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    <title>lilagesprenkelt</title>
    <link>http://lilagesprenkelt.com/</link>
    <description>Here to share my experiences in Kenya! </description>
    <pubDate>Tue, 28 Jul 2026 22:13:07 +0200</pubDate>
    <item>
      <title>Unbubble!</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/unbubble</link>
      <description>&lt;![CDATA[Alle leben weitestgehend, wenn sie es sich aussuchen können, in ihren Bubbles. Ich muss spontan an das Buch „Bubble” von Siri Pettersen denken, in dem Kine in eine riesige Kugel verschwindet, wann immer sie der Außenwelt entfliehen möchte. Denn genauso ist es: Unsere Bubbles sind, wohin wir gehen, um uns dem wertenden Blick „Anderer” zu entziehen; wo wir einblenden, statt herauszustechen. Ich liebe meine Bubble, das heißt, mein selbstgewähltes Umfeld, meine Freund:innen und Vorbilder. Natürlich bleibt jede Person einzigartig und ich würde nicht sagen, dass sich alle Menschen in meiner Bubble ähneln, doch die meisten von ihnen teilen bestimmte Werte wie Klimaschutz, Antirassismus, queere Rechte und mentale Gesundheit. Ich verschließe mich nicht davor, Gespräche mit Menschen anzufangen, die anderer Meinung sind. Aber ich entscheide mich selten, außergewöhnlich viel Zeit mit ihnen zu verbringen. &#xA;&#xA;Du kannst dir also vorstellen, dass es keine geringe „Unbubble”-Erfahrung für mich war, mit einer Person zusammenzuziehen, mit der ich bei der ersten Begegnung gar nichts anfangen konnte. Als ich Lola im November 2025 auf unserem Vorbereitungsseminar in Thüringen kennenlernte, fand ich sie zwar nicht unfreundlich, aber dachte schon, dass wir nicht so richtig zusammenpassen würden. Manchmal entsteht diese Intuition auf Basis eigentlich absurder Details: Lola wirkte irgendwie „zu cool” für mich, als sei ihr Lebenstil ganz anders als meiner, und daraus schloss ich dann, dass wir vermutlich auch persönlich wenig gemein haben würden. Es kann die Ausstrahlung einer Person sein, ihr Kleidungsstil, ihre Hobbies und Präferenzen, die Gesprächsthemen, oder nur ihre Art zu sprechen: Gendert eine Person, benutzt sie Jugendsprache, oder sogar bestimmte Begriffe, die zu einer Bubble gehören?&#xA;&#xA;Dazu gibt es eine Anekdote aus unserem Alltag, die ich Dir nicht vorenthalten möchte. Ich nenne meine Motivsocken mit Wassermelonen drauf ganz selbstverständlich „Pali-Soli-Socken” - kurz für Palästina-Solidaritäts-Socken - weil die Wassermelone ein Widerstandssymbol gegen die ausländische Besatzung in palästinensischen Gebieten ist. Immer wenn Lola mich aber von meinen „Pali-Soli-Socken” reden hörte, dachte sie, dass ich mit „Soli” Solarium meinen würde. Was sie wiederum sehr verwirrend fand, weil sie mich gar nicht als eine Person eingeschätzt hätte, die ins Solarium geht. (Und, Punkt für sie, ich war wirklich noch nie in einem Solarium.) &#xA;&#xA;Letztendlich gibt es eine lange Liste von Eigenschaften, die uns Hinweise darauf geben, mit was für einer „Art Person” wir es zu tun haben. Das gilt nicht nur für meine Generation, die das Wort „Bubble” dafür verwendet. Gleichzeitig habe ich, unter anderem dank Lola, die Erfahrung gemacht, wie sehr uns erste Eindrücke täuschen können und wie stark unsere Intuition durch Klischees und Vorurteile geprägt ist. &#xA;&#xA;  “It&#39;s incredibly easy to perceive the world as we expect to perceive it.” Dt.: Es ist unglaublich einfach, die Welt so wahrzunehmen, wie wir erwarten, sie wahrzunehmen. (Aus “Returning Home to Our Bodies” von Abigail Rose Clarke)&#xA;&#xA;Es stimmt, ich habe mit Lola nicht die gleichen Gespräche wie mit anderen Freund:innen, die mit mir auf Demos gehen und dieselben Bücher lesen wie ich, aber wir haben ebenso interessante Gespräche. Und, wir haben andere Ebenen gefunden, auf denen wir uns verbunden fühlen, „einer Wellenlänge sind”, vielleicht sogar: in einer gemeinsamen Bubble. Ugh Lola, mit nur wenigen Menschen kann ich so oft, laut und ausgelassen lachen wie mit dir. Ich liebe es, all dein boy-drama zu hören, wenn du mir die Haare flechtest, dass ich deine Kleidung leihen darf, wie wir über Gott und Feminismus streiten und uns nicht immer einigen, aber ich lowkey highkey immer etwas von dir lerne. Unterschätze niemals die Macht eines geteilten Zimmers in einem neuen Land für 6+ Monate. Wie nah es dich einem Menschen bringt, eine neue Kultur gemeinsam zu erleben, neue Herausforderungen gemeinsam zu bestehen. &#xA;&#xA;An dieser Stelle möchte ich ergänzen, dass meine „Unbubble”-Erfahrung auch deshalb so positiv ist, weil ich mit Lola in Wirklichkeit keinen vollkommen gegenteiligen Menschen getroffen habe. Lola ist es nicht so wichtig, politisch korrekt zu sein, aber Rassismus findet sie trotzdem scheiße - und spricht sich dagegen aus, wenn er ihr begegnet. Sie ist respektvoll gegenüber Menschen, auch wenn sie deren Identität nicht versteht. Das ist gut und es ist wichtig, weil es durchaus rote Linien gibt, die für mich zumindest in einer Freundschaft unverhandelbar sind. Ich kann mit Menschen sprechen, die rassistisch, uneinsichtig und diskriminierend sind, weil sich ihr Hass (meist) nicht gegen mich richtet, aber Freund:innen werden wir dadurch mit Sicherheit nicht. &#xA;&#xA;Dennoch lehren mich meine Beziehungen in Kenia, dass es häufig kein eindeutiges „gut” oder „schlecht”, sondern unzählige Graustufen gibt, in denen uns Menschen begegnen. Damit umzugehen, erfordert Skills: Wir müssen Unterschiede aushalten lernen, Missverständnisse behutsam adressieren, auf Augenhöhe streiten und einander vergeben. Vor allem muss ich ab und zu die unbestreitbare Gemütlichkeit meiner Bubble verlassen und mich der Außenwelt stellen, im Vertrauen, dass da noch zukünftige Freund:innen auf mich warten. &#xA;&#xA;Auch solche, die ich nicht auf den ersten Blick erkenne. xx &lt;3&#xA;&#xA;image&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Alle leben weitestgehend, wenn sie es sich aussuchen können, in ihren Bubbles. Ich muss spontan an das Buch „Bubble” von Siri Pettersen denken, in dem Kine in eine riesige Kugel verschwindet, wann immer sie der Außenwelt entfliehen möchte. Denn genauso ist es: Unsere Bubbles sind, wohin wir gehen, um uns dem wertenden Blick „Anderer” zu entziehen; wo wir einblenden, statt herauszustechen. Ich liebe meine Bubble, das heißt, mein selbstgewähltes Umfeld, meine Freund:innen und Vorbilder. Natürlich bleibt jede Person einzigartig und ich würde nicht sagen, dass sich alle Menschen in meiner Bubble ähneln, doch die meisten von ihnen teilen bestimmte Werte wie Klimaschutz, Antirassismus, queere Rechte und mentale Gesundheit. Ich verschließe mich nicht davor, Gespräche mit Menschen anzufangen, die anderer Meinung sind. Aber ich entscheide mich selten, außergewöhnlich viel Zeit mit ihnen zu verbringen.</p>

<p>Du kannst dir also vorstellen, dass es keine geringe „Unbubble”-Erfahrung für mich war, mit einer Person zusammenzuziehen, mit der ich bei der ersten Begegnung gar nichts anfangen konnte. Als ich Lola im November 2025 auf unserem Vorbereitungsseminar in Thüringen kennenlernte, fand ich sie zwar nicht unfreundlich, aber dachte schon, dass wir nicht so richtig zusammenpassen würden. Manchmal entsteht diese Intuition auf Basis eigentlich absurder Details: Lola wirkte irgendwie „zu cool” für mich, als sei ihr Lebenstil ganz anders als meiner, und daraus schloss ich dann, dass wir vermutlich auch persönlich wenig gemein haben würden. Es kann die Ausstrahlung einer Person sein, ihr Kleidungsstil, ihre Hobbies und Präferenzen, die Gesprächsthemen, oder nur ihre Art zu sprechen: Gendert eine Person, benutzt sie Jugendsprache, oder sogar bestimmte Begriffe, die zu einer Bubble gehören?</p>

<p>Dazu gibt es eine Anekdote aus unserem Alltag, die ich Dir nicht vorenthalten möchte. Ich nenne meine Motivsocken mit Wassermelonen drauf ganz selbstverständlich „Pali-Soli-Socken” – kurz für Palästina-Solidaritäts-Socken – weil die Wassermelone ein Widerstandssymbol gegen die ausländische Besatzung in palästinensischen Gebieten ist. Immer wenn Lola mich aber von meinen „Pali-Soli-Socken” reden hörte, dachte sie, dass ich mit „Soli” Solarium meinen würde. Was sie wiederum sehr verwirrend fand, weil sie mich gar nicht als eine Person eingeschätzt hätte, die ins Solarium geht. (Und, Punkt für sie, ich war wirklich noch nie in einem Solarium.)</p>

<p>Letztendlich gibt es eine lange Liste von Eigenschaften, die uns Hinweise darauf geben, mit was für einer „Art Person” wir es zu tun haben. Das gilt nicht nur für meine Generation, die das Wort „Bubble” dafür verwendet. Gleichzeitig habe ich, unter anderem dank Lola, die Erfahrung gemacht, wie sehr uns erste Eindrücke täuschen können und wie stark unsere Intuition durch Klischees und Vorurteile geprägt ist.</p>

<blockquote><p>“It&#39;s incredibly easy to perceive the world as we expect to perceive it.” Dt.: Es ist unglaublich einfach, die Welt so wahrzunehmen, wie wir erwarten, sie wahrzunehmen. (Aus “Returning Home to Our Bodies” von Abigail Rose Clarke)</p></blockquote>

<p>Es stimmt, ich habe mit Lola nicht die gleichen Gespräche wie mit anderen Freund:innen, die mit mir auf Demos gehen und dieselben Bücher lesen wie ich, aber wir haben ebenso interessante Gespräche. Und, wir haben andere Ebenen gefunden, auf denen wir uns verbunden fühlen, „einer Wellenlänge sind”, vielleicht sogar: in einer gemeinsamen Bubble. Ugh Lola, mit nur wenigen Menschen kann ich so oft, laut und ausgelassen lachen wie mit dir. Ich liebe es, all dein boy-drama zu hören, wenn du mir die Haare flechtest, dass ich deine Kleidung leihen darf, wie wir über Gott und Feminismus streiten und uns nicht immer einigen, aber ich lowkey highkey immer etwas von dir lerne. Unterschätze niemals die Macht eines geteilten Zimmers in einem neuen Land für 6+ Monate. Wie nah es dich einem Menschen bringt, eine neue Kultur gemeinsam zu erleben, neue Herausforderungen gemeinsam zu bestehen.</p>

<p>An dieser Stelle möchte ich ergänzen, dass meine „Unbubble”-Erfahrung auch deshalb so positiv ist, weil ich mit Lola in Wirklichkeit keinen vollkommen gegenteiligen Menschen getroffen habe. Lola ist es nicht so wichtig, politisch korrekt zu sein, aber Rassismus findet sie trotzdem scheiße – und spricht sich dagegen aus, wenn er ihr begegnet. Sie ist respektvoll gegenüber Menschen, auch wenn sie deren Identität nicht versteht. Das ist gut und es ist wichtig, weil es durchaus rote Linien gibt, die für mich zumindest in einer Freundschaft unverhandelbar sind. Ich kann mit Menschen sprechen, die rassistisch, uneinsichtig und diskriminierend sind, weil sich ihr Hass (meist) nicht gegen mich richtet, aber Freund:innen werden wir dadurch mit Sicherheit nicht.</p>

<p>Dennoch lehren mich meine Beziehungen in Kenia, dass es häufig kein eindeutiges „gut” oder „schlecht”, sondern unzählige Graustufen gibt, in denen uns Menschen begegnen. Damit umzugehen, erfordert Skills: Wir müssen Unterschiede aushalten lernen, Missverständnisse behutsam adressieren, auf Augenhöhe streiten und einander vergeben. Vor allem muss ich ab und zu die unbestreitbare Gemütlichkeit meiner Bubble verlassen und mich der Außenwelt stellen, im Vertrauen, dass da noch zukünftige Freund:innen auf mich warten.</p>

<p>Auch solche, die ich nicht auf den ersten Blick erkenne. xx &lt;3</p>

<p><img src="https://bilder.lilagesprenkelt.com/i/2a7e4b69-7c97-4c3f-a8d7-28548b6ad14a.jpg" alt="image"></p>
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      <guid>http://lilagesprenkelt.com/unbubble</guid>
      <pubDate>Tue, 14 Jul 2026 05:40:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Nachdenken über Religion </title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/nachdenken-ueber-religion</link>
      <description>&lt;![CDATA[Ich falte meine Hände und senke den Kopf. Mir ist, als betrete eine fremde Rednerin die Bühne. Das Murmeln meiner Gedanken erstummt sowie sie nach dem Mikrofon greift, ihre Stimme ein Summen, Quellwasser, von überirdischem Ursprung. &#xA;„Lieber Gott”, flüstere ich und weiß nichts weiter zu sagen, was sich nicht steif, unauthentisch, nachgeahmt anfühlen würde.&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;Es ist nicht das erste Mal, dass ich verunsichert darüber bin, wie ich beten soll. Ganz zu Beginn meiner Zeit im Shelter kamen einige Referent:innen von außerhalb, um einen Workshop über emotionale Intelligenz zu geben. Ich war, obgleich erst seit Kurzem im Projekt, eingeladen mitzumachen, und reihte mich im girls dorm zwischen den Shelter-Mitarbeitenden ein. Vor dem Mittagessen wurde eine Person gesucht, die für die Runde beten möge, und die Wahl der leitenden Referentin fiel auf mich. Es war wieder so ein Moment, in dem es ganz still wurde im Raum, und eine sich fühlte, als sei die Luft zu zäh zum Sprechen. “I don&#39;t know how”, gab ich schließlich zu: Ich weiß nicht, wie.&#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;Sonntags gehe ich mit allen anderen zum Gottesdienst in die big hall, unsere große Halle mit dem Spitzgewölbe.&#xA; &#xA;Aus der evangelischen Kirche zuhause kenne ich stille Gottesdienste, in denen nur vom Altar aus gesprochen und gepredigt wird. Der Chor steht geduckt, die aufgeschlagenen Gesangbücher mit beiden Händen umfassend, und singt wie eine Klage, die in jedem Orgelton neu ausholt. Ich verbinde diese Gottesdienste mit einem flauen Gefühl im Bauch, als würde die versammelte Kirchgemeinde um Vergebung flehen, für eine Sünde, die tiefer reicht als Sprache. Mit Ausnahme der Weihnachtsgottesdienste: die fühlen sich warm und hoffnungsvoll an, vielleicht durch das Krippenspiel, oder, weil wir Jesus&#39; Geburtstag feiern. &#xA;&#xA;Die sonntäglichen Gottesdienste im Shelter folgen den Traditionen der Pfingstkirche. Anstatt im Stillen zu beten, sprechen die Menschen “in tongues”, das heißt, es hört sich an, als würde ein unverständliches Raunen durch das Gebäude wandern: Gebete in der Sprache des Heiligen Geistes, die nur Gott selbst deuten kann. Die Kinder, die Teil der &#34;Praise and Worship&#34;-Gruppe sind, singen fast jede Woche neue Lieder auf Kiswahili und Englisch, die von einem Keyboard und dem Schlagzeug begleitet werden. Es sind häufig Call &amp; Response Lieder, bei denen erst eine Person vorsingt („ruft”) und der Rest des Chores anschließend „antwortet”. Laute, ekstatische Lieder, die vor allem zelebrieren, dass Gottes Vergebung durch Jesus keine Frage, sondern eine Sicherheit ist. &#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;Obwohl ich christlich getauft und konfirmiert bin, fällt es mir schwer, eine Verbindung zu den Psalmen und Bibelgeschichten zu spüren, wenn sie in den Predigten vorgetragen werden. Es ist wie mit dem Beten: Manchmal gibt es Anteile in mir, die sich von der Religiosität angesprochen fühlen. &#xA;&#xA;Einmal saß ich Freitagnacht zur Kesha (gemeinsames Beten, Bibellesen, Lieder einüben) mit geschlossenen Augen im Schneidersitz in der big hall, umgeben von den Kindern, Lola und dem Musiklehrer, der leise auf dem Keyboard spielte, und war ganz kurz davor zu weinen. So heilig fühlte sich unser Zusammensein an, wie eine energetische Vereinigung. &#xA;&#xA;Gleichzeitig spüre ich in mir Widerstände, wenn in der Foundation Class (Religionsunterricht) bspw. über Sünde gesprochen wird. Ich folge lieber meiner Intuition statt vorgeprägten Ritualen und Grundsätzen; ich mag es nicht, mir etwas vorschreiben zu lassen, nicht Mal von Gott.&#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;Am nächsten fühle ich mich  dieser Intuition, meiner inneren Rednerin, dem Anteil meines Bewusstseins, der mich an den Heiligen Geist aus der Bibel erinnert, wenn ich in der Natur bin. Es ist eine irreführende Formulierung, „in der Natur sein”, als würde ich nicht dazugehören. Barfuß, mit roten Erdkrümeln unter meinen Fingern, den Kopf in den Himmel gestreckt, weiß ich, intuitiv und unbestreitbar, dass ich einen Sinn in der Welt habe. Wer, wenn nicht ich, sieht sonst genau diese Form in den Wolken, verbindet sie mit derselben Erinnerung, schreibt das gleiche Gedicht?&#xA;&#xA;Es ist die gleiche Sicherheit, mit der ich in schwierigen Momenten weiß, was ich mir Gutes tun kann, oder, dass es vorübergehen wird. Meine Superkraft ist eine unversiegbare Quelle der Kreativität und Orientierung, die alle ängstlichen, traurigen und panischen Gedanken beruhigt und begleitet. Mein comforter, counselor, helper, intercessor, teacher, strengthener und standby.&#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;Es ist paradox: Ich mache Erfahrungen, die mich einerseits von den rigiden Vorstellungen des konservativen Christentums distanzieren, und andererseits dazu beitragen, dass ich in meiner Spiritualität wachse. &#xA;&#xA;Ich glaube nicht daran, dass mein Körper und seine Sehnsüchte sündhaft sind, oder, dass ich mich zu Jesus bekennen muss, um erlöst (wiedergeboren) zu werden. &#xA;&#xA;Aber ich glaube an das Wirken von Religion in meinem Alltag; bewundere ihre heilsame Kraft für kranke, müde und hoffnungslose Menschen. &#xA;&#xA;In Nairobi gab es vor einigen Wochen Demonstrationen gegen die gestiegenen Ölpreise, bei denen viele junge Protestierende von der Polizei erschossen wurden. Das ist furchtbar! Ich bin die letzte Person, die glaubt, dass es „reicht”, für die ermordeten Menschen zu beten, oder, dass Religion ein Ersatz für politischen Aktivismus ist. Was ist aber, wenn wir wirklich manchmal „nichts machen können”? &#xA;&#xA;Ist dann Gebet, Gemeinschaft, Gedenken, nicht einfach der Versuch, Würde wiederherzustellen?&#xA;&#xA;Ein Widerstand gegen die harte und gewaltvolle Front, welche es am liebsten hätte, wenn wir die Menschlichkeit von einander zugunsten ihres Profits vergessen würden.&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;„Lieber Gott, ich nenne dich meist nicht so und hab festgestellt, dass ich nur sehr begrenzt an die Bibel glaube. Aber ich verspreche dir, diese Welt ist mein größter Schatz. Ich werde sie so gut beschützen, wie ich nur kann, denn wer, wenn nicht ich, wird das auf meine Weise tun?”&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><em>Ich falte meine Hände und senke den Kopf. Mir ist, als betrete eine fremde Rednerin die Bühne. Das Murmeln meiner Gedanken erstummt sowie sie nach dem Mikrofon greift, ihre Stimme ein Summen, Quellwasser, von überirdischem Ursprung.
„Lieber Gott”, flüstere ich und weiß nichts weiter zu sagen, was sich nicht steif, unauthentisch, nachgeahmt anfühlen würde.</em></p>

<hr>

<p>Es ist nicht das erste Mal, dass ich verunsichert darüber bin, wie ich beten soll. Ganz zu Beginn meiner Zeit im Shelter kamen einige Referent:innen von außerhalb, um einen Workshop über emotionale Intelligenz zu geben. Ich war, obgleich erst seit Kurzem im Projekt, eingeladen mitzumachen, und reihte mich im girls dorm zwischen den Shelter-Mitarbeitenden ein. Vor dem Mittagessen wurde eine Person gesucht, die für die Runde beten möge, und die Wahl der leitenden Referentin fiel auf mich. Es war wieder so ein Moment, in dem es ganz still wurde im Raum, und eine sich fühlte, als sei die Luft zu zäh zum Sprechen. “I don&#39;t know how”, gab ich schließlich zu: Ich weiß nicht, wie.</p>

<p>.</p>

<p>Sonntags gehe ich mit allen anderen zum Gottesdienst in die big hall, unsere große Halle mit dem Spitzgewölbe.</p>

<p>Aus der evangelischen Kirche zuhause kenne ich stille Gottesdienste, in denen nur vom Altar aus gesprochen und gepredigt wird. Der Chor steht geduckt, die aufgeschlagenen Gesangbücher mit beiden Händen umfassend, und singt wie eine Klage, die in jedem Orgelton neu ausholt. Ich verbinde diese Gottesdienste mit einem flauen Gefühl im Bauch, als würde die versammelte Kirchgemeinde um Vergebung flehen, für eine Sünde, die tiefer reicht als Sprache. Mit Ausnahme der Weihnachtsgottesdienste: die fühlen sich warm und hoffnungsvoll an, vielleicht durch das Krippenspiel, oder, weil wir Jesus&#39; Geburtstag feiern.</p>

<p>Die sonntäglichen Gottesdienste im Shelter folgen den Traditionen der Pfingstkirche. Anstatt im Stillen zu beten, sprechen die Menschen “in tongues”, das heißt, es hört sich an, als würde ein unverständliches Raunen durch das Gebäude wandern: Gebete in der Sprache des Heiligen Geistes, die nur Gott selbst deuten kann. Die Kinder, die Teil der “Praise and Worship”-Gruppe sind, singen fast jede Woche neue Lieder auf Kiswahili und Englisch, die von einem Keyboard und dem Schlagzeug begleitet werden. Es sind häufig Call &amp; Response Lieder, bei denen erst eine Person vorsingt („ruft”) und der Rest des Chores anschließend „antwortet”. Laute, ekstatische Lieder, die vor allem zelebrieren, dass Gottes Vergebung durch Jesus keine Frage, sondern eine Sicherheit ist.</p>

<p>.</p>

<p>Obwohl ich christlich getauft und konfirmiert bin, fällt es mir schwer, eine Verbindung zu den Psalmen und Bibelgeschichten zu spüren, wenn sie in den Predigten vorgetragen werden. Es ist wie mit dem Beten: Manchmal gibt es Anteile in mir, die sich von der Religiosität angesprochen fühlen.</p>

<p>Einmal saß ich Freitagnacht zur Kesha (gemeinsames Beten, Bibellesen, Lieder einüben) mit geschlossenen Augen im Schneidersitz in der big hall, umgeben von den Kindern, Lola und dem Musiklehrer, der leise auf dem Keyboard spielte, und war ganz kurz davor zu weinen. So heilig fühlte sich unser Zusammensein an, wie eine energetische Vereinigung.</p>

<p>Gleichzeitig spüre ich in mir Widerstände, wenn in der Foundation Class (Religionsunterricht) bspw. über Sünde gesprochen wird. <strong><em>Ich folge lieber meiner Intuition statt vorgeprägten Ritualen und Grundsätzen; ich mag es nicht, mir etwas vorschreiben zu lassen, nicht Mal von Gott.</em></strong></p>

<p>.</p>

<p>Am nächsten fühle ich mich  dieser Intuition, meiner inneren Rednerin, dem Anteil meines Bewusstseins, der mich an den Heiligen Geist aus der Bibel erinnert, wenn ich in der Natur bin. Es ist eine irreführende Formulierung, „in der Natur sein”, als würde ich nicht dazugehören. Barfuß, mit roten Erdkrümeln unter meinen Fingern, den Kopf in den Himmel gestreckt, weiß ich, intuitiv und unbestreitbar, dass ich einen Sinn in der Welt habe. Wer, wenn nicht ich, sieht sonst genau diese Form in den Wolken, verbindet sie mit derselben Erinnerung, schreibt das gleiche Gedicht?</p>

<p>Es ist die gleiche Sicherheit, mit der ich in schwierigen Momenten weiß, was ich mir Gutes tun kann, oder, dass es vorübergehen wird. Meine Superkraft ist eine unversiegbare Quelle der Kreativität und Orientierung, die alle ängstlichen, traurigen und panischen Gedanken beruhigt und begleitet. Mein comforter, counselor, helper, intercessor, teacher, strengthener und standby.</p>

<p>.</p>

<p>Es ist paradox: Ich mache Erfahrungen, die mich einerseits von den rigiden Vorstellungen des konservativen Christentums distanzieren, und andererseits dazu beitragen, dass ich in meiner Spiritualität wachse.</p>

<p>Ich glaube nicht daran, dass mein Körper und seine Sehnsüchte sündhaft sind, oder, dass ich mich zu Jesus bekennen muss, um erlöst (wiedergeboren) zu werden.</p>

<p>Aber ich glaube an das Wirken von Religion in meinem Alltag; bewundere ihre heilsame Kraft für kranke, müde und hoffnungslose Menschen.</p>

<p>In Nairobi gab es vor einigen Wochen Demonstrationen gegen die gestiegenen Ölpreise, bei denen viele junge Protestierende von der Polizei erschossen wurden. Das ist furchtbar! Ich bin die letzte Person, die glaubt, dass es „reicht”, für die ermordeten Menschen zu beten, oder, dass Religion ein Ersatz für politischen Aktivismus ist. Was ist aber, wenn wir wirklich manchmal „nichts machen können”?</p>

<p>Ist dann Gebet, Gemeinschaft, Gedenken, nicht einfach der Versuch, Würde wiederherzustellen?</p>

<p><strong><em>Ein Widerstand gegen die harte und gewaltvolle Front, welche es am liebsten hätte, wenn wir die Menschlichkeit von einander zugunsten ihres Profits vergessen würden.</em></strong></p>

<hr>

<p><em>„Lieber Gott, ich nenne dich meist nicht so und hab festgestellt, dass ich nur sehr begrenzt an die Bibel glaube. Aber ich verspreche dir, diese Welt ist mein größter Schatz. Ich werde sie so gut beschützen, wie ich nur kann, denn wer, wenn nicht ich, wird das auf meine Weise tun?”</em></p>
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      <guid>http://lilagesprenkelt.com/nachdenken-ueber-religion</guid>
      <pubDate>Mon, 22 Jun 2026 19:24:25 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Ein Schwarm junger Fische</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/ein-schwarm-junger-fische</link>
      <description>&lt;![CDATA[Sie rinnt mir durch die Finger wie Erdbrösel, Sandkörner, Wasserperlen. Es ist eine sanfte Wucht, unaufhaltsam, aber zärtlich: ein Flussspiel. Die heißen Tropfen prasseln auf meine Haare und meinen Nacken, fließen in Bahnen meinen Körper hinab und prickeln an meiner Handfläche. Wenn ich meine Fingerspitzen um ihnen verschließe, schwinden sie dahin. &#xA;Zeit ist ein Schwarm junger Fische: Wie magnetisiert folgt ihr Wille den drängenden Fluten und sie winden sich, schnell und hellwach, entwischen meinen Fängen. Verzweifelt wandert mein Blick ihnen nach, beobachtet, wie sich alle Bahnen zu einem Strom vereinigen und im Abfluss versiegen. Was bleibt, fragt mich Kenia.&#xA;&#xA;In meinem Kopf hallt es zynisch und herausfordernd nach: Was kann ich vorweisen, wenn ich zurück nach DE komme?&#xA;&#xA;Ich spüre den Gedanken wie einen Stich, der an meiner warmen Haut verglüht, und besinne mich auf zwei Dinge. Erstens, dass ich nie eine Antwort auf diese Frage schuldig bin. Zweitens, wie frei mich das macht. Wie frei, mich in der Flut wirbeln zu lassen, möge sie wild sein dieses Jahr und rau, verschnörkelt, kraftvoll, und zutiefst: in sich ruhend. &#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;Schon fast 5 Monate in Kenia, what!? 🔥❤️ &#xA;&#xA;Ich hoffe, Dir gefällt dieser kurze Text über mein Zeitgefühl in Kenia. Der nächste längere Blogeintrag ist schon in meinem Kopf und wartet darauf, ins Handy getippt zu werden. &#xA;&#xA;Bis ganz bald!&#xA;Maya &#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;English translation below&#xA;&#xA;It trickles through my fingers like crumbs of earth, grains of sand, water droplets. It&#39;s a gentle force, unstoppable yet tender: a river play. The hot drops patter onto my hair and neck, flow in streams down my body, and tingle on my palm. When I close my fingertips around them, they vanish.&#xA;&#xA;Time is a school of young fish: as if magnetized, their will follows the surging currents, and they wriggle, swift and alert, escaping my grasp. Desperately, my gaze follows them, watching as all the streams merge into one and disappear down the drain. What remains, Kenya asks me.&#xA;&#xA;In my mind, it echoes cynically: What can I show for myself when I return to Germany?&#xA;&#xA;I feel the thought like a sting, burning against my warm skin, and remind myself of two things. First, that I never owe an answer to this question. Second, how free I am, consequently. How free to let myself be swirled in the tide, may it be wild this year and rough, swirling, powerful, and profoundly: serene within itself.&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;Almost 5 months in Kenya already, what!? 🔥❤️&#xA;&#xA;I hope you enjoy this short piece about my sense of time in Kenya. The next longer blog post is already in my head, waiting to be typed into my phone.&#xA;&#xA;See you very soon!&#xA;&#xA;Maya]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Sie rinnt mir durch die Finger wie Erdbrösel, Sandkörner, Wasserperlen. Es ist eine sanfte Wucht, unaufhaltsam, aber zärtlich: ein Flussspiel. Die heißen Tropfen prasseln auf meine Haare und meinen Nacken, fließen in Bahnen meinen Körper hinab und prickeln an meiner Handfläche. Wenn ich meine Fingerspitzen um ihnen verschließe, schwinden sie dahin.
Zeit ist ein Schwarm junger Fische: Wie magnetisiert folgt ihr Wille den drängenden Fluten und sie winden sich, schnell und hellwach, entwischen meinen Fängen. Verzweifelt wandert mein Blick ihnen nach, beobachtet, wie sich alle Bahnen zu einem Strom vereinigen und im Abfluss versiegen. Was bleibt, fragt mich Kenia.</p>

<p>In meinem Kopf hallt es zynisch und herausfordernd nach: Was kann ich vorweisen, wenn ich zurück nach DE komme?</p>

<p>Ich spüre den Gedanken wie einen Stich, der an meiner warmen Haut verglüht, und besinne mich auf zwei Dinge. Erstens, dass ich nie eine Antwort auf diese Frage schuldig bin. Zweitens, wie frei mich das macht. Wie frei, mich in der Flut wirbeln zu lassen, möge sie wild sein dieses Jahr und rau, verschnörkelt, kraftvoll, und zutiefst: in sich ruhend.</p>

<hr>

<p>Schon fast 5 Monate in Kenia, what!? 🔥❤️</p>

<p>Ich hoffe, Dir gefällt dieser kurze Text über mein Zeitgefühl in Kenia. Der nächste längere Blogeintrag ist schon in meinem Kopf und wartet darauf, ins Handy getippt zu werden.</p>

<p>Bis ganz bald!
Maya</p>

<hr>

<h4 id="english-translation-below">English translation below</h4>

<p>It trickles through my fingers like crumbs of earth, grains of sand, water droplets. It&#39;s a gentle force, unstoppable yet tender: a river play. The hot drops patter onto my hair and neck, flow in streams down my body, and tingle on my palm. When I close my fingertips around them, they vanish.</p>

<p>Time is a school of young fish: as if magnetized, their will follows the surging currents, and they wriggle, swift and alert, escaping my grasp. Desperately, my gaze follows them, watching as all the streams merge into one and disappear down the drain. What remains, Kenya asks me.</p>

<p>In my mind, it echoes cynically: What can I show for myself when I return to Germany?</p>

<p>I feel the thought like a sting, burning against my warm skin, and remind myself of two things. First, that I never owe an answer to this question. Second, how free I am, consequently. How free to let myself be swirled in the tide, may it be wild this year and rough, swirling, powerful, and profoundly: serene within itself.</p>

<hr>

<p>Almost 5 months in Kenya already, what!? 🔥❤️</p>

<p>I hope you enjoy this short piece about my sense of time in Kenya. The next longer blog post is already in my head, waiting to be typed into my phone.</p>

<p>See you very soon!</p>

<p>Maya</p>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/ein-schwarm-junger-fische</guid>
      <pubDate>Mon, 25 May 2026 16:33:24 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Arbeit</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/arbeit</link>
      <description>&lt;![CDATA[Alle arbeiten mit. Entweder hocken und sitzen wir, um die Blätter und Wurzeln abzuschneiden, oder wir knien daneben, lesen die Knollen auf und füllen sie in Netzsäcke. Meine Augen tränen ein bisschen und ich sehe einen Moment nach oben, blinzele sie weg. Ich stelle mir vor, wie der Zwiebelgeruch in der Halle emporklettert und bis ganz hoch ins Spitzgewölbe reicht. Am Abend wird Lola bemerken, wie hartnäckig er in ihrer Kleidung steckt und noch am nächsten Morgen einzelne Schalen aus den hochgekrempelten Jeansbeinen schütteln. Arbeit begleitet uns (rund um die Uhr, in Gedanken, im Körper, sichtbar oder nicht). &#xA;&#xA;In diesem Blogeintrag reflektiere ich über mein Verständnis von Arbeit und frage mich, „was Arbeit eigentlich ist“. Gleichzeitig möchte ich Dich einladen, ein wenig an meinem Alltag teilzuhaben und mitzunehmen, was Du selbst darin findest. &#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;Unsere Arbeitszeit ist 9.00 bis 16.00 Uhr von Montag bis Freitag, mit einer Teepause um 10.30 Uhr und einer Mittagspause um 13.00 Uhr. Ich habe fertig gefrühstückt und mache mich auf zur Bäckerei, in der ich gerade positioniert bin. Donnerstag, ein paar Minuten nach neun: Die Bäckerin T. sitzt auf der Bank vor der Schulküche und winkt mir entgegen. Ich laufe erfreut auf sie zu, wundere mich aber ein wenig, sie hier und nicht in der Bäckerei nebenan zu treffen. „No buns today”, erklärt sie mir. Verdutzt hake ich noch einmal nach. Wie meinst du das, keine Brötchen heute? Sie muss über meine Frage lachen. Wir backen heute keine Brötchen, weil wir genügend vom Vortag übrig haben. Ist das so schwer zu verstehen?&#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;S. ist ein halbes Jahr vor mir, gleich nach ihrem Schulabschluss im letzten August nach Kenia gekommen. Wir spazieren entlang der Straße in Ngong Town, in der ihre Arbeitsstelle liegt, und reichen uns derweilen einen Plastikbecher mit dickem Fruchtsaft hin und her. Er schmeckt nach einer Mischung aus Mango und roter Beete. Während ich noch ein bisschen mehr umrühre, erzählt mir S. von der Vorschulklasse, in der sie aushilft. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mit Kindern im selben Alter an einer anderen Schule gearbeitet und gleiche deshalb unwillkürlich in Gedanken ab: Ist das bei uns auch so? Kann ich nachfühlen, was sie sagt? Habe ich die gleiche Meinung darüber? Manchmal überlappt sich Erlebtes, wird von ihr und mir aber unterschiedlich empfunden und interpretiert: Ich schreibe niemals objektiv (über „Arbeit in Kenia“), sondern immer über mich (meine Prägung, meine Reflektion, meine Ideale). Nachdenklich wiege ich den Kopf und ziehe einen neuen Schluck Saft durch den Strohhalm. &#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;Meist wache ich schon gegen 7.30 Uhr auf und genieße es, noch eine Weile im Bett schlummern zu können, bevor ich gegen acht richtig Hunger aufs Frühstück bekomme. Lola und ich essen dann zusammen im Gemeinschaftszimmer des Gästehauses. Wir können uns, wie zu jeder Mahlzeit, an einen gedeckten Tisch setzen, weil die Köchin M. und die anderen Frauen, die in der kleinen Küche arbeiten, uns vollends umsorgen. Ich habe das Gefühl, dass die meiste Arbeit, die für mich geleistet wird, für Außenstehende unsichtbar bleibt, weil sie nicht in das Bild einer Freiwilligen als immerzu gebenden Helferin passt. &#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;Kartoffelschalen rieseln auf die Netzsäcke, der längs vor der Bank aneinandergereiht wurden. Wenn ich fertig geschält habe, teile ich die Kartoffel in meiner Hand in zwei und werfe die beiden Hälften zum Waschen in einen mit Wasser gefüllten Topf vor uns. Ich greife nach der nächsten vom Boden. Rechts neben mir sitzen einige der älteren Schülerinnen von der high school, die für ihre Aprilferien nachhause gekommen sind. Außerdem: K., der gerne mit Lola scherzt und den Schulbus fährt, und der Koch der großen Küche - E. Ich erzähle den Mädchen, warum ich letztes Jahr meine Haare geschnitten habe und sie nun wieder wachsen lasse. Einige von ihnen wissen schon, welche Kurse sie an der Uni belegen wollen, und berichten mir davon. Wir sind an einem sehr ähnlichen Punkt in unseren Leben, und doch fühlt es sich an, als hätte ich mich mit diesem Jahr auf eine side quest begeben und meinem beruflichen Werdegang (aus Schule - Uni - Arbeit) vorübergehend entzogen. Ich darf mir Zeit lassen, denke ich, und schäle eine herzförmige Kartoffel ganz langsam; bedacht, möglichst wenig der Frucht zu verschwenden. &#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;Links neben mir sitzt Yaya, Lola uns gegenüber auf der anderen Tischseite. Wir tratschen ausgelassen über die lästigsten Politiker unserer Herkunftsländer und vergessen darüber beinahe unser Abendessen, welches in drei Thermotöpfen auf der Mitte des Tisches wartet. Yaya wird für anderthalb Monate in Kenia reisen, bevor sie zuhause im Taiwan einen neuen Job anfängt, und von nun an vier Wochen mit Lola und mir wohnen. Später lerne ich, dass sie Business studiert hat und deshalb gemeinsam mit einer unserer Projektleiterinnen ein Marketingkonzept für den Verkauf der Milch und des Honigs entwerfen möchte, die nach der Ausgabe an die Kinder überflüssig sind. Yaya geht gedanklich die nächsten Tage durch: Wann wäre ein guter Zeitpunkt, um sich diesbezüglich zu besprechen, mitten im Trubel vor dem Ferienbeginn? Lola und ich tauschen einen Blick. Obwohl wir anfangs für die Arbeit in der Bäckerei eingeteilt wurden, können unsere Aufgaben und unsere Arbeitszeit jeden Tag unterschiedlich sein, weil sie keiner schedule (keinem Zeitplan) folgen, sondern in Orientierung an den Bedürfnissen der Gemeinschaft stetig neu ausgehandelt werden. Ein „guter Zeitpunkt“ ist nicht unbedingt eine fixe Uhrzeit, sondern er entsteht: im Lauf der Dinge, im Dialog. &#xA;&#xA;Selbstverständlich sind unsere Erfahrungen nicht zu verallgemeinern. Eine kenianische CEO wie Rita Kimani oder Peris Muchiri (die Gründerinnen des Tech-Unternehmens FarmDrive) hat gewiss einen durchgetakteten Berufsalltag. Der kapitalistische Drill lautet in Nairobi wie in Berlin: Arbeite mehr. Wenn das nicht geht, arbeite effizienter. Dann: Arbeite mehr. &#xA;Nicht: Arbeite (genug), um die Gemeinschaft zu versorgen, während du gleichzeitig einen verantwortungsvollen, gerechten und nachhaltigen Umgang mit ihren Ressourcen pflegst. &#xA;&#xA;FarmDrive ist in diesem Kontext ein sehr gemeinwohlorientiertes Beispiel: die von Kimani und Muchiri entwickelte Software wirkt als digitale Brücke zwischen Landwirt:innen und Finanzinstituten und ermöglicht dadurch über 50 Millionen Kleinbetrieben in Afrika den Zugang zu Krediten (Quelle, l.Z.: 28.04.26). &#xA;&#xA;. . .&#xA;&#xA;Was bleibt Dir von Arbeit, rund um die Uhr, in Gedanken, im Körper, sichtbar oder nicht? &#xA;&#xA;Aus meiner Selbsterfahrung als Schülerin und der Beobachtung von erwerbsarbeitenden Menschen in meinem Umfeld (wie bspw. meinen Eltern, meiner Oma) heraus, würde ich antworten: ein Pflichtgefühl. &#xA;&#xA;Mit der Arbeitserfahrung, die ich in meinem Projekt sammeln darf, würde ich hinzufügen, dass ich Arbeit als eine Wertschätzung unserer Mitmenschen empfinde, nicht bloße Wertschöpfung von Ressourcen. Etwas tief Verbindendes, dessen Wert über den des Ertrags hinausreicht, und, eine Chance, etwas voneinander oder über sich selbst zu lernen. &#xA;&#xA;Ich würde einen Blogeintrag schreiben, in dem ich ein wenig dieses neuen Gefühls einfange. Einer Achtsamkeit, einer Erdung. Der wunderbaren Genugtuung, dass mit mir etwas erwächst: eine Mahlzeit, ein Miteinander, ein aufrichtiger junger Mensch. &#xA;&#xA;Ich würde damit enden, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben verstehen kann, warum meine Mama Gartenarbeit so sehr liebt. &#xA;❤️&#xA;&#xA;English translation below &#xA;&#xA;Everyone participates. We&#39;re either squatting or sitting, cutting off the leaves and roots, or kneeling beside them, picking up the bulbs and filling them into mesh bags. My eyes water a little, and I glance upwards for a moment, blinking them away. I imagine the smell of onions rising up the hall, reaching all the way to the vaulted ceiling. In the evening, Lola will notice how stubbornly it clings to her clothes, and even the next morning she&#39;ll be shaking individual peels out of her rolled-up jeans. Work accompanies us (around the clock, in our thoughts, in our bodies, visibly or not).&#xA;&#xA;In this blog post, I reflect on my understanding of work and ask myself, &#34;What is work, really?&#34; At the same time, I&#39;d like to share a little of my daily life. You are invited to take away whatever it might be you find in it.&#xA;&#xA; ---&#xA;&#xA;Our working hours are 9:00 a.m. to 4:00 p.m., Monday to Friday, with a tea break at 10:30 a.m. and a lunch break at 1:00 p.m. I&#39;ve finished breakfast and am heading to the bakery where I&#39;m currently working. Thursday, a few minutes after nine: The baker, Ms. T., is sitting on the bench in front of the school kitchen and waves at me. I happily walk over to her, but I&#39;m a little surprised, too, to find her here and not at the bakery next door. &#34;No buns today,&#34; she explains. Puzzled, I ask again. What do you mean, no buns today? She laughs at my question. We&#39;re not baking buns today because we have plenty left over from yesterday. Is that so hard to understand?&#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;S. arrived in Kenya six months before me, right after graduating from high school last August. We stroll along the street in Ngong Town where she works, passing a plastic cup filled with thick fruit juice back and forth. It tastes like a mixture of mango and beetroot. While I stir it a little more, S. tells me about the preschool class where she&#39;s helping out. At the time, I was working with children of the same age at another school, so I involuntarily start comparing our experiences: Is it the same at my school? Can I relate to what she&#39;s saying? Do I share her opinion? Sometimes experiences overlap, but she and I perceive and interpret them differently: I never write objectively (about &#34;working in Kenya&#34;), but always about myself (my background, my reflections, my ideals). Thoughtfully, I nod my head and take another sip of juice through the straw.&#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;I usually wake up around 7:30 a.m. and enjoy being able to slumber in bed for a while before I get really hungry for breakfast around 8:00 a.m. Lola and I then eat together in the common room of the guesthouse. As with every meal, we can sit down at a set table because the cook, M., and the other women who work in the small kitchen take such good care of us. I have the feeling that most of the work done for me remains invisible to outsiders because it doesn&#39;t fit the image of a volunteer as a constantly giving helper.&#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;Potato peels trickle onto the mesh bags lined up lengthwise in front of the bench. When I&#39;ve finished peeling, I split the potato in my hand and toss the two halves into a pot of cleaning water in front of us. I grab the next one from the floor. Some older girls from high school are sitting to my right, the ones who have come home for their April break. Also there are K., who likes to joke around with Lola and drives the school bus, and the cook from the main kitchen—E. I tell the girls why I cut my hair last year and am now growing it out again. Some of them already know which courses they want to take at university and tell me about them. We&#39;re at a very similar point in our lives, and yet it feels as if I&#39;ve embarked on a side quest this year, temporarily stepping away from my career path (school-university-work). I can take my time, I think, and peel a heart-shaped potato very slowly;  mindful of wasting as little of the fruit as possible.&#xA;&#xA;.&#xA;&#xA;To my left sits Yaya, with Lola across the table from us. We chat laughingly about the most annoying politicians from our home countries and almost forget about our dinner, which is waiting in three thermoses in the middle of the table. Yaya will be traveling in Kenya for a month and a half before starting a new job back home in Taiwan, and will be staying with Lola and me for the next four weeks. Later, I learn that she studied business and therefore wants to develop a marketing concept with one of our project managers for selling the milk and honey that will be surplus after being given to the children. Yaya mentally runs through the next few days: When would be a good time to discuss this, amidst the hustle and bustle before the holidays begin? Lola and I exchange a glance.  Although we were initially assigned to work in the bakery, our tasks and working hours can vary from day to day because they don&#39;t follow a schedule but are constantly renegotiated based on the needs of the community. A &#34;good time&#34; isn&#39;t necessarily a fixed time; it emerges organically, through dialogue.&#xA;&#xA;Of course, our experiences can&#39;t be generalized. A Kenyan CEO like Rita Kimani or Peris Muchiri (the founders of the tech company FarmDrive) certainly has a highly structured workday. The capitalist drill in Nairobi, as in Berlin, is: Work more. If that&#39;s not possible, work more efficiently. Then: Work more.&#xA;&#xA;Not: Work (enough) to provide for the community while simultaneously managing its resources responsibly, fairly, and sustainably.&#xA;&#xA;FarmDrive is a very socially responsible example in this context: the software developed by Kimani and Muchiri acts as a digital bridge between farmers and financial institutions, thereby enabling over 50 million smallholder farms in Africa to access credit (Source, accessed April 28, 2026).&#xA;&#xA;...&#xA;&#xA;What remains of your work, around the clock, in your thoughts, in your body, visible or not?&#xA;&#xA;Based on my own experience as a student and observing working people around me (such as my parents and my grandmother), I would answer: a sense of duty.&#xA;&#xA;With the work experience I&#39;m gaining on my project, I would add that I see work as an act of appreciation for our fellow human beings, not merely the exploitation of resources. It&#39;s something deeply connecting, its value transcending mere output, and an opportunity to learn from one another or about ourselves.&#xA;&#xA;I would write a blog post capturing a bit of this new feeling. A sense of mindfulness, a grounding. The wonderful satisfaction of seeing something grow with me: a meal, a connection, a genuine young person.&#xA;&#xA;I would end by saying that for the first time in my life, I understand why my mom loves gardening so much.&#xA;❤️&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Alle arbeiten mit. Entweder hocken und sitzen wir, um die Blätter und Wurzeln abzuschneiden, oder wir knien daneben, lesen die Knollen auf und füllen sie in Netzsäcke. Meine Augen tränen ein bisschen und ich sehe einen Moment nach oben, blinzele sie weg. Ich stelle mir vor, wie der Zwiebelgeruch in der Halle emporklettert und bis ganz hoch ins Spitzgewölbe reicht. Am Abend wird Lola bemerken, wie hartnäckig er in ihrer Kleidung steckt und noch am nächsten Morgen einzelne Schalen aus den hochgekrempelten Jeansbeinen schütteln. Arbeit begleitet uns (rund um die Uhr, in Gedanken, im Körper, sichtbar oder nicht).</p>

<p>In diesem Blogeintrag reflektiere ich über mein Verständnis von Arbeit und frage mich, „was Arbeit eigentlich ist“. Gleichzeitig möchte ich Dich einladen, ein wenig an meinem Alltag teilzuhaben und mitzunehmen, was Du selbst darin findest.</p>

<hr>

<p>Unsere Arbeitszeit ist 9.00 bis 16.00 Uhr von Montag bis Freitag, mit einer Teepause um 10.30 Uhr und einer Mittagspause um 13.00 Uhr. Ich habe fertig gefrühstückt und mache mich auf zur Bäckerei, in der ich gerade positioniert bin. Donnerstag, ein paar Minuten nach neun: Die Bäckerin T. sitzt auf der Bank vor der Schulküche und winkt mir entgegen. Ich laufe erfreut auf sie zu, wundere mich aber ein wenig, sie hier und nicht in der Bäckerei nebenan zu treffen. „No buns today”, erklärt sie mir. Verdutzt hake ich noch einmal nach. Wie meinst du das, keine Brötchen heute? Sie muss über meine Frage lachen. Wir backen heute keine Brötchen, weil wir genügend vom Vortag übrig haben. Ist das so schwer zu verstehen?</p>

<p>.</p>

<p>S. ist ein halbes Jahr vor mir, gleich nach ihrem Schulabschluss im letzten August nach Kenia gekommen. Wir spazieren entlang der Straße in Ngong Town, in der ihre Arbeitsstelle liegt, und reichen uns derweilen einen Plastikbecher mit dickem Fruchtsaft hin und her. Er schmeckt nach einer Mischung aus Mango und roter Beete. Während ich noch ein bisschen mehr umrühre, erzählt mir S. von der Vorschulklasse, in der sie aushilft. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mit Kindern im selben Alter an einer anderen Schule gearbeitet und gleiche deshalb unwillkürlich in Gedanken ab: Ist das bei uns auch so? Kann ich nachfühlen, was sie sagt? Habe ich die gleiche Meinung darüber? Manchmal überlappt sich Erlebtes, wird von ihr und mir aber unterschiedlich empfunden und interpretiert: <em>Ich schreibe niemals objektiv (über „Arbeit in Kenia“), sondern immer über mich (meine Prägung, meine Reflektion, meine Ideale).</em> Nachdenklich wiege ich den Kopf und ziehe einen neuen Schluck Saft durch den Strohhalm.</p>

<p>.</p>

<p>Meist wache ich schon gegen 7.30 Uhr auf und genieße es, noch eine Weile im Bett schlummern zu können, bevor ich gegen acht richtig Hunger aufs Frühstück bekomme. Lola und ich essen dann zusammen im Gemeinschaftszimmer des Gästehauses. Wir können uns, wie zu jeder Mahlzeit, an einen gedeckten Tisch setzen, weil die Köchin M. und die anderen Frauen, die in der kleinen Küche arbeiten, uns vollends umsorgen. Ich habe das Gefühl, dass die meiste Arbeit, die <em>für mich</em> geleistet wird, für Außenstehende unsichtbar bleibt, weil sie nicht in das Bild einer Freiwilligen als immerzu gebenden Helferin passt.</p>

<p>.</p>

<p>Kartoffelschalen rieseln auf die Netzsäcke, der längs vor der Bank aneinandergereiht wurden. Wenn ich fertig geschält habe, teile ich die Kartoffel in meiner Hand in zwei und werfe die beiden Hälften zum Waschen in einen mit Wasser gefüllten Topf vor uns. Ich greife nach der nächsten vom Boden. Rechts neben mir sitzen einige der älteren Schülerinnen von der high school, die für ihre Aprilferien nachhause gekommen sind. Außerdem: K., der gerne mit Lola scherzt und den Schulbus fährt, und der Koch der großen Küche – E. Ich erzähle den Mädchen, warum ich letztes Jahr meine Haare geschnitten habe und sie nun wieder wachsen lasse. Einige von ihnen wissen schon, welche Kurse sie an der Uni belegen wollen, und berichten mir davon. Wir sind an einem sehr ähnlichen Punkt in unseren Leben, und doch fühlt es sich an, als hätte ich mich mit diesem Jahr auf eine side quest begeben und meinem beruflichen Werdegang (aus Schule – Uni – Arbeit) vorübergehend entzogen. Ich darf mir Zeit lassen, denke ich, und schäle eine herzförmige Kartoffel ganz langsam; bedacht, möglichst wenig der Frucht zu verschwenden.</p>

<p>.</p>

<p>Links neben mir sitzt Yaya, Lola uns gegenüber auf der anderen Tischseite. Wir tratschen ausgelassen über die lästigsten Politiker unserer Herkunftsländer und vergessen darüber beinahe unser Abendessen, welches in drei Thermotöpfen auf der Mitte des Tisches wartet. Yaya wird für anderthalb Monate in Kenia reisen, bevor sie zuhause im Taiwan einen neuen Job anfängt, und von nun an vier Wochen mit Lola und mir wohnen. Später lerne ich, dass sie Business studiert hat und deshalb gemeinsam mit einer unserer Projektleiterinnen ein Marketingkonzept für den Verkauf der Milch und des Honigs entwerfen möchte, die nach der Ausgabe an die Kinder überflüssig sind. Yaya geht gedanklich die nächsten Tage durch: Wann wäre ein guter Zeitpunkt, um sich diesbezüglich zu besprechen, mitten im Trubel vor dem Ferienbeginn? Lola und ich tauschen einen Blick. Obwohl wir anfangs für die Arbeit in der Bäckerei eingeteilt wurden, können unsere Aufgaben und unsere Arbeitszeit jeden Tag unterschiedlich sein, weil sie keiner schedule (keinem Zeitplan) folgen, sondern in Orientierung an den Bedürfnissen der Gemeinschaft stetig neu ausgehandelt werden. Ein „guter Zeitpunkt“ ist nicht unbedingt eine fixe Uhrzeit, sondern er entsteht: im Lauf der Dinge, im Dialog.</p>

<p>Selbstverständlich sind unsere Erfahrungen nicht zu verallgemeinern. Eine kenianische CEO wie Rita Kimani oder Peris Muchiri (die Gründerinnen des Tech-Unternehmens FarmDrive) hat gewiss einen durchgetakteten Berufsalltag. Der kapitalistische Drill lautet in Nairobi wie in Berlin: Arbeite mehr. Wenn das nicht geht, arbeite effizienter. Dann: Arbeite mehr.
Nicht: Arbeite (genug), um die Gemeinschaft zu versorgen, während du gleichzeitig einen verantwortungsvollen, gerechten und nachhaltigen Umgang mit ihren Ressourcen pflegst.</p>

<p>FarmDrive ist in diesem Kontext ein sehr gemeinwohlorientiertes Beispiel: die von Kimani und Muchiri entwickelte Software wirkt als digitale Brücke zwischen Landwirt:innen und Finanzinstituten und ermöglicht dadurch über 50 Millionen Kleinbetrieben in Afrika den Zugang zu Krediten (<a href="https://wsa-global.org/winner/farmdrive/#:~:text=FarmDrive%20is%20a%20Kenyan%20%C2%AC,million%20smallholder%20farmers%20in%20Africa.">Quelle</a>, l.Z.: 28.04.26).</p>

<p>. . .</p>

<p>Was bleibt Dir von Arbeit, rund um die Uhr, in Gedanken, im Körper, sichtbar oder nicht?</p>

<p>Aus meiner Selbsterfahrung als Schülerin und der Beobachtung von erwerbsarbeitenden Menschen in meinem Umfeld (wie bspw. meinen Eltern, meiner Oma) heraus, würde ich antworten: ein Pflichtgefühl.</p>

<p>Mit der Arbeitserfahrung, die ich in meinem Projekt sammeln darf, würde ich hinzufügen, dass ich Arbeit als eine Wertschätzung unserer Mitmenschen empfinde, nicht bloße Wertschöpfung von Ressourcen. Etwas tief Verbindendes, dessen Wert über den des Ertrags hinausreicht, und, eine Chance, etwas voneinander oder über sich selbst zu lernen.</p>

<p>Ich würde einen Blogeintrag schreiben, in dem ich ein wenig dieses neuen Gefühls einfange. Einer Achtsamkeit, einer Erdung. Der wunderbaren Genugtuung, dass mit mir etwas erwächst: eine Mahlzeit, ein Miteinander, ein aufrichtiger junger Mensch.</p>

<p>Ich würde damit enden, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben verstehen kann, warum meine Mama Gartenarbeit so sehr liebt.
❤️</p>

<h4 id="english-translation-below">English translation below</h4>

<p>Everyone participates. We&#39;re either squatting or sitting, cutting off the leaves and roots, or kneeling beside them, picking up the bulbs and filling them into mesh bags. My eyes water a little, and I glance upwards for a moment, blinking them away. I imagine the smell of onions rising up the hall, reaching all the way to the vaulted ceiling. In the evening, Lola will notice how stubbornly it clings to her clothes, and even the next morning she&#39;ll be shaking individual peels out of her rolled-up jeans. Work accompanies us (around the clock, in our thoughts, in our bodies, visibly or not).</p>

<p>In this blog post, I reflect on my understanding of work and ask myself, “What is work, really?” At the same time, I&#39;d like to share a little of my daily life. You are invited to take away whatever it might be you find in it.</p>

<hr>

<p>Our working hours are 9:00 a.m. to 4:00 p.m., Monday to Friday, with a tea break at 10:30 a.m. and a lunch break at 1:00 p.m. I&#39;ve finished breakfast and am heading to the bakery where I&#39;m currently working. Thursday, a few minutes after nine: The baker, Ms. T., is sitting on the bench in front of the school kitchen and waves at me. I happily walk over to her, but I&#39;m a little surprised, too, to find her here and not at the bakery next door. “No buns today,” she explains. Puzzled, I ask again. What do you mean, no buns today? She laughs at my question. We&#39;re not baking buns today because we have plenty left over from yesterday. Is that so hard to understand?</p>

<p>.</p>

<p>S. arrived in Kenya six months before me, right after graduating from high school last August. We stroll along the street in Ngong Town where she works, passing a plastic cup filled with thick fruit juice back and forth. It tastes like a mixture of mango and beetroot. While I stir it a little more, S. tells me about the preschool class where she&#39;s helping out. At the time, I was working with children of the same age at another school, so I involuntarily start comparing our experiences: Is it the same at my school? Can I relate to what she&#39;s saying? Do I share her opinion? Sometimes experiences overlap, but she and I perceive and interpret them differently: <em>I never write objectively (about “working in Kenya”), but always about myself (my background, my reflections, my ideals).</em> Thoughtfully, I nod my head and take another sip of juice through the straw.</p>

<p>.</p>

<p>I usually wake up around 7:30 a.m. and enjoy being able to slumber in bed for a while before I get really hungry for breakfast around 8:00 a.m. Lola and I then eat together in the common room of the guesthouse. As with every meal, we can sit down at a set table because the cook, M., and the other women who work in the small kitchen take such good care of us. I have the feeling that most of the work done <em>for me</em> remains invisible to outsiders because it doesn&#39;t fit the image of a volunteer as a constantly giving helper.</p>

<p>.</p>

<p>Potato peels trickle onto the mesh bags lined up lengthwise in front of the bench. When I&#39;ve finished peeling, I split the potato in my hand and toss the two halves into a pot of cleaning water in front of us. I grab the next one from the floor. Some older girls from high school are sitting to my right, the ones who have come home for their April break. Also there are K., who likes to joke around with Lola and drives the school bus, and the cook from the main kitchen—E. I tell the girls why I cut my hair last year and am now growing it out again. Some of them already know which courses they want to take at university and tell me about them. We&#39;re at a very similar point in our lives, and yet it feels as if I&#39;ve embarked on a side quest this year, temporarily stepping away from my career path (school-university-work). I can take my time, I think, and peel a heart-shaped potato very slowly;  mindful of wasting as little of the fruit as possible.</p>

<p>.</p>

<p>To my left sits Yaya, with Lola across the table from us. We chat laughingly about the most annoying politicians from our home countries and almost forget about our dinner, which is waiting in three thermoses in the middle of the table. Yaya will be traveling in Kenya for a month and a half before starting a new job back home in Taiwan, and will be staying with Lola and me for the next four weeks. Later, I learn that she studied business and therefore wants to develop a marketing concept with one of our project managers for selling the milk and honey that will be surplus after being given to the children. Yaya mentally runs through the next few days: When would be a good time to discuss this, amidst the hustle and bustle before the holidays begin? Lola and I exchange a glance.  Although we were initially assigned to work in the bakery, our tasks and working hours can vary from day to day because they don&#39;t follow a schedule but are constantly renegotiated based on the needs of the community. A “good time” isn&#39;t necessarily a fixed time; it emerges organically, through dialogue.</p>

<p>Of course, our experiences can&#39;t be generalized. A Kenyan CEO like Rita Kimani or Peris Muchiri (the founders of the tech company FarmDrive) certainly has a highly structured workday. The capitalist drill in Nairobi, as in Berlin, is: Work more. If that&#39;s not possible, work more efficiently. Then: Work more.</p>

<p>Not: Work (enough) to provide for the community while simultaneously managing its resources responsibly, fairly, and sustainably.</p>

<p>FarmDrive is a very socially responsible example in this context: the software developed by Kimani and Muchiri acts as a digital bridge between farmers and financial institutions, thereby enabling over 50 million smallholder farms in Africa to access credit (<a href="https://wsa-global.org/winner/farmdrive/#:~:text=FarmDrive%20is%20a%20Kenyan%20%C2%AC,million%20smallholder%20farmers%20in%20Africa.">Source</a>, accessed April 28, 2026).</p>

<p>...</p>

<p>What remains of your work, around the clock, in your thoughts, in your body, visible or not?</p>

<p>Based on my own experience as a student and observing working people around me (such as my parents and my grandmother), I would answer: a sense of duty.</p>

<p>With the work experience I&#39;m gaining on my project, I would add that I see work as an act of appreciation for our fellow human beings, not merely the exploitation of resources. It&#39;s something deeply connecting, its value transcending mere output, and an opportunity to learn from one another or about ourselves.</p>

<p>I would write a blog post capturing a bit of this new feeling. A sense of mindfulness, a grounding. The wonderful satisfaction of seeing something grow with me: a meal, a connection, a genuine young person.</p>

<p>I would end by saying that for the first time in my life, I understand why my mom loves gardening so much.
❤️</p>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/arbeit</guid>
      <pubDate>Tue, 28 Apr 2026 19:21:45 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Über Freiheit, oder: Ich bin umgezogen</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/ueber-freiheit-oder-ich-bin-umgezogen</link>
      <description>&lt;![CDATA[Mein erstes Zuhause in Kenia war in den Eastlands Nairobis. Von dort aus habe ich alle meine bisherigen Blogs verfasst. Über das Gefühl, mit Eindrücken zu überschwemmen an meinen ersten Abenden. Dem zögerlichen Entlangtasten, Abschauen, Nachahmen. Den Herausforderungen und den Spielen und der Ruhe, der stillen See.&#xA;Ich bin mir sicher, dass verschiedene Erinnerungen aus dieser Zeit noch ihren Weg in zukünftige Texte finden werden. &#xA;&#xA;Am 5. März, sieben Wochen nach unserem Einzug, waren unsere Koffer und Rucksäcke wieder gepackt und Lola und ich machten uns eine zweites Mal auf die Reise, „anzukommen”. Isa, meine andere Mitfreiwillige, war schon einige Zeit zuvor zu ihrer Tante in einen anderen Stadtteil und anschließend zu einer neuen Gastfamilie gezogen. Normalerweise findet ein Freiwilligendienst nur an einem Ort statt. Aber es besteht die Option, einmal das Projekt zu wechseln, wofür wir drei uns letztendlich aus unterschiedlichen Gründen entschieden. Einen meiner Gründe möchte ich Dir heute erklären.&#xA;&#xA;Das Haus meiner Gastfamilie hatte keinen Garten und es gab auch keinen Park, der in den Stunden zwischen Arbeitsende und Sonnenuntergang erreichbar gewesen wäre. So habe ich mich in Nairobi manchmal gefühlt, als würde mein Alltag nur in geschlossenen Räumen stattfinden: entweder Zuhause, in der Schule (ein Gebäude ohne Hof), in der Mall - oder dazwischen im Auto. Ich sehnte mich danach, mehr Strecken zu Fuß zu laufen und frei neue Orte für Hobbies und Freundschaften zu erkunden, was uns häufig wegen Sicherheitsbedenken untersagt wurde. &#xA;&#xA;Dennoch möchte ich nicht den Eindruck vermitteln, Nairobi sei grundsätzlich eine gefährliche Stadt. Ich habe es geliebt, die Straße in die erlaubte Richtung entlangzuspazieren und an den Wochenenden mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren, ohne mich je ängstlich oder gar bedroht zu fühlen. Gleichzeitig barg meine Unabhängigkeit immer ein gewisses Risiko für meine Gastmama, die es sich nicht verziehen hätte, wenn mir doch etwas zugestoßen wäre. Dadurch gab es Grenzen, die ich zwar empathisch nachvollziehen, aber nicht immer „nachfühlen“ konnte (bspw. wenn mein Sicherheitsempfinden sich von ihrem unterschied). Das war einerseits frustrierend, andererseits erdend: Ich bin die Neue in der Stadt und es liegt an mir, Freiheit innerhalb der Grenzen zu finden, anstatt meine Grenzzieher:innen anzuzweifeln.&#xA;&#xA;Nairobi hat mir beigebracht, diese Rolle zu akzeptieren. Ich habe gelesen und gemalt, was immer ich wollte, und, wann immer möglich, Ausflüge gemacht, um mir selbst das Gefühl von Freiheit zu erhalten. Der Wunsch nach mehr Bewegung und Naturnähe ist trotzdem geblieben. Er wuchs, bis ich mir nicht mehr sicher war, ob es wirklich ein Wunsch, oder nicht eher ein Bedürfnis ist. Ich wusste: Hier ist noch nicht mein finales Zuhause in Kenia.&#xA;&#xA;Es folgten Gespräche mit unserer Organisation und Gastfamilie, und schließlich der Abschied von allen Menschen, die mir in der Schule bereits so ans Herz gewachsen waren. Die letzten Nachmittage vor unserem Auszug verbrachte ich mit meinen Aquarellfarben auf dem Balkon, um ihnen kleine Bilder als kleinen Dank für eine überwältigende gemeinsame Zeit zu malen. You can take Maya out of Nairobi, but you can never take Nairobi out of Maya. If you know, you know. ❤️&#xA;&#xA;(Für alle, die es nicht verstehen: Das ist eine Referenz zu der der Liedzeile “You take the man out of the city, not the city out the man“ - zu Deutsch: Man holt den Mann aus der Stadt, nicht die Stadt aus dem Mann.)&#xA;&#xA;image&#xA;&#xA;Tja, und so kamen Lola und ich nach Ngong! Eine 100.000-Einwohner:innen-Stadt, die an den Südwesten Nairobis grenzt; ebenso laut und geschäftig, aber grüner ist als ihre Nachbarin. &#xA;&#xA;Unser neues Projekt ist ein Gemeinschaftsort, der geschaffen wurde, um Kindern einen sicheren Unterschlupf zu bieten, wenn sie (temporär oder dauerhaft) nicht bei ihren Familien leben können. Neben den Schlafsälen und Aufenthaltsräumen der Kinder gibt es auf dem Projektgelände auch eine Schule, Felder, Wassertanks, eine Farm mit Kühen, Hühnern und Bienen, eine Küche, eine Bäckerei, das Gästehaus, in dem wir übernachten, und und und. &#xA;&#xA;Ich könnte diesem Ort nicht gerecht werden, würde ich versuchen, ihn in diesem Text bis in seine Details zu beschreiben. Zumal ich hier gerade nicht weniger neu bin, als ich es in meinen ersten Wochen in Nairobi war, und „schwimmen“ erst lernen muss. Damit meine ich, meinen Fluss finden. Die Strömung verstehen. Treiben.&#xA; &#xA;Ich möchte Dir sagen, ich finde mich gerade selbst noch zurecht. Bevor ich bald wieder mehr von den anderen und der Welt um mich herum erzählen kann.&#xA;&#xA;English translation below&#xA;&#xA;My first home in Kenya was in the Eastlands of Nairobi. From there, I wrote all my previous blog posts. About the feeling of being overwhelmed with impressions on my first evenings. The tentative exploration, observing, imitating. The challenges and the games and the peace, the still sea.&#xA;&#xA;I&#39;m sure that various memories from this time will find their way into future posts.&#xA;&#xA;On March 5th, seven weeks after we moved in, our suitcases and backpacks were packed again, and Lola and I set off on our second journey to &#34;arrive.&#34; Isa, my other fellow volunteer, had moved to her aunt&#39;s house in another part of town some time before, and then to a new host family. Normally, a volunteer service takes place in only one location. But there&#39;s the option to change projects once, which the three of us ultimately decided to do for different reasons. I&#39;d like to explain one of my reasons to you today.&#xA;&#xA;My host family&#39;s house had no garden, and there wasn&#39;t a park I could reach during the hours between finishing work and sunset. So, in Nairobi, I sometimes felt as if my daily life took place entirely indoors: either at home, at school (a building without a courtyard), at the mall—or in between, in the car. I longed to walk more and freely explore new places for hobbies and friendships, something we were often forbidden from doing due to safety concerns.&#xA;&#xA;However, I don&#39;t want to give the impression that Nairobi is inherently a dangerous city. I loved walking down the street in the permitted direction and taking the bus downtown on weekends without ever feeling anxious or threatened. At the same time, my independence always posed a certain risk for my host mother, who would never have forgiven herself if something had happened to me.  This created boundaries that I could understood rationally, but not &#34;felt&#34; the same about (for example, when my sense of security differed from hers). On the one hand, this was frustrating, but on the other, grounding: I&#39;m the newbie in town, and it&#39;s up to me to find freedom within those boundaries, instead of questioning those who set them.&#xA;&#xA;Nairobi taught me to accept this role. I read and painted whatever I wanted and, whenever possible, went on excursions to maintain a sense of freedom. The desire for more movement and nature remained, however. It grew until I wasn&#39;t sure if it was truly a desire or more of a need. I knew: This wasn&#39;t yet my final home in Kenya.&#xA;&#xA;Conversations with our organization and host family followed, and finally, saying goodbye to all the people who had become so dear to me at school.  I spent the last few afternoons before we moved out on the balcony with my watercolors, painting them little pictures as a small thank you for the amazing time we&#39;d shared. You can take Maya out of Nairobi, but you can never take Nairobi out of Maya. If you know, you know. ❤️&#xA;&#xA;(For those who don&#39;t get it: This is a reference to the song lyric &#34;You take the man out of the city, not the city out of the man”)&#xA;&#xA;Well, and that&#39;s how Lola and I ended up in Ngong! A city of 100,000 inhabitants, bordering southwest Nairobi;  Just as loud and bustling, but greener than its neighbor.&#xA;&#xA;Our new project is a community space created to provide safe haven for children who cannot live with their families (temporarily or permanently). Besides the children&#39;s dormitories and common rooms, the project grounds also include a school, fields, water tanks, a farm with cows, chickens, and bees, a kitchen, a bakery, the guesthouse where we stay, and much more.&#xA;&#xA;I couldn&#39;t do this place justice if I tried to describe it in detail in this text. Especially since I&#39;m just as new here as I was during my first weeks in Nairobi, and I&#39;m still learning to &#34;swim.&#34; By that, I mean finding my flow. Understanding the current. Drifting.&#xA;&#xA;I want you to know that I&#39;m still finding my bearings. Before I can tell you more about the others and the world around me.&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mein erstes Zuhause in Kenia war in den Eastlands Nairobis. Von dort aus habe ich alle meine bisherigen Blogs verfasst. Über das Gefühl, mit Eindrücken zu überschwemmen an meinen ersten Abenden. Dem zögerlichen Entlangtasten, Abschauen, Nachahmen. Den Herausforderungen und den Spielen und der Ruhe, der stillen See.
Ich bin mir sicher, dass verschiedene Erinnerungen aus dieser Zeit noch ihren Weg in zukünftige Texte finden werden.</p>

<p>Am 5. März, sieben Wochen nach unserem Einzug, waren unsere Koffer und Rucksäcke wieder gepackt und Lola und ich machten uns eine zweites Mal auf die Reise, „anzukommen”. Isa, meine andere Mitfreiwillige, war schon einige Zeit zuvor zu ihrer Tante in einen anderen Stadtteil und anschließend zu einer neuen Gastfamilie gezogen. Normalerweise findet ein Freiwilligendienst nur an einem Ort statt. Aber es besteht die Option, einmal das Projekt zu wechseln, wofür wir drei uns letztendlich aus unterschiedlichen Gründen entschieden. Einen meiner Gründe möchte ich Dir heute erklären.</p>

<p>Das Haus meiner Gastfamilie hatte keinen Garten und es gab auch keinen Park, der in den Stunden zwischen Arbeitsende und Sonnenuntergang erreichbar gewesen wäre. So habe ich mich in Nairobi manchmal gefühlt, als würde mein Alltag nur in geschlossenen Räumen stattfinden: entweder Zuhause, in der Schule (ein Gebäude ohne Hof), in der Mall – oder dazwischen im Auto. Ich sehnte mich danach, mehr Strecken zu Fuß zu laufen und frei neue Orte für Hobbies und Freundschaften zu erkunden, was uns häufig wegen Sicherheitsbedenken untersagt wurde.</p>

<p>Dennoch möchte ich nicht den Eindruck vermitteln, Nairobi sei grundsätzlich eine gefährliche Stadt. Ich habe es geliebt, die Straße in die erlaubte Richtung entlangzuspazieren und an den Wochenenden mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren, ohne mich je ängstlich oder gar bedroht zu fühlen. Gleichzeitig barg meine Unabhängigkeit immer ein gewisses Risiko für meine Gastmama, die es sich nicht verziehen hätte, wenn mir doch etwas zugestoßen wäre. Dadurch gab es Grenzen, die ich zwar empathisch nachvollziehen, aber nicht immer „nachfühlen“ konnte (bspw. wenn mein Sicherheitsempfinden sich von ihrem unterschied). Das war einerseits frustrierend, andererseits erdend: <strong><em>Ich bin die Neue in der Stadt und es liegt an mir, Freiheit innerhalb der Grenzen zu finden, anstatt meine Grenzzieher:innen anzuzweifeln.</em></strong></p>

<p>Nairobi hat mir beigebracht, diese Rolle zu akzeptieren. Ich habe gelesen und gemalt, was immer ich wollte, und, wann immer möglich, Ausflüge gemacht, um mir selbst das Gefühl von Freiheit zu erhalten. Der Wunsch nach mehr Bewegung und Naturnähe ist trotzdem geblieben. Er wuchs, bis ich mir nicht mehr sicher war, ob es wirklich ein Wunsch, oder nicht eher ein Bedürfnis ist. Ich wusste: Hier ist noch nicht mein finales Zuhause in Kenia.</p>

<p>Es folgten Gespräche mit unserer Organisation und Gastfamilie, und schließlich der Abschied von allen Menschen, die mir in der Schule bereits so ans Herz gewachsen waren. Die letzten Nachmittage vor unserem Auszug verbrachte ich mit meinen Aquarellfarben auf dem Balkon, um ihnen kleine Bilder als kleinen Dank für eine überwältigende gemeinsame Zeit zu malen. You can take Maya out of Nairobi, but you can never take Nairobi out of Maya. If you know, you know. ❤️</p>

<p>(Für alle, die es nicht verstehen: Das ist eine Referenz zu der der Liedzeile “You take the man out of the city, not the city out the man“ – zu Deutsch: Man holt den Mann aus der Stadt, nicht die Stadt aus dem Mann.)</p>

<p><img src="https://bilder.lilagesprenkelt.com/i/a4260cc2-dbb8-48ee-93a8-36a478fee9a0.jpg" alt="image"></p>

<p>Tja, und so kamen Lola und ich nach Ngong! Eine 100.000-Einwohner:innen-Stadt, die an den Südwesten Nairobis grenzt; ebenso laut und geschäftig, aber grüner ist als ihre Nachbarin.</p>

<p>Unser neues Projekt ist ein Gemeinschaftsort, der geschaffen wurde, um Kindern einen sicheren Unterschlupf zu bieten, wenn sie (temporär oder dauerhaft) nicht bei ihren Familien leben können. Neben den Schlafsälen und Aufenthaltsräumen der Kinder gibt es auf dem Projektgelände auch eine Schule, Felder, Wassertanks, eine Farm mit Kühen, Hühnern und Bienen, eine Küche, eine Bäckerei, das Gästehaus, in dem wir übernachten, und und und.</p>

<p>Ich könnte diesem Ort nicht gerecht werden, würde ich versuchen, ihn in diesem Text bis in seine Details zu beschreiben. Zumal ich hier gerade nicht weniger neu bin, als ich es in meinen ersten Wochen in Nairobi war, und „schwimmen“ erst lernen muss. Damit meine ich, meinen Fluss finden. Die Strömung verstehen. Treiben.</p>

<p>Ich möchte Dir sagen, ich finde mich gerade selbst noch zurecht. Bevor ich bald wieder mehr von den anderen und der Welt um mich herum erzählen kann.</p>

<h4 id="english-translation-below">English translation below</h4>

<p>My first home in Kenya was in the Eastlands of Nairobi. From there, I wrote all my previous blog posts. About the feeling of being overwhelmed with impressions on my first evenings. The tentative exploration, observing, imitating. The challenges and the games and the peace, the still sea.</p>

<p>I&#39;m sure that various memories from this time will find their way into future posts.</p>

<p>On March 5th, seven weeks after we moved in, our suitcases and backpacks were packed again, and Lola and I set off on our second journey to “arrive.” Isa, my other fellow volunteer, had moved to her aunt&#39;s house in another part of town some time before, and then to a new host family. Normally, a volunteer service takes place in only one location. But there&#39;s the option to change projects once, which the three of us ultimately decided to do for different reasons. I&#39;d like to explain one of my reasons to you today.</p>

<p>My host family&#39;s house had no garden, and there wasn&#39;t a park I could reach during the hours between finishing work and sunset. So, in Nairobi, I sometimes felt as if my daily life took place entirely indoors: either at home, at school (a building without a courtyard), at the mall—or in between, in the car. I longed to walk more and freely explore new places for hobbies and friendships, something we were often forbidden from doing due to safety concerns.</p>

<p>However, I don&#39;t want to give the impression that Nairobi is inherently a dangerous city. I loved walking down the street in the permitted direction and taking the bus downtown on weekends without ever feeling anxious or threatened. At the same time, my independence always posed a certain risk for my host mother, who would never have forgiven herself if something had happened to me.  This created boundaries that I could understood rationally, but not “felt” the same about (for example, when my sense of security differed from hers). On the one hand, this was frustrating, but on the other, grounding: <strong><em>I&#39;m the newbie in town, and it&#39;s up to me to find freedom within those boundaries, instead of questioning those who set them.</em></strong></p>

<p>Nairobi taught me to accept this role. I read and painted whatever I wanted and, whenever possible, went on excursions to maintain a sense of freedom. The desire for more movement and nature remained, however. It grew until I wasn&#39;t sure if it was truly a desire or more of a need. I knew: This wasn&#39;t yet my final home in Kenya.</p>

<p>Conversations with our organization and host family followed, and finally, saying goodbye to all the people who had become so dear to me at school.  I spent the last few afternoons before we moved out on the balcony with my watercolors, painting them little pictures as a small thank you for the amazing time we&#39;d shared. You can take Maya out of Nairobi, but you can never take Nairobi out of Maya. If you know, you know. ❤️</p>

<p>(For those who don&#39;t get it: This is a reference to the song lyric “You take the man out of the city, not the city out of the man”)</p>

<p>Well, and that&#39;s how Lola and I ended up in Ngong! A city of 100,000 inhabitants, bordering southwest Nairobi;  Just as loud and bustling, but greener than its neighbor.</p>

<p>Our new project is a community space created to provide safe haven for children who cannot live with their families (temporarily or permanently). Besides the children&#39;s dormitories and common rooms, the project grounds also include a school, fields, water tanks, a farm with cows, chickens, and bees, a kitchen, a bakery, the guesthouse where we stay, and much more.</p>

<p>I couldn&#39;t do this place justice if I tried to describe it in detail in this text. Especially since I&#39;m just as new here as I was during my first weeks in Nairobi, and I&#39;m still learning to “swim.” By that, I mean finding my flow. Understanding the current. Drifting.</p>

<p>I want you to know that I&#39;m still finding my bearings. Before I can tell you more about the others and the world around me.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/ueber-freiheit-oder-ich-bin-umgezogen</guid>
      <pubDate>Mon, 23 Mar 2026 18:08:04 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Statement </title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/statement</link>
      <description>&lt;![CDATA[Liebe Leser:innen meines Blogs, der folgende Text liegt mir sehr am Herzen. Ich versuche Euch an meinen Reflexionen über meinen Freiwilligendienst teilhaben zu lassen, wohl wissend, dass ich über Themen schreibe, mit denen sich manche von Euch vielleicht noch nicht viel beschäftigt haben. Es bedeutet mir die Welt, dass Ihr trotzdem mitlest!&#xA;Hiermit lade ich Euch dazu ein, mir all Eure Fragen und Feedbacks über E-Mail oder WhatsApp zukommen zu lassen. &#xA;&#xA;- -&#xA;&#xA;Stell Dir vor, ich hätte Dir gerade erst erzählt, dass ich vorhabe, für ein Auslandsjahr nach Kenia zu reisen. &#xA;Wenn Du (wie ich) in Westeuropa oder in Nordamerika aufgewachsen bist, ploppen vor Deinem inneren Auge vielleicht sofort einige Bilder auf. Du hast womöglich keinen direkten Bezug zu Kenia, kannst es aber als Land in Afrika einordnen. Mit „Afrika“ haben wir, Du und ich, alle möglichen Assoziationen. Die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie beschreibt sie in ihrem TED Talk “The Danger of a Single Story“ (verlinkt ist eine Version mit deutschen Untertiteln - ich empfehle sehr, sie sich anzuschauen). &#xA;&#xA;  „Wenn alles, was ich über Afrika wüsste, von den weit verbreiteten Bildern herrührte, würde auch ich denken, dass Afrika ein Ort mit schönen Landschaften, schönen Tieren und unbelehrbaren Menschen ist, die sinnlose Kriege führen, an Armut und Aids sterben, nicht imstande, für sich selbst zu sprechen.“ &#xA;  - Chimamanda Ngozi Adichie &#xA;&#xA;Mit der Vorstellung eines armen, hilflosen Afrikas liegt der Gedanke nah, dass ich mich nur aus Selbstlosigkeit für die Reise nach Kenia entschieden haben kann. Es stimmt, dass ich im Rahmen meines Freiwilligendienstes bei einer sozialen Organisation aushelfe. Dabei finde ich mich aber viel häufiger in einer empfangenden als in einer gebenden Rolle: Ich lerne von Kenianer:innen über ihr Schulsystem und Kiswahili, wie man Chapati bäckt und die Busse in Nairobi benutzt - und so viel mehr.&#xA;&#xA;Das Bild des selbstlosen Europäers, der sein Wissen großzügig mit vermeintlich ahnungslosen Afrikaner:innen teile, scheint trotzdem immer wiederzukehren - offen so benannt oder implizit bspw. in der „Entwicklungspolitik“. Es wurzelt tief im europäischen Kolonialismus.&#xA;&#xA;Kolonialismus bezeichnet eine Politik, die zum Ziel hat, gewaltsam die Herrschaft über Gebiete außerhalb des eigenen Staates zu ergreifen. In den 1880er Jahren fand diese Politik beim deutschen Adel und Bürgertum zunehmend Anklang. Die Kolonisation versprach neue Ressourcen und Absatzmärkte, durch die man viel Geld gewinnen wollte. Es ergab sich nur ein moralisches Dilemma, weil es sich im aufgeklärten Europa offiziell nicht ziemte, Menschen zu entrechten und zu bestehlen. &#xA;&#xA;Um zu erklären, warum man Menschen im Globalen Süden (das heißt: in den kolonisierten Gebieten) antun dürfe, was bei den Reichen in Europa verboten war, behaupteten Kolonisierende, ihre Herrschaft würde den indigenen Gesellschaften zur „Zivilisation“ verhelfen. „Zivilisation“ meinte hier: Europäische Zivilisation - Christentum, freie Marktwirtschaft, europäische Wissenssysteme. Die deutsche Regierung, die die Kolonisation förderte (insb. Bismarck, Wilhelm II.), sowie Kolonisierende (bspw. Carl Peters) bildeten sich ein, den kolonisierten Menschen überlegen und deshalb dazu bestimmt zu sein, sie im Wettstreit mit anderen europäischen Kolonialmächten (Spanien, Portugal, Niederlande, England, Frankreich, Belgien, Italien) zu beherrschen. Deutschland kolonisierte unter anderem Teile Ostafrikas, die heute zu den Staaten Tansania, Ruanda und Burundi gehören.&#xA;&#xA;Wenn Du und ich heute davon ausgehen, dass ein vormals kolonisierter Staat wie Kenia ausschließlich ein Ort des Mangels ist, der sich erst noch zu einer Industrienation wie Deutschland „entwickeln“ muss, denken wir entlang einer kolonialen Hierarchie, die den Globalen Süden (kolonisierte Staaten) dem Globalen Norden (kolonisierende Staaten) unterordnet. Ich möchte nicht behaupten, dass es in Kenia keine Armut gibt. Auch will ich den Mangel an Lebensmitteln, Wasser, Wohnraum, bezahlbarer Bildung oder Arbeitsplätzen nicht verharmlosen. Es geht mir um die Art und Weise, wie ich mit meiner Familie und meinen Freund:innen über Kenia spreche und wie meine Erzählungen eingeordnet werden. Anstatt unsere Annahmen vom Anfang (Afrika sei pauschal arm und hilflos) immer wieder zu bekräftigen, können wir fragen: Welche politischen Ursachen stehen hinter Problemen in Kenia? Welche Lösungen schlagen politische Akteure und Aktivist:innen vor Ort vor? Gehen wir (unterbewusst) davon aus, dass Deutschland - Westeuropa - der Globale Norden der Maßstab für „Entwicklung“ sind? Welche Probleme gibt es in dem Land, in dem wir aufgewachsen sind; wo könnte man von Vorbildern aus Kenia - Afrika - dem Globalen Süden lernen? &#xA;&#xA;Auf einem der ersten Seminare, die ich vor meinem Freiwilligendienst besucht habe, eröffnete mein damaliger Koordinator Karsten eine Einheit zu fairem Berichten mit folgenden Worten: „Jedes Bild, das ihr aus eurem Auslandsaufenthalt postet, ist ein Statement“. Er wollte damit betonen, wie mächtig Freiwillige in ihrer Rolle als Berichtende sind. Abgesehen von den Nachrichten bin ich vermutlich Deine einzige Informationsquelle aus Kenia. &#xA;Ich könnte Dir Bilder vom Dach des KICC-Turms in Nairobi zeigen, um zu „beweisen“, wie hoch und eindrucksvoll das Stadtzentrum bebaut ist. Es wäre ein Kontrast zu den Naturbildern, die Du vielleicht sonst mit Kenia verbindest. Gleichzeitig würde ich damit wieder an Großstädten des Globalen Nordens als Ideal festhalten. Muss Nairobi aussehen wie New York oder Paris, um „fortschrittlich“ zu sein? &#xA;&#xA;Ich möchte mir in meinen Texten die oben aufgeführten Fragen stellen, weil ich fest daran glaube, dass es letztendlich (von Vorurteilen) befreit, Hintergründe und Komplexität zu benennen. &#xA;&#xA;Es bleibt dennoch eine Herausforderung, verantwortungsvoll zu berichten: Ich bin nicht vorurteilsfrei. Ich ordne meine Erfahrungen auch intuitiv in gelernte Kategorien ein und muss mich hinterfragen, austauschen und recherchieren, um über meinen Tellerrand hinauszusehen. &#xA;&#xA;- -&#xA;&#xA;Ich wünsche mir, dass Du durch diesen Blog mit mir einen Blick über Deinen Tellerrand wagen kannst, er Dir Freude bereitet und Dich neugierig macht, mehr zu lernen - selbst, wenn es manchmal weh tut, sich bspw. mit dem Ausmaß der Zerstörung durch den Kolonialismus zu beschäftigen. Ich übe mich noch darin, wie ich genug Theorie in meine Texte einbette, um den Kontext verständlich zu machen, ohne Dich zu langweilen.&#xA;&#xA;Danke, dass Du da bist, und mich auf meiner Reise begleitest! 💞 &#xA;&#xA;. . .&#xA;&#xA;English translation below &#xA;&#xA;Dear readers of my blog, the following text is very close to my heart. I&#39;m trying to share my reflections on my volunteer service with you, knowing full well that I&#39;m writing about topics some of you may not have explored in depth. It means the world to me that you&#39;re reading along anyway!&#xA;&#xA;I invite you to send me all your questions and feedback via email or WhatsApp.&#xA;&#xA;I&#39;d also like to add in the English translation that I wrote this text primarily for my family, friends, and acquaintances in Germany and Europe. If you come from the Global South, you&#39;ll likely view (non-explicit) references to colonial violence and colonial continuities from a different perspective, sometimes even from the perspective of someone directly affected. Please look after yourself if these are topics you&#39;d rather not read about right now. Thank you. ❤️&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;Imagine I&#39;d just told you that I&#39;m planning to travel to Kenya for a year abroad.&#xA;&#xA;If you (like me) grew up in Western Europe or North America, some images might immediately pop into your mind. You may not have a direct connection to Kenya, but you can place it as a country in Africa. We, you and I, have all sorts of associations with &#34;Africa.&#34; The Nigerian author Chimamanda Ngozi Adichie describes them in her TED Talk &#34;The Danger of a Single Story&#34; (linked is a version with German subtitles - I highly recommend watching it).&#xA;&#xA;  &#34;If all I knew about Africa were from popular images, I too would think that Africa was a place of beautiful landscapes, beautiful animals and incomprehensible people, fighting senseless wars, dying of poverty and AIDS, unable to speak for themselves.&#34;&#xA;  - Chimamanda Ngozi Adichie&#xA;&#xA;The image of a poor, helpless Africa naturally leads to the assumption that my decision to travel to Kenya could only have been motivated by selflessness. It&#39;s true that I&#39;m volunteering with a social organization. However, I find myself in a receiving role far more often than a giving one: I&#39;m learning from Kenyans about their school system and Kiswahili, how to bake chapati, how to use the buses in Nairobi - and so much more.&#xA;&#xA;Nevertheless, the image of the selfless European generously sharing his knowledge with supposedly clueless Africans seems to recur - either explicitly stated or implicitly, for example, in the context of &#34;development policy.&#34; It is deeply rooted in European colonialism.&#xA;&#xA;Colonialism refers to a policy aimed at seizing control of territories outside one&#39;s own state by force. In the 1880s, this policy gained increasing traction among the German nobility and bourgeoisie. Colonization promised new resources and markets, from which they hoped to make a lot of money. This only created a moral dilemma because, in enlightened Europe, it was officially considered improper to disenfranchise and rob people.&#xA;&#xA;To explain why it was permissible to do to people in the Global South (that is, in the colonized territories) what was forbidden to the wealthy in Europe, colonizers claimed that their rule would help the indigenous societies achieve &#34;civilization.&#34; &#34;Civilization&#34; here meant European civilization - Christianity, the free market economy, and European systems of knowledge. The German government, which promoted colonization (especially Bismarck and Wilhelm II), as well as the colonizers themselves (e.g., Carl Peters), imagined themselves to be superior to the colonized people and therefore destined to dominate them in competition with other European colonial powers (Spain, Portugal, the Netherlands, England, France, Belgium, and Italy). Germany colonized, among other areas, parts of East Africa that today comprise the countries of Tanzania, Rwanda, and Burundi.&#xA;&#xA;If you and I assume today that a formerly colonized state like Kenya is solely a place of scarcity that still needs to &#34;develop&#34; into an industrialized nation like Germany, we are thinking along the lines of a colonial hierarchy that subordinates the Global South (colonized states) to the Global North (colonizing states). I don&#39;t want to claim that there is no poverty in Kenya. Nor do I want to downplay the lack of food, water, housing, affordable education, or jobs. My point is about how I talk about Kenya with my family and friends and how my stories are interpreted. Instead of constantly reaffirming our initial assumptions (that Africa is universally poor and helpless), we can ask: What are the political causes behind the problems in Kenya? What solutions are local political actors and activists proposing? Are we (subconsciously) assuming that Germany - Western Europe - the Global North is the benchmark for &#34;development&#34;?  What problems exist in the country where we grew up; where could we learn from role models in Kenya - Africa - the Global South?&#xA;&#xA;At one of the first seminars I attended before my volunteer service, my coordinator at the time, Karsten, opened a session on fair reporting with the following words: &#34;Every picture you post from your time abroad is a statement.&#34; He wanted to emphasize how powerful volunteers are in their role as reporters. Aside from the news, I&#39;m probably your only source of information from Kenya.&#xA;&#xA;I could show you pictures from the roof of the KICC tower in Nairobi to &#34;prove&#34; how tall and impressive the city center is. It would contrast the nature scenes you might otherwise associate with Kenya. At the same time, I would again be perpetuating the ideal of major cities in the Global North. Does Nairobi have to look like New York or Paris to be &#34;progressive&#34;?&#xA;&#xA;I want to ask myself the questions listed above in my writing because I firmly believe that ultimately, naming the background and complexity (and thus avoiding prejudice) is what truly liberates us.&#xA;Though it remains a challenge to report responsibly: I&#39;m not without my own biases. I intuitively categorize my experiences into learned frameworks and need to question myself, exchange ideas, and research to broaden my horizons.&#xA;&#xA;---&#xA;&#xA;I hope that this blog will encourage you to broaden your horizons with me, that it will bring you joy and spark your curiosity to learn more - even when it&#39;s painful, for example, to grapple with the extent of the destruction caused by colonialism. I&#39;m still working on how to incorporate enough theory into my writing to make the context clear without boring you.&#xA;&#xA;Thank you for being here and joining me on my journey! 💞&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Leser:innen meines Blogs, der folgende Text liegt mir sehr am Herzen. Ich versuche Euch an meinen Reflexionen über meinen Freiwilligendienst teilhaben zu lassen, wohl wissend, dass ich über Themen schreibe, mit denen sich manche von Euch vielleicht noch nicht viel beschäftigt haben. Es bedeutet mir die Welt, dass Ihr trotzdem mitlest!
Hiermit lade ich Euch dazu ein, mir all Eure Fragen und Feedbacks über <a href="mailto:maya.gierich@gmail.com">E-Mail</a> oder WhatsApp zukommen zu lassen.</p>

<hr>

<p>Stell Dir vor, ich hätte Dir gerade erst erzählt, dass ich vorhabe, für ein Auslandsjahr nach Kenia zu reisen.
Wenn Du (wie ich) in Westeuropa oder in Nordamerika aufgewachsen bist, ploppen vor Deinem inneren Auge vielleicht sofort einige Bilder auf. Du hast womöglich keinen direkten Bezug zu Kenia, kannst es aber als Land in Afrika einordnen. Mit „Afrika“ haben wir, Du und ich, alle möglichen Assoziationen. Die nigerianische Autorin Chimamanda Ngozi Adichie beschreibt sie in ihrem TED Talk <a href="https://youtu.be/mgs2Do88zp0?si=snGKvccbBVoJ3ucX">“The Danger of a Single Story“</a> (verlinkt ist eine Version mit deutschen Untertiteln – ich empfehle sehr, sie sich anzuschauen).</p>

<blockquote><p>„Wenn alles, was ich über Afrika wüsste, von den weit verbreiteten Bildern herrührte, würde auch ich denken, dass Afrika ein Ort mit schönen Landschaften, schönen Tieren und unbelehrbaren Menschen ist, die sinnlose Kriege führen, an Armut und Aids sterben, nicht imstande, für sich selbst zu sprechen.“
– Chimamanda Ngozi Adichie</p></blockquote>

<p>Mit der Vorstellung eines armen, hilflosen Afrikas liegt der Gedanke nah, dass ich mich nur aus Selbstlosigkeit für die Reise nach Kenia entschieden haben kann. Es stimmt, dass ich im Rahmen meines Freiwilligendienstes bei einer sozialen Organisation aushelfe. Dabei finde ich mich aber viel häufiger in einer empfangenden als in einer gebenden Rolle: Ich lerne von Kenianer:innen über ihr Schulsystem und Kiswahili, wie man Chapati bäckt und die Busse in Nairobi benutzt – und so viel mehr.</p>

<p>Das Bild des selbstlosen Europäers, der sein Wissen großzügig mit vermeintlich ahnungslosen Afrikaner:innen teile, scheint trotzdem immer wiederzukehren – offen so benannt oder implizit bspw. in der „Entwicklungspolitik“. Es wurzelt tief im europäischen Kolonialismus.</p>

<p>Kolonialismus bezeichnet eine Politik, die zum Ziel hat, gewaltsam die Herrschaft über Gebiete außerhalb des eigenen Staates zu ergreifen. In den 1880er Jahren fand diese Politik beim deutschen Adel und Bürgertum zunehmend Anklang. Die Kolonisation versprach neue Ressourcen und Absatzmärkte, durch die man viel Geld gewinnen wollte. Es ergab sich nur ein moralisches Dilemma, weil es sich im aufgeklärten Europa offiziell nicht ziemte, Menschen zu entrechten und zu bestehlen.</p>

<p>Um zu erklären, warum man Menschen im Globalen Süden (das heißt: in den kolonisierten Gebieten) antun dürfe, was bei den Reichen in Europa verboten war, behaupteten Kolonisierende, ihre Herrschaft würde den indigenen Gesellschaften zur „Zivilisation“ verhelfen. „Zivilisation“ meinte hier: <em>Europäische</em> Zivilisation – Christentum, freie Marktwirtschaft, europäische Wissenssysteme. Die deutsche Regierung, die die Kolonisation förderte (insb. Bismarck, Wilhelm II.), sowie Kolonisierende (bspw. Carl Peters) bildeten sich ein, den kolonisierten Menschen überlegen und deshalb dazu bestimmt zu sein, sie im Wettstreit mit anderen europäischen Kolonialmächten (Spanien, Portugal, Niederlande, England, Frankreich, Belgien, Italien) zu beherrschen. Deutschland kolonisierte unter anderem Teile Ostafrikas, die heute zu den Staaten Tansania, Ruanda und Burundi gehören.</p>

<p>Wenn Du und ich heute davon ausgehen, dass ein vormals kolonisierter Staat wie Kenia ausschließlich ein Ort des Mangels ist, der sich erst noch zu einer Industrienation wie Deutschland „entwickeln“ muss, denken wir entlang einer kolonialen Hierarchie, die den Globalen Süden (kolonisierte Staaten) dem Globalen Norden (kolonisierende Staaten) unterordnet. Ich möchte nicht behaupten, dass es in Kenia keine Armut gibt. Auch will ich den Mangel an Lebensmitteln, Wasser, Wohnraum, bezahlbarer Bildung oder Arbeitsplätzen nicht verharmlosen. Es geht mir um die Art und Weise, wie ich mit meiner Familie und meinen Freund:innen über Kenia spreche und wie meine Erzählungen eingeordnet werden. Anstatt unsere Annahmen vom Anfang (Afrika sei pauschal arm und hilflos) immer wieder zu bekräftigen, können wir fragen: Welche politischen Ursachen stehen hinter Problemen in Kenia? Welche Lösungen schlagen politische Akteure und Aktivist:innen vor Ort vor? Gehen wir (unterbewusst) davon aus, dass Deutschland – Westeuropa – der Globale Norden der Maßstab für „Entwicklung“ sind? Welche Probleme gibt es in dem Land, in dem wir aufgewachsen sind; wo könnte man von Vorbildern aus Kenia – Afrika – dem Globalen Süden lernen?</p>

<p>Auf einem der ersten Seminare, die ich vor meinem Freiwilligendienst besucht habe, eröffnete mein damaliger Koordinator Karsten eine Einheit zu fairem Berichten mit folgenden Worten: „Jedes Bild, das ihr aus eurem Auslandsaufenthalt postet, ist ein Statement“. Er wollte damit betonen, wie mächtig Freiwillige in ihrer Rolle als Berichtende sind. Abgesehen von den Nachrichten bin ich vermutlich Deine einzige Informationsquelle aus Kenia.
Ich könnte Dir Bilder vom Dach des KICC-Turms in Nairobi zeigen, um zu „beweisen“, wie hoch und eindrucksvoll das Stadtzentrum bebaut ist. Es wäre ein Kontrast zu den Naturbildern, die Du vielleicht sonst mit Kenia verbindest. Gleichzeitig würde ich damit <em>wieder</em> an Großstädten des Globalen Nordens als Ideal festhalten. Muss Nairobi aussehen wie New York oder Paris, um „fortschrittlich“ zu sein?</p>

<p>Ich möchte mir in meinen Texten die oben aufgeführten Fragen stellen, weil ich fest daran glaube, dass es letztendlich (von Vorurteilen) <strong><em>befreit</em></strong>, Hintergründe und Komplexität zu benennen.</p>

<p>Es bleibt dennoch eine Herausforderung, verantwortungsvoll zu berichten: Ich bin nicht vorurteilsfrei. Ich ordne meine Erfahrungen auch intuitiv in gelernte Kategorien ein und muss mich hinterfragen, austauschen und recherchieren, um über meinen Tellerrand hinauszusehen.</p>

<hr>

<p>Ich wünsche mir, dass Du durch diesen Blog mit mir einen Blick über Deinen Tellerrand wagen kannst, er Dir Freude bereitet und Dich neugierig macht, mehr zu lernen – selbst, wenn es manchmal weh tut, sich bspw. mit dem Ausmaß der Zerstörung durch den Kolonialismus zu beschäftigen. Ich übe mich noch darin, wie ich genug Theorie in meine Texte einbette, um den Kontext verständlich zu machen, ohne Dich zu langweilen.</p>

<p><em>Danke, dass Du da bist, und mich auf meiner Reise begleitest!</em> 💞</p>

<p>. . .</p>

<h4 id="english-translation-below">English translation below</h4>

<p>Dear readers of my blog, the following text is very close to my heart. I&#39;m trying to share my reflections on my volunteer service with you, knowing full well that I&#39;m writing about topics some of you may not have explored in depth. It means the world to me that you&#39;re reading along anyway!</p>

<p>I invite you to send me all your questions and feedback via <a href="mailto:maya.gierich@gmail.com">email</a> or WhatsApp.</p>

<p><em>I&#39;d also like to add in the English translation that I wrote this text primarily for my family, friends, and acquaintances in Germany and Europe.</em> <strong><em>If you come from the Global South, you&#39;ll likely view (non-explicit) references to colonial violence and colonial continuities from a different perspective, sometimes even from the perspective of someone directly affected.</em></strong> <em>Please look after yourself if these are topics you&#39;d rather not read about right now. Thank you.</em> ❤️</p>

<hr>

<p>Imagine I&#39;d just told you that I&#39;m planning to travel to Kenya for a year abroad.</p>

<p>If you (like me) grew up in Western Europe or North America, some images might immediately pop into your mind. You may not have a direct connection to Kenya, but you can place it as a country in Africa. We, you and I, have all sorts of associations with “Africa.” The Nigerian author Chimamanda Ngozi Adichie describes them in her TED Talk <a href="https://youtu.be/mgs2Do88zp0?si=snGKvccbBVoJ3ucX">“The Danger of a Single Story”</a> (linked is a version with German subtitles – I highly recommend watching it).</p>

<blockquote><p>“If all I knew about Africa were from popular images, I too would think that Africa was a place of beautiful landscapes, beautiful animals and incomprehensible people, fighting senseless wars, dying of poverty and AIDS, unable to speak for themselves.”
– Chimamanda Ngozi Adichie</p></blockquote>

<p>The image of a poor, helpless Africa naturally leads to the assumption that my decision to travel to Kenya could only have been motivated by selflessness. It&#39;s true that I&#39;m volunteering with a social organization. However, I find myself in a receiving role far more often than a giving one: I&#39;m learning from Kenyans about their school system and Kiswahili, how to bake chapati, how to use the buses in Nairobi – and so much more.</p>

<p>Nevertheless, the image of the selfless European generously sharing his knowledge with supposedly clueless Africans seems to recur – either explicitly stated or implicitly, for example, in the context of “development policy.” It is deeply rooted in European colonialism.</p>

<p>Colonialism refers to a policy aimed at seizing control of territories outside one&#39;s own state by force. In the 1880s, this policy gained increasing traction among the German nobility and bourgeoisie. Colonization promised new resources and markets, from which they hoped to make a lot of money. This only created a moral dilemma because, in enlightened Europe, it was officially considered improper to disenfranchise and rob people.</p>

<p>To explain why it was permissible to do to people in the Global South (that is, in the colonized territories) what was forbidden to the wealthy in Europe, colonizers claimed that their rule would help the indigenous societies achieve “civilization.” “Civilization” here meant <em>European</em> civilization – Christianity, the free market economy, and European systems of knowledge. The German government, which promoted colonization (especially Bismarck and Wilhelm II), as well as the colonizers themselves (e.g., Carl Peters), imagined themselves to be superior to the colonized people and therefore destined to dominate them in competition with other European colonial powers (Spain, Portugal, the Netherlands, England, France, Belgium, and Italy). Germany colonized, among other areas, parts of East Africa that today comprise the countries of Tanzania, Rwanda, and Burundi.</p>

<p>If you and I assume today that a formerly colonized state like Kenya is solely a place of scarcity that still needs to “develop” into an industrialized nation like Germany, we are thinking along the lines of a colonial hierarchy that subordinates the Global South (colonized states) to the Global North (colonizing states). I don&#39;t want to claim that there is no poverty in Kenya. Nor do I want to downplay the lack of food, water, housing, affordable education, or jobs. My point is about how I talk about Kenya with my family and friends and how my stories are interpreted. Instead of constantly reaffirming our initial assumptions (that Africa is universally poor and helpless), we can ask: What are the political causes behind the problems in Kenya? What solutions are local political actors and activists proposing? Are we (subconsciously) assuming that Germany – Western Europe – the Global North is the benchmark for “development”?  What problems exist in the country where we grew up; where could we learn from role models in Kenya – Africa – the Global South?</p>

<p>At one of the first seminars I attended before my volunteer service, my coordinator at the time, Karsten, opened a session on fair reporting with the following words: “Every picture you post from your time abroad is a statement.” He wanted to emphasize how powerful volunteers are in their role as reporters. Aside from the news, I&#39;m probably your only source of information from Kenya.</p>

<p>I could show you pictures from the roof of the KICC tower in Nairobi to “prove” how tall and impressive the city center is. It would contrast the nature scenes you might otherwise associate with Kenya. At the same time, I would <em>again</em> be perpetuating the ideal of major cities in the Global North. Does Nairobi have to look like New York or Paris to be “progressive”?</p>

<p>I want to ask myself the questions listed above in my writing because I firmly believe that ultimately, naming the background and complexity (and thus avoiding prejudice) is what truly liberates us.
Though it remains a challenge to report responsibly: I&#39;m not without my own biases. I intuitively categorize my experiences into learned frameworks and need to question myself, exchange ideas, and research to broaden my horizons.</p>

<hr>

<p>I hope that this blog will encourage you to broaden your horizons with me, that it will bring you joy and spark your curiosity to learn more – even when it&#39;s painful, for example, to grapple with the extent of the destruction caused by colonialism. I&#39;m still working on how to incorporate enough theory into my writing to make the context clear without boring you.</p>

<p><em>Thank you for being here and joining me on my journey!</em> 💞</p>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/statement</guid>
      <pubDate>Mon, 09 Mar 2026 14:42:45 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Happy Valentine&#39;s Day!</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/happy-valentines-day</link>
      <description>&lt;![CDATA[Unlike every year before, I was fully aware of Valentine&#39;s Day approaching this February. Isa had mentioned it for the first time weeks ago and ever since, I kept being reminded persistently. Take yesterday, for instance:&#xA;&#xA;I started working as a teacher&#39;s assistent in pre-primary 1 at the beginning of the month. Sometimes, the two of us can smalltalk a little while the children are copying something off the whiteboard or solving a task. Yesterday, teacher J. asked me whether I&#39;d go out on Saturday to celebrate. &#xA;In the afternoon, Lola and I went for a shopping spree in the nearest mall within walking distance as she wanted to buy some beauty supplies and I ran out of toothpaste. At the entrance of Naivas, a Kenyan supermarket chain, we walked past a large Valentine&#39;s setup with teddy bears, flowers and chocolate. And even the paper bag Lola received with her iced coffee at JavaHouse had hearts on it. &#xA;&#xA;I was never so fond of Valentine&#39;s Day because I felt like it was very performative to (only) cherish your loved ones on one set date. Besides, I always thought it was an entirely capitalist invention - until I found out about its Christian origin when I researched it earlier. &#xA;&#xA;Today, it&#39;s different. I still don&#39;t feel connected to any traditions surrounding Valentine&#39;s Day, but I do love it&#39;s granting me an occasion to write about love. I told teacher J. I&#39;m not going out on Saturday and, no, I&#39;m neither in a relationship nor intending to be, as I&#39;m leaving Kenya again in 11 months. But truly, I am certain there is much more to love than the advertisment images for Valentine&#39;s dates make us believe.&#xA;&#xA;I&#39;m thinking of.&#xA;&#xA;My best friend Lena, who is not my best friend in a hierarchical sense, but who has been carrying my heart for so long, she knows its story best. Who could have guessed being separated by 6300 km would only make me feel closer to you? &#xA;&#xA;The letters, my pen pal Julia and I used to send one another, that could very much be considered love letters if we had a more expansive understanding of love. &#xA;&#xA;My friend Siri, who greeted me with roses when I returned home from France last December. &#xA;&#xA;All the romance hidden in friendships.&#xA;&#xA;Now, I will spend the rest of my day chilling and cooking eggplant casserole for dinner with my Galentine, Lola. &#xA;&#xA;Sorry this text is ending a bit abruptly. &#xA;I&#39;m busy celebrating love! xx&#xA;&#xA;German translation below&#xA;&#xA;Anders als in den Jahren zuvor war mir der bevorstehende Valentinstag diesen Februar völlig bewusst. Isa hatte ihn vor Wochen zum ersten Mal erwähnt, und seitdem wurde ich hartnäckig daran erinnert. Nehmen wir zum Beispiel gestern:&#xA;&#xA;Ich habe Anfang des Monats begonnen, als Assistenzlehrkraft in der pre-primary 1 (Vorschulklasse) zu arbeiten. Manchmal können die Lehrerin (J.) der Klasse und ich ein wenig smalltalken, während die Kinder etwas von der Tafel abschreiben oder eine Aufgabe lösen. Gestern fragte sie mich, ob ich am Samstag zum Valentinstag ausgehen würde.&#xA;&#xA;Nachmittags waren Lola und ich in der nächstgelegenen Mall einkaufen, da sie einige Kosmetikartikel und ich eine neue Tube Zahnpasta kaufen wollte. Am Eingang von Naivas, einer kenianischen Supermarktkette, kamen wir an einer großen Valentinstagsaufstellung mit Teddybären, Blumen und Schokolade vorbei. Und sogar die Papiertüte, die Lola zu ihrem Eiskaffee im JavaHouse bekam, war mit Herzen verziert.&#xA;&#xA;Ich war nie ein großer Fan vom Valentinstag, weil ich das Gefühl hatte, es wäre sehr performativ, seine Liebsten (nur) an einem einzigen, festgelegten Tag zu feiern. Außerdem habe ich den Valentinstag immer für eine rein kapitalistische Erfindung gehalten, bis ich vorhin von seinem christlichen Ursprung gelesen habe.&#xA;&#xA;Heute ist es anders. Ich fühle mich zwar noch immer nicht mit der Tradition des Valentinstags als solchem verbunden, aber ich freue mich, dass er mir die Gelegenheit gibt, über die Liebe zu schreiben. Ich habe J. gestern gesagt, dass ich am Samstag nicht ausgehen würde, und, dass ich weder in einer Beziehung sei noch plane, eine zu beginnen, da ich Kenia in elf Monaten wieder verlasse. Gleichzeitig bin ich mir vollkommen sicher, dass Liebe viel mehr ist, als die Werbebilder für Valentinstags-Dates uns glauben lassen wollen.&#xA;&#xA;Ich denke an.&#xA;&#xA;Meine beste Freundin Lena, die nicht meine beste Freundin in einem hierarchischen Sinne ist, aber mein Herz schon so lange mitträgt, dass sie seine Geschichte am besten kennt. Wer hätte gedacht, dass 6300 km Entfernung mich dir nur noch näher fühlen lassen würden?&#xA;&#xA;Die Briefe, die meine Brieffreundin Julia und ich uns früher geschrieben haben - welche man durchaus als Liebesbriefe bezeichnen könnte, wenn wir ein breiteres, umfassenderes Verständnis von Liebe hätten. &#xA;&#xA;Meine Freundin Siri, die mich letzten Dezember mit Rosen begrüßt hat, als ich aus Frankreich nachhause gekommen bin. &#xA;&#xA;Ich denke an die Romantik, die meine Freundschaften bereichert, und dennoch in ihnen verborgen zu bleiben scheint.&#xA;&#xA;Nun verbringe in den Rest des Tages entspannt mit meiner Galentine Lola und koche mit ihr später Auberginenauflauf zum Abendessen für alle. &#xA;&#xA;Verzeiht mir, dass dieser Blogeintrag so abrupt endet. &#xA;Ich bin jetzt beschäftigt, die Liebe zu feiern! xx&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Unlike every year before, I was fully aware of Valentine&#39;s Day approaching this February. Isa had mentioned it for the first time weeks ago and ever since, I kept being reminded persistently. Take yesterