines-day</guid>
      <pubDate>Sat, 14 Feb 2026 09:41:16 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Hm!</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/hm</link>
      <description>&lt;![CDATA[Zuhause habe ich gar nicht das Gefühl, Essen habe eine kulturelle Bedeutung, auch wenn das natürlich nicht stimmt. Ich empfinde unser Familienessen vielleicht nicht immer als „traditionell Deutsch“, dafür hat es aber Tradition innerhalb unserer Familie, und mindestens einen Bezug zu dem Ort, wo wir wohnen. Wir essen, was es frisch aus dem Garten oder in den Supermärkten zu kaufen gibt: Gemüse, Reis, Nudeln, Brot, Käse. Erdbeeren im Sommer. Eierkuchen. Müsli. Mamas Kräutersauce. Es gibt Essen zu besonderen Anlässen, wie Raclette an Silvester. Natürlich habe ich Lieblingsgerichte zuhause, die ich aber erst mit zuhause verbinde, sobald es sie woanders nicht mehr gibt. &#xA;&#xA;Essen in Kenia macht Spaß, weil es genug neu ist, um spannend zu schmecken, und mich gleichzeitig an Wohlfühlessen zuhause erinnert. Auch hier gilt, dass die Essensgewohnheiten meiner Gastfamilie nicht nur „kenianisch“ sind, sondern durch ihre Geschichte und persönliche Vorlieben geprägt. Ich erzähle euch von einem kenianischen Haushalt, ohne dadurch Rückschlüsse auf jeden anderen zuzulassen.&#xA;&#xA;Morgens essen wir häufig Toast mit Margarine, Bananen oder Süßkartoffeln. In der Schule bäckt die Köchin zur Teezeit manchmal Mandazi für die Lehrkräfte und Freiwilligen: das sind in der Pfanne gebratene Teigtaschen, die ein bisschen süßlich schmecken. Zum Mittagessen gibt es entweder Reis oder Ugali (einen festen Maisbrei) mit Cabbage (gekochter Kohl mit Zwiebeln und Tomaten) oder Bohnen. Ab und zu auch Chapati: eine Art Fladenbrot, das aus Indien nach Kenia gekommen ist. Fleisch ist in meinem Alltag eher selten, aber manchmal in der Bolognese zu den Spaghetti, die in meiner Gastfamilie gerne gekocht werden, oder wenn es Fisch oder Samosa mit Fleischfüllung gibt. &#xA;&#xA;Nichts von alledem schlägt die Mango, die ich mir in meiner zweiten Woche mit Lola geteilt habe, während wir an den Verkaufsständen unserer Straße entlang spaziert sind und uns durch die Früchte probiert haben. Im Januar und Februar haben Mangos in Kenia den Höhepunkt ihrer Saison, und ich finde, man schmeckt es. &#xA;&#xA;English translation below&#xA;&#xA;At home, I don&#39;t feel that food has any cultural significance, even though that&#39;s obviously not true. I might not always consider our family meals to be &#34;traditionally German,&#34; but they are a tradition within our family and have at least some connection to the place where we live. We eat what&#39;s fresh from the garden or available in the supermarkets: vegetables, rice, pasta, bread, cheese. Strawberries in the summer. Pancakes. Cereal. Mom&#39;s herb sauce. There are meals for special occasions, like raclette on New Year&#39;s Eve. Of course I have favorite dishes at home, but I only associate them with home once they&#39;re no longer available elsewhere.&#xA;&#xA;Eating in Kenya is fun because it&#39;s new enough to be exciting and yet reminds me of comfort foods at home. Here too, it&#39;s important to understand that my host family&#39;s eating habits aren&#39;t simply &#34;Kenyan,&#34; but rather shaped by their history and personal preferences. I&#39;m telling you about one Kenyan household, without implying that this applies to every other household as well.&#xA;&#xA;In the mornings, we often eat toast with margarine, bananas, or sweet potatoes. At school, the cook sometimes bakes mandazi for the teachers and volunteers at teatime: these are pan-fried pastries that have a slightly sweet taste.  For lunch, there&#39;s either rice or ugali (a firm maize porridge) with cabbage (cooked cabbage with onions and tomatoes) or beans. Occasionally, there&#39;s also chapati: a type of flatbread that came from India to Kenya. Meat is rather rare in my daily life, but sometimes it appears in the Bolognese sauce with spaghetti, which my host family likes to cook, or when there&#39;s fish or samosa with a meat filling.&#xA;&#xA;None of that, however, beats the mango I shared with Lola during my second week as we strolled along our street, trying out different fruits from the stalls. Mangos reach their peak season in Kenya in January and February, and I think you can taste it.&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zuhause habe ich gar nicht das Gefühl, Essen habe eine kulturelle Bedeutung, auch wenn das natürlich nicht stimmt. Ich empfinde unser Familienessen vielleicht nicht immer als „traditionell Deutsch“, dafür hat es aber Tradition innerhalb unserer Familie, und mindestens einen Bezug zu dem Ort, wo wir wohnen. Wir essen, was es frisch aus dem Garten oder in den Supermärkten zu kaufen gibt: Gemüse, Reis, Nudeln, Brot, Käse. Erdbeeren im Sommer. Eierkuchen. Müsli. Mamas Kräutersauce. Es gibt Essen zu besonderen Anlässen, wie Raclette an Silvester. Natürlich habe ich Lieblingsgerichte zuhause, die ich aber erst mit zuhause verbinde, sobald es sie woanders nicht mehr gibt.</p>

<p>Essen in Kenia macht Spaß, weil es genug neu ist, um spannend zu schmecken, und mich gleichzeitig an Wohlfühlessen zuhause erinnert. Auch hier gilt, dass die Essensgewohnheiten meiner Gastfamilie nicht nur „kenianisch“ sind, sondern durch ihre Geschichte und persönliche Vorlieben geprägt. Ich erzähle euch von einem kenianischen Haushalt, ohne dadurch Rückschlüsse auf jeden anderen zuzulassen.</p>

<p>Morgens essen wir häufig Toast mit Margarine, Bananen oder Süßkartoffeln. In der Schule bäckt die Köchin zur Teezeit manchmal Mandazi für die Lehrkräfte und Freiwilligen: das sind in der Pfanne gebratene Teigtaschen, die ein bisschen süßlich schmecken. Zum Mittagessen gibt es entweder Reis oder Ugali (einen festen Maisbrei) mit Cabbage (gekochter Kohl mit Zwiebeln und Tomaten) oder Bohnen. Ab und zu auch Chapati: eine Art Fladenbrot, das aus Indien nach Kenia gekommen ist. Fleisch ist in meinem Alltag eher selten, aber manchmal in der Bolognese zu den Spaghetti, die in meiner Gastfamilie gerne gekocht werden, oder wenn es Fisch oder Samosa mit Fleischfüllung gibt.</p>

<p>Nichts von alledem schlägt die Mango, die ich mir in meiner zweiten Woche mit Lola geteilt habe, während wir an den Verkaufsständen unserer Straße entlang spaziert sind und uns durch die Früchte probiert haben. Im Januar und Februar haben Mangos in Kenia den Höhepunkt ihrer Saison, und ich finde, man schmeckt es.</p>

<h5 id="english-translation-below">English translation below</h5>

<p>At home, I don&#39;t feel that food has any cultural significance, even though that&#39;s obviously not true. I might not always consider our family meals to be “traditionally German,” but they are a tradition within our family and have at least some connection to the place where we live. We eat what&#39;s fresh from the garden or available in the supermarkets: vegetables, rice, pasta, bread, cheese. Strawberries in the summer. Pancakes. Cereal. Mom&#39;s herb sauce. There are meals for special occasions, like raclette on New Year&#39;s Eve. Of course I have favorite dishes at home, but I only associate them with home once they&#39;re no longer available elsewhere.</p>

<p>Eating in Kenya is fun because it&#39;s new enough to be exciting and yet reminds me of comfort foods at home. Here too, it&#39;s important to understand that my host family&#39;s eating habits aren&#39;t simply “Kenyan,” but rather shaped by their history and personal preferences. I&#39;m telling you about one Kenyan household, without implying that this applies to every other household as well.</p>

<p>In the mornings, we often eat toast with margarine, bananas, or sweet potatoes. At school, the cook sometimes bakes mandazi for the teachers and volunteers at teatime: these are pan-fried pastries that have a slightly sweet taste.  For lunch, there&#39;s either rice or ugali (a firm maize porridge) with cabbage (cooked cabbage with onions and tomatoes) or beans. Occasionally, there&#39;s also chapati: a type of flatbread that came from India to Kenya. Meat is rather rare in my daily life, but sometimes it appears in the Bolognese sauce with spaghetti, which my host family likes to cook, or when there&#39;s fish or samosa with a meat filling.</p>

<p>None of that, however, beats the mango I shared with Lola during my second week as we strolled along our street, trying out different fruits from the stalls. Mangos reach their peak season in Kenya in January and February, and I think you can taste it.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/hm</guid>
      <pubDate>Sun, 01 Feb 2026 14:17:52 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Be patient </title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/be-patient</link>
      <description>&lt;![CDATA[I can watch my body starting to feel home in Kenya. It wakes me gently with the rising sun, always before our alarm at 7:30 a.m. When it becomes hungry for breakfast, perfectly synced with my fellow housemates, I reach for the chocolate-flavoured margarine because my body found to enjoy it on our second morning. I don&#39;t have to think to figure out its needs, by now my body can care for my busy mind instead. It knows to take me outside for reading or stretching on the balcony, to shower hot on some and cold on the other days. My body is much smarter than I had thought. Surprisingly, it&#39;s my mind that is stumbling behind. Most nights, I dream about being home in Germany and having to say goodbye to everyone all over again. Each time I worry about the long, expensive flight I&#39;ll have to endure AGAIN, not realising I have arrived, once and for all.&#xA;&#xA;I wonder how long it&#39;ll take me to start thinking and dreaming in English. Maybe I won&#39;t ever, as I still text my friends back home and talk to Lola in German, when Isa (my roommate from Peru) isn&#39;t around? But I really hope I will, eventually. If I was granted one wish for the next year, I&#39;d even dare to wish for a dream in Swahili. &#xA;&#xA;During the week, Isa, Lola and I work at a community school in Mowlem (neighbourhood in the east of Nairobi). It was founded 2008 by our host mum, who regularly welcomes short-term volunteers in her home additionally to us. Just like you&#39;d imagine, she&#39;s a very active and open-hearted woman - sharing her house with different international guests all year around. Together with her two adult-sons (my host brothers), she works as a teacher.&#xA;&#xA;The place I&#39;ve come to love is located on top of the five-level school building. It&#39;s the school&#39;s kitchen and next to it the roof terrace, where the students (“learners“) spend their breaks and eat lunch. When I rest my chin on the railing surrounding the terrace, I feel like a sailor observing the sea, letting their eyes wander with the waves along the horizon. Except, I&#39;m watching a city&#39;s skyline. My favourite part are the balconies. Almost all of them are hung with laundry, which sways evenly back and forth in the wind&#39;s rhythm.&#xA;&#xA;The cook, who is only called &#34;chef&#34;, and her co-worker Kevin are the second reason I decided to help out in the kitchen most of the time. I have very little cooking experience (does putting noodles into a pot count?), yet they are willing to explain every tiny step, only so that I can participate. When I cannot, I become an observer again. Learning with my senses, in the same way children do. &#xA;&#xA;On Wednesday morning, Isa and Lola woke up feeling sick. As they were feeling even worse when I returned from school, we decided to go the hospital in the afternoon. They were given medication and are doing much better now, fortunately, so I&#39;m only including this here for myself to remember. &#xA;The three of us are very different people in some aspects. Whatsoever, we care for one another nonetheless, and I believe that&#39;s such a meaningful experience. &#xA;&#xA;Lastly I wish you, who are reading this, a lot of patience with yourself and the ones around you. At home, I often felt like I was running out of time, especially when I was still in school. Now it&#39;s so good to be here and realise: I don&#39;t have to know yet - because I DO have time to find out and this is just the beginning, after all. &#xA;&#xA;German translation below (danke Uli!)&#xA;&#xA;Ich kann beobachten, wie mein Körper beginnt, sich in Kenia zu Hause zu fühlen. Er weckt mich sanft mit der aufgehenden Sonne, immer vor unserem Wecker um 7:30 Uhr. Wenn er Hunger auf Frühstück bekommt - perfekt abgestimmt mit den anderen Hausbewohner:innen - greife ich zur Margarine mit Schokogeschmack, weil mein Körper sie an unserem zweiten Morgen für sich entdeckt hat. Ich muss nicht mehr nachdenken, um seine Bedürfnisse zu verstehen. Inzwischen kann sich mein Körper um meinen ratternden Kopf kümmern. Er weiß, wann es Zeit ist, nach draußen zu gehen, um auf dem Balkon zu lesen oder mich zu dehnen, wann ich heiß duschen sollte und an welchen Tagen kalt. Mein Körper ist viel klüger, als ich gedacht hatte. Überraschenderweise ist es mein Kopf, der hinterherhinkt. Die meisten Nächte träume ich davon, wieder zu Hause in Deutschland zu sein und mich erneut von allen verabschieden zu müssen. Jedes Mal sorge ich mich um den langen, teuren Flug, den ich schon wieder auf mich nehmen muss - ohne zu realisieren, dass ich angekommen bin. Ein für alle Mal.&#xA;&#xA;Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis ich anfange, auf Englisch zu denken und zu träumen. Vielleicht werde ich es nie tun, da ich meinen Freund:innen zu Hause weiterhin auf Deutsch schreibe und auch mit Lola Deutsch spreche, wenn Isa (meine Mitbewohnerin aus Peru) nicht dabei ist. Aber ich hoffe sehr, dass es irgendwann passiert. Wenn ich mir für das nächste Jahr einen Wunsch erfüllen dürfte, würde ich es sogar wagen, mir einen Traum auf Swahili zu wünschen.&#xA;&#xA;Unter der Woche arbeiten Isa, Lola und ich an einer Community School in Mowlem (einem Viertel im Osten Nairobis). Sie wurde 2008 von unserer Gastmutter gegründet, die neben uns regelmäßig auch Kurzzeit-Freiwillige in ihrem Zuhause aufnimmt. Wie man es sich vorstellt, ist sie eine sehr aktive und warmherzige Frau – sie teilt ihr Haus das ganze Jahr über mit internationalen Gästen. Zusammen mit ihren zwei erwachsenen Söhnen (meinen Gastbrüdern) arbeitet sie als Lehrerin.&#xA;&#xA;Der Ort, den ich besonders lieben gelernt habe, befindet sich ganz oben auf dem fünfstöckigen Schulgebäude. Dort liegen die Schulküche und direkt daneben die Dachterrasse, auf der die Schüler:innen (hier „learners“) ihre Pausen verbringen und zu Mittag essen. Wenn ich mein Kinn auf das Geländer der Terrasse lege, fühle ich mich wie eine Seefahrerin, die aufs Meer blickt und deren Augen den Wellen bis zum Horizont folgen. Nur dass ich stattdessen die Skyline einer Stadt betrachte. Mein liebster Teil sind die Balkone. Fast alle sind mit Wäsche behangen, die sich gleichmäßig im Rhythmus des Windes hin und her bewegt.&#xA;&#xA;Die Köchin, die nur „Chef“ genannt wird, und ihr Kollege Kevin sind der zweite Grund, warum ich mich entschieden habe, die meiste Zeit in der Küche mitzuhelfen. Ich habe kaum Kocherfahrung (zählt es, Nudeln in einen Topf zu kippen?), und trotzdem erklären sie mir jeden noch so kleinen Schritt – nur damit ich mitmachen kann. Wenn ich es nicht kann, werde ich wieder zur Beobachterin. Ich lerne mit allen Sinnen, so wie Kinder es tun.&#xA;&#xA;Am Mittwochmorgen sind Isa und Lola krank aufgewacht. Als ich nachmittags von der Schule zurückkam, ging es ihnen noch schlechter und wir beschlossen gemeinsam ins Krankenhaus zu gehen. Dort haben sie Medikamente bekommen, durch die es ihnen inzwischen zum Glück viel besser geht. Ich schreibe das hier vor allem für mich selbst, um mich später daran zu erinnern.&#xA;&#xA;Wir drei sind in mancher Hinsicht sehr unterschiedliche Menschen. Trotzdem sorgen wir wie selbstverständlich füreinander, und ich glaube, das ist eine unglaublich wertvolle Erfahrung.&#xA;&#xA;Zum Schluss wünsche ich Dir ganz viel Geduld mit Dir selbst und mit den Menschen um dich herum. Zu Hause hatte ich oft das Gefühl, dass mir die Zeit davonläuft - besonders während meiner Schulzeit. Jetzt tut es so gut, hier zu sein und zu merken: Ich muss vieles noch gar nicht wissen. Denn ich habe Zeit, es herauszufinden. Und das hier ist schließlich erst der Anfang.&#xA;&#xA;image&#xA;Karura Forest, 25.01.26&#xA;&#xA;image&#xA;roof terrace, 29.01.26]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>I can watch my body starting to feel home in Kenya. It wakes me gently with the rising sun, always before our alarm at 7:30 a.m. When it becomes hungry for breakfast, perfectly synced with my fellow housemates, I reach for the chocolate-flavoured margarine because my body found to enjoy it on our second morning. I don&#39;t have to think to figure out its needs, by now my body can care for my busy mind instead. It knows to take me outside for reading or stretching on the balcony, to shower hot on some and cold on the other days. My body is much smarter than I had thought. Surprisingly, it&#39;s my mind that is stumbling behind. Most nights, I dream about being home in Germany and having to say goodbye to everyone all over again. Each time I worry about the long, expensive flight I&#39;ll have to endure AGAIN, not realising I have arrived, once and for all.</p>

<p>I wonder how long it&#39;ll take me to start thinking and dreaming in English. Maybe I won&#39;t ever, as I still text my friends back home and talk to Lola in German, when Isa (my roommate from Peru) isn&#39;t around? But I really hope I will, eventually. If I was granted one wish for the next year, I&#39;d even dare to wish for a dream in Swahili.</p>

<p>During the week, Isa, Lola and I work at a community school in Mowlem (neighbourhood in the east of Nairobi). It was founded 2008 by our host mum, who regularly welcomes short-term volunteers in her home additionally to us. Just like you&#39;d imagine, she&#39;s a very active and open-hearted woman – sharing her house with different international guests all year around. Together with her two adult-sons (my host brothers), she works as a teacher.</p>

<p>The place I&#39;ve come to love is located on top of the five-level school building. It&#39;s the school&#39;s kitchen and next to it the roof terrace, where the students (“learners“) spend their breaks and eat lunch. When I rest my chin on the railing surrounding the terrace, I feel like a sailor observing the sea, letting their eyes wander with the waves along the horizon. Except, I&#39;m watching a city&#39;s skyline. My favourite part are the balconies. Almost all of them are hung with laundry, which sways evenly back and forth in the wind&#39;s rhythm.</p>

<p>The cook, who is only called “chef”, and her co-worker Kevin are the second reason I decided to help out in the kitchen most of the time. I have very little cooking experience (does putting noodles into a pot count?), yet they are willing to explain every tiny step, only so that I can participate. When I cannot, I become an observer again. Learning with my senses, in the same way children do.</p>

<p>On Wednesday morning, Isa and Lola woke up feeling sick. As they were feeling even worse when I returned from school, we decided to go the hospital in the afternoon. They were given medication and are doing much better now, fortunately, so I&#39;m only including this here for myself to remember.
The three of us are very different people in some aspects. Whatsoever, we care for one another nonetheless, and I believe that&#39;s such a meaningful experience.</p>

<p>Lastly I wish you, who are reading this, a lot of patience with yourself and the ones around you. At home, I often felt like I was running out of time, especially when I was still in school. Now it&#39;s so good to be here and realise: I don&#39;t have to know yet – because I DO have time to find out and this is just the beginning, after all.</p>

<h5 id="german-translation-below-danke-uli">German translation below (danke Uli!)</h5>

<p>Ich kann beobachten, wie mein Körper beginnt, sich in Kenia zu Hause zu fühlen. Er weckt mich sanft mit der aufgehenden Sonne, immer vor unserem Wecker um 7:30 Uhr. Wenn er Hunger auf Frühstück bekommt – perfekt abgestimmt mit den anderen Hausbewohner:innen – greife ich zur Margarine mit Schokogeschmack, weil mein Körper sie an unserem zweiten Morgen für sich entdeckt hat. Ich muss nicht mehr nachdenken, um seine Bedürfnisse zu verstehen. Inzwischen kann sich mein Körper um meinen ratternden Kopf kümmern. Er weiß, wann es Zeit ist, nach draußen zu gehen, um auf dem Balkon zu lesen oder mich zu dehnen, wann ich heiß duschen sollte und an welchen Tagen kalt. Mein Körper ist viel klüger, als ich gedacht hatte. Überraschenderweise ist es mein Kopf, der hinterherhinkt. Die meisten Nächte träume ich davon, wieder zu Hause in Deutschland zu sein und mich erneut von allen verabschieden zu müssen. Jedes Mal sorge ich mich um den langen, teuren Flug, den ich schon wieder auf mich nehmen muss – ohne zu realisieren, dass ich angekommen bin. Ein für alle Mal.</p>

<p>Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis ich anfange, auf Englisch zu denken und zu träumen. Vielleicht werde ich es nie tun, da ich meinen Freund:innen zu Hause weiterhin auf Deutsch schreibe und auch mit Lola Deutsch spreche, wenn Isa (meine Mitbewohnerin aus Peru) nicht dabei ist. Aber ich hoffe sehr, dass es irgendwann passiert. Wenn ich mir für das nächste Jahr einen Wunsch erfüllen dürfte, würde ich es sogar wagen, mir einen Traum auf Swahili zu wünschen.</p>

<p>Unter der Woche arbeiten Isa, Lola und ich an einer Community School in Mowlem (einem Viertel im Osten Nairobis). Sie wurde 2008 von unserer Gastmutter gegründet, die neben uns regelmäßig auch Kurzzeit-Freiwillige in ihrem Zuhause aufnimmt. Wie man es sich vorstellt, ist sie eine sehr aktive und warmherzige Frau – sie teilt ihr Haus das ganze Jahr über mit internationalen Gästen. Zusammen mit ihren zwei erwachsenen Söhnen (meinen Gastbrüdern) arbeitet sie als Lehrerin.</p>

<p>Der Ort, den ich besonders lieben gelernt habe, befindet sich ganz oben auf dem fünfstöckigen Schulgebäude. Dort liegen die Schulküche und direkt daneben die Dachterrasse, auf der die Schüler:innen (hier „learners“) ihre Pausen verbringen und zu Mittag essen. Wenn ich mein Kinn auf das Geländer der Terrasse lege, fühle ich mich wie eine Seefahrerin, die aufs Meer blickt und deren Augen den Wellen bis zum Horizont folgen. Nur dass ich stattdessen die Skyline einer Stadt betrachte. Mein liebster Teil sind die Balkone. Fast alle sind mit Wäsche behangen, die sich gleichmäßig im Rhythmus des Windes hin und her bewegt.</p>

<p>Die Köchin, die nur „Chef“ genannt wird, und ihr Kollege Kevin sind der zweite Grund, warum ich mich entschieden habe, die meiste Zeit in der Küche mitzuhelfen. Ich habe kaum Kocherfahrung (zählt es, Nudeln in einen Topf zu kippen?), und trotzdem erklären sie mir jeden noch so kleinen Schritt – nur damit ich mitmachen kann. Wenn ich es nicht kann, werde ich wieder zur Beobachterin. Ich lerne mit allen Sinnen, so wie Kinder es tun.</p>

<p>Am Mittwochmorgen sind Isa und Lola krank aufgewacht. Als ich nachmittags von der Schule zurückkam, ging es ihnen noch schlechter und wir beschlossen gemeinsam ins Krankenhaus zu gehen. Dort haben sie Medikamente bekommen, durch die es ihnen inzwischen zum Glück viel besser geht. Ich schreibe das hier vor allem für mich selbst, um mich später daran zu erinnern.</p>

<p>Wir drei sind in mancher Hinsicht sehr unterschiedliche Menschen. Trotzdem sorgen wir wie selbstverständlich füreinander, und ich glaube, das ist eine unglaublich wertvolle Erfahrung.</p>

<p>Zum Schluss wünsche ich Dir ganz viel Geduld mit Dir selbst und mit den Menschen um dich herum. Zu Hause hatte ich oft das Gefühl, dass mir die Zeit davonläuft – besonders während meiner Schulzeit. Jetzt tut es so gut, hier zu sein und zu merken: Ich muss vieles noch gar nicht wissen. Denn ich habe Zeit, es herauszufinden. Und das hier ist schließlich erst der Anfang.</p>

<p><img src="https://bilder.lilagesprenkelt.com/i/800aae7f-550a-4c47-891c-7f9df0a5f84a.jpg" alt="image">
<em>Karura Forest, 25.01.26</em></p>

<p><img src="https://bilder.lilagesprenkelt.com/i/d5120000-9298-4fe6-9185-f83046e5a804.jpg" alt="image">
<em>roof terrace, 29.01.26</em></p>
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      <guid>http://lilagesprenkelt.com/be-patient</guid>
      <pubDate>Sun, 25 Jan 2026 09:49:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Nairobi, Mambo vipi?</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/nairobi-mambo-vipi</link>
      <description>&lt;![CDATA[Mein Rücken lehnt an der Mauer, die mein neues Zuhause umgibt. Es ist ein Haus mit zwei Etagen, hellen Treppen und abgedunkelten Räumen, weil die Gardinen geschlossen sind. Hier draußen kann ich der Sonne beim Untergehen zuschauen. 18 Uhr, 12 Stunden nach Sonnenaufgang, wird das helle Blau des Himmels blasser, die Farben der Fassade wärmer im letzten Licht des Tages. 6 Uhr morgens, 12 Stunden nach Sonnenuntergang, wird es zurückkehren. Dann ist meine Ankunft in Nairobi genau eine Woche her. &#xA;&#xA;Von der anderen Seite der Mauer höre ich Rufe und Gelächter. Ich konzentriere mich, um vielleicht ein Wort auf Swahili aufzuschnappen, das ich schon verstehe. Vergeblich. Ich frage mich auch, ob sich das Stimmengewirr belebter Nachbarschaften überhaupt so sehr unterscheidet, je nachdem, welche Sprache gesprochen wird. Und, ich fühle mich ein wenig einsam. Im Haus sind meine zwei Mitfreiwilligen und eine Gruppe Brasilianerinnen, die nur etwas über eine Woche hierbleiben. Doch keine von ihnen ist mir schon wirklich vertraut. Sie scheinen mir näher, sind aber kaum weniger fremd als die Menschen auf der anderen Seite der Mauer. &#xA;&#xA;Ich glaube, das ist meine erste Herausforderung: Auszuhalten, dass alle Beziehungen an ihrem Anfang stehen und nur Zeit sie tiefen wird. Zeit, die dem Fluss der auf- und untergehenden Sonne folgt, nicht meiner Kontrolle. &#xA;&#xA;  What would it feel like to come undone? To not fasten down, but let yourself flood? To not close, but open yourself to experience it all? (Danielle Doby)&#xA;&#xA;  Deutsch: Wie würde es sich anfühlen, sich fallenzulassen? Sich nicht festzuklammern, sondern sich dem Fluss der Gefühle hinzugeben? Sich nicht zu verschließen, sondern sich zu öffnen, um alles zu erleben?&#xA;&#xA;Genau so.&#xA;&#xA;Bevor ich heute morgen von meiner Gastmama und einem meiner Gastbrüder abgeholt wurde, habe ich die ersten 6 Tage auf dem Ankunftsseminar verbracht. Es war ein vollkommen anderes setting, als hätten mich die Koordinatorinnen von ICYE Kenya (meiner Organisation hier) vorsorglich in Watte gehüllt, um eine härtere Landung in Nairobi abzudämpfen. Falls Du ein Familienmitglied oder ein:e Freund:in von mir bist und die ganze Zeit nichts von mir gehört hat, tut es mir leid, dass es auch hier kein vollständiges Recap der Woche geben wird. &#xA;&#xA;Ich habe meine Bankkarte durch zu langes Grübeln beim ersten Geldabheben vom Automaten fressen lassen und zweimal die Bank besucht, um sie zurückzubekommen, nächtelang „tede-teled“ (um irgendwann das Zungen-R rollen zu lernen), Giraffen aus der Hand gefüttert und Lolas 22. Geburtstag gefeiert. Aber in Wirklichkeit noch so viel mehr, was einfach keinen Raum in diesem Text findet. &#xA;&#xA;image&#xA;&#xA;Um in Kenia anzukommen, brauche ich viel Präsenz. Ich möchte mir alles ganz genau anschauen, bevor ich mehr davon erzähle. Hakuna matata - keine Sorge, ich werde mein deutsches Zuhause trotzdem nicht vergessen. 💫 &#xA;&#xA;English translation below&#xA;&#xA;My back is leaning against the wall surrounding my new home. It&#39;s a two-story house with bright staircases and darkened rooms because the curtains are drawn. Out here, I can watch the sun set. At 6 p.m., twelve hours after sunrise, the bright blue of the sky has begun to fade and the colors of the facade warm in the last streams of daylight. At 6 a.m., twelve hours after sunset, it will return. Then it will have been exactly one week since my arrival in Nairobi.&#xA;&#xA;From the other side of the wall, I hear shouts and laughter. I concentrate, hoping to catch a word of Swahili that I already understand. In vain. I also wonder if the cacophony of voices in busy neighborhoods really differs so much depending on the language spoken. And I feel a little lonely. In the house are my two fellow volunteers and a group of Brazilians who are only staying for a little over a week. But none of them are really familiar to me yet. They seem closer, yet are hardly less foreign to me than the people on the other side of the wall.&#xA;&#xA;I think that&#39;s my first challenge: to accept that all relationships are in their infancy and only time will deepen them. Time that follows the flow of the rising and setting sun, not my control.&#xA;&#xA;  What would it feel like to come undone? To not fasten down, but let yourself flood? To not close, but open yourself to experience it all? (Danielle Doby)&#xA;&#xA;Just like that.&#xA;&#xA;Before I was picked up this morning by my host mother and one of my host brothers, I spent the first six days at the arrival seminar. It was a completely different setting, as if the coordinators at ICYE Kenya (my organization here) had preemptively wrapped me in cotton wool to cushion a potentially rough landing in Nairobi. If you&#39;re a family member or friend and haven&#39;t heard from me this whole time, I&#39;m sorry there won&#39;t be a full recap of the week here either. Only so much:&#xA;&#xA;The first time I tryed to withdraw money, I hesitated a second too long - and my card was swallowed by the ATM. In the end, I had to visit the bank twice to get it back. I spent countless nights &#34;tede-tele-ing&#34; (trying to finally learn how to roll my &#39;r&#39;s) in preparation to our Swahili lessons. I hand-fed giraffes, and celebrated Lola&#39;s 22nd birthday. But, really, there&#39;s so much more that simply didn&#39;t find room in this text.&#xA;&#xA;To truly arrive in Kenya, I need to be fully present. I want to let everything sink in before I share more. However, hakuna matata - don&#39;t be worried - even tough I&#39;m seeking distance, I won&#39;t forget my German home. 💫]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mein Rücken lehnt an der Mauer, die mein neues Zuhause umgibt. Es ist ein Haus mit zwei Etagen, hellen Treppen und abgedunkelten Räumen, weil die Gardinen geschlossen sind. Hier draußen kann ich der Sonne beim Untergehen zuschauen. 18 Uhr, 12 Stunden nach Sonnenaufgang, wird das helle Blau des Himmels blasser, die Farben der Fassade wärmer im letzten Licht des Tages. 6 Uhr morgens, 12 Stunden nach Sonnenuntergang, wird es zurückkehren. Dann ist meine Ankunft in Nairobi genau eine Woche her.</p>

<p>Von der anderen Seite der Mauer höre ich Rufe und Gelächter. Ich konzentriere mich, um vielleicht ein Wort auf Swahili aufzuschnappen, das ich schon verstehe. Vergeblich. Ich frage mich auch, ob sich das Stimmengewirr belebter Nachbarschaften überhaupt so sehr unterscheidet, je nachdem, welche Sprache gesprochen wird. Und, ich fühle mich ein wenig einsam. Im Haus sind meine zwei Mitfreiwilligen und eine Gruppe Brasilianerinnen, die nur etwas über eine Woche hierbleiben. Doch keine von ihnen ist mir schon wirklich vertraut. Sie scheinen mir näher, sind aber kaum weniger fremd als die Menschen auf der anderen Seite der Mauer.</p>

<p>Ich glaube, das ist meine erste Herausforderung: Auszuhalten, dass alle Beziehungen an ihrem Anfang stehen und nur Zeit sie tiefen wird. Zeit, die dem Fluss der auf- und untergehenden Sonne folgt, nicht meiner Kontrolle.</p>

<blockquote><p>What would it feel like to come undone? To not fasten down, but let yourself flood? To not close, but open yourself to experience it all? (Danielle Doby)</p>

<p>Deutsch: Wie würde es sich anfühlen, sich fallenzulassen? Sich nicht festzuklammern, sondern sich dem Fluss der Gefühle hinzugeben? Sich nicht zu verschließen, sondern sich zu öffnen, um alles zu erleben?</p></blockquote>

<p>Genau so.</p>

<p>Bevor ich heute morgen von meiner Gastmama und einem meiner Gastbrüder abgeholt wurde, habe ich die ersten 6 Tage auf dem Ankunftsseminar verbracht. Es war ein vollkommen anderes setting, als hätten mich die Koordinatorinnen von ICYE Kenya (meiner Organisation hier) vorsorglich in Watte gehüllt, um eine härtere Landung in Nairobi abzudämpfen. Falls Du ein Familienmitglied oder ein:e Freund:in von mir bist und die ganze Zeit nichts von mir gehört hat, tut es mir leid, dass es auch hier kein vollständiges Recap der Woche geben wird.</p>

<p>Ich habe meine Bankkarte durch zu langes Grübeln beim ersten Geldabheben vom Automaten fressen lassen und zweimal die Bank besucht, um sie zurückzubekommen, nächtelang „tede-teled“ (um irgendwann das Zungen-R rollen zu lernen), Giraffen aus der Hand gefüttert und Lolas 22. Geburtstag gefeiert. Aber in Wirklichkeit noch so viel mehr, was einfach keinen Raum in diesem Text findet.</p>

<p><img src="https://bilder.lilagesprenkelt.com/i/9116a7a6-7928-4d1c-986b-4b45fbbfd615.jpg" alt="image"></p>

<p>Um in Kenia anzukommen, brauche ich viel Präsenz. Ich möchte mir alles ganz genau anschauen, bevor ich mehr davon erzähle. Hakuna matata – keine Sorge, ich werde mein deutsches Zuhause trotzdem nicht vergessen. 💫</p>

<h5 id="english-translation-below">English translation below</h5>

<p>My back is leaning against the wall surrounding my new home. It&#39;s a two-story house with bright staircases and darkened rooms because the curtains are drawn. Out here, I can watch the sun set. At 6 p.m., twelve hours after sunrise, the bright blue of the sky has begun to fade and the colors of the facade warm in the last streams of daylight. At 6 a.m., twelve hours after sunset, it will return. Then it will have been exactly one week since my arrival in Nairobi.</p>

<p>From the other side of the wall, I hear shouts and laughter. I concentrate, hoping to catch a word of Swahili that I already understand. In vain. I also wonder if the cacophony of voices in busy neighborhoods really differs so much depending on the language spoken. And I feel a little lonely. In the house are my two fellow volunteers and a group of Brazilians who are only staying for a little over a week. But none of them are really familiar to me yet. They seem closer, yet are hardly less foreign to me than the people on the other side of the wall.</p>

<p>I think that&#39;s my first challenge: to accept that all relationships are in their infancy and only time will deepen them. Time that follows the flow of the rising and setting sun, not my control.</p>

<blockquote><p>What would it feel like to come undone? To not fasten down, but let yourself flood? To not close, but open yourself to experience it all? (Danielle Doby)</p></blockquote>

<p>Just like that.</p>

<p>Before I was picked up this morning by my host mother and one of my host brothers, I spent the first six days at the arrival seminar. It was a completely different setting, as if the coordinators at ICYE Kenya (my organization here) had preemptively wrapped me in cotton wool to cushion a potentially rough landing in Nairobi. If you&#39;re a family member or friend and haven&#39;t heard from me this whole time, I&#39;m sorry there won&#39;t be a full recap of the week here either. Only so much:</p>

<p>The first time I tryed to withdraw money, I hesitated a second too long – and my card was swallowed by the ATM. In the end, I had to visit the bank twice to get it back. I spent countless nights “tede-tele-ing” (trying to finally learn how to roll my &#39;r&#39;s) in preparation to our Swahili lessons. I hand-fed giraffes, and celebrated Lola&#39;s 22nd birthday. But, really, there&#39;s so much more that simply didn&#39;t find room in this text.</p>

<p>To truly arrive in Kenya, I need to be fully present. I want to let everything sink in before I share more. However, hakuna matata – don&#39;t be worried – even tough I&#39;m seeking distance, I won&#39;t forget my German home. 💫</p>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/nairobi-mambo-vipi</guid>
      <pubDate>Sat, 17 Jan 2026 17:40:41 +0000</pubDate>
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      <title>introduction</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/hi-ich-kann-kaum-glauben-dass-das-hier-funktioniert</link>
      <description>&lt;![CDATA[lilagesprenkelt is a blog run by me - Maya! &#xA;&#xA;In case you don&#39;t already know who I am, let me briefly introduce myself. &#xA;&#xA;I am writing this from my family&#39;s house in the east of Germany, the place I have been calling my home for the past 19 years. I went to Kindergarten and high school in the same street I live in, which means I have probably walked up and down the road for a million times. It&#39;s astonishing, when you know a place so exceptionally well, you almost don&#39;t recognize it anymore. Nothing stands out. For the very first time, what I am looking for, is not to be found. &#xA;&#xA;Only so much for the backstory. What this blog will really be about, is my year abroad in Kenya - starting on January 10, 2026! I couldn&#39;t be more excited to go. To go and learn and maybe, eventually, find. &#xA;&#xA;If one of my blog entries raises questions or you detect any technical problems, feel free to contact me. I am still new to all of this and plan to continue the work on my site in the next months. Thank you for sticking around!&#xA;&#xA;German translation below &#xA;lilagesprenkelt ist ein Blog, geführt von mir - Maya! Falls Du mich noch nicht kennst, lass mich mich kurz vorstellen.&#xA;&#xA;Ich schreibe diesen Text von dem Haus meiner Familie aus, dem Ort im Osten Deutschlands, den ich seit 19 Jahren mein Zuhause nenne. Ich bin in den Kindergarten und ins Gymnasium in der gleichen Straße gegangen, in der ich wohne. Was bedeutet, dass ich diese Straße vermutlich schon eine Millionen Mal auf- und abgelaufen bin.&#xA;Es ist erstaunlich: Wenn man einen Ort so außergewöhnlich gut kennt, ERkennt man ihn kaum. Nichts sticht mehr hervor. Zum ersten Mal finde ich nicht, wonach ich suche.&#xA;&#xA;Nur so viel zur Hintergrundgeschichte. Tatsächlich soll es in diesem Blog um mein Auslandsjahr in Kenia gehen - beginnend am 10. Januar 2026! Ich könnte nicht gespannter darauf sein. Gespannt, aufzubrechen, zu lernen, und vielleicht, letztlich, zu finden. &#xA;&#xA;Wenn einer meiner Blogbeiträge Fragen aufwirft oder Dir technische Probleme auffallen, kontaktiere mich gerne. Ich bin noch ganz frisch in der Blogwelt und plane, die Arbeit an dieser Seite in den nächsten Monaten fortzusetzen. Danke, dass Du da bist!&#xA;&#xA;PS: Ich werde meine Blogbeiträge auf Englisch verfassen, weil ich glaube, sie damit am Ende zugänglicher (für meine nicht-deutschsprachigen Freund:innen) zu machen. Wie hier, werde ich aber versuchen, deutsche Übersetzungen zu ergänzen.&#xA;&#xA;image&#xA;Enjoy this picture of me and the tree my parents gifted me for my a-levels. We&#39;ll be growing together now.&#xA;&#xA;Viel Spaß mit diesem Bild von mir und dem Baum, den mir meine Eltern zum Abi geschenkt haben. Wir wachsen nun zusammen.&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>lilagesprenkelt</em> is a blog run by me – Maya!</p>

<p>In case you don&#39;t already know who I am, let me briefly introduce myself.</p>

<p>I am writing this from my family&#39;s house in the east of Germany, the place I have been calling my home for the past 19 years. I went to Kindergarten and high school in the same street I live in, which means I have probably walked up and down the road for a million times. It&#39;s astonishing, when you know a place so exceptionally well, you almost don&#39;t recognize it anymore. Nothing stands out. For the very first time, what I am looking for, is not to be found.</p>

<p>Only so much for the backstory. What this blog will really be about, is my year abroad in Kenya – starting on January 10, 2026! I couldn&#39;t be more excited to go. To go and learn and maybe, eventually, find.</p>

<p>If one of my blog entries raises questions or you detect any technical problems, feel free to <a href="mailto:maya.gierich@gmail.com">contact me</a>. I am still new to all of this and plan to continue the work on my site in the next months. Thank you for sticking around!</p>

<h5 id="german-translation-below">German translation below</h5>

<p><em>lilagesprenkelt</em> ist ein Blog, geführt von mir – Maya! Falls Du mich noch nicht kennst, lass mich mich kurz vorstellen.</p>

<p>Ich schreibe diesen Text von dem Haus meiner Familie aus, dem Ort im Osten Deutschlands, den ich seit 19 Jahren mein Zuhause nenne. Ich bin in den Kindergarten und ins Gymnasium in der gleichen Straße gegangen, in der ich wohne. Was bedeutet, dass ich diese Straße vermutlich schon eine Millionen Mal auf- und abgelaufen bin.
Es ist erstaunlich: Wenn man einen Ort so außergewöhnlich gut kennt, ERkennt man ihn kaum. Nichts sticht mehr hervor. Zum ersten Mal finde ich nicht, wonach ich suche.</p>

<p>Nur so viel zur Hintergrundgeschichte. Tatsächlich soll es in diesem Blog um mein Auslandsjahr in Kenia gehen – beginnend am 10. Januar 2026! Ich könnte nicht gespannter darauf sein. Gespannt, aufzubrechen, zu lernen, und vielleicht, letztlich, zu finden.</p>

<p>Wenn einer meiner Blogbeiträge Fragen aufwirft oder Dir technische Probleme auffallen, <a href="mailto:maya.gierich@gmail.com">kontaktiere mich gerne</a>. Ich bin noch ganz frisch in der Blogwelt und plane, die Arbeit an dieser Seite in den nächsten Monaten fortzusetzen. Danke, dass Du da bist!</p>

<p>PS: Ich werde meine Blogbeiträge auf Englisch verfassen, weil ich glaube, sie damit am Ende zugänglicher (für meine nicht-deutschsprachigen Freund:innen) zu machen. Wie hier, werde ich aber versuchen, deutsche Übersetzungen zu ergänzen.</p>

<p><img src="https://bilder.lilagesprenkelt.com/i/a4fd2dad-95ad-40a2-903c-0a3a40782778.jpg" alt="image">
<em>Enjoy this picture of me and the tree my parents gifted me for my a-levels. We&#39;ll be growing together now.</em></p>

<p><em>Viel Spaß mit diesem Bild von mir und dem Baum, den mir meine Eltern zum Abi geschenkt haben. Wir wachsen nun zusammen.</em></p>
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      <pubDate>Mon, 29 Dec 2025 13:04:50 +0000</pubDate>
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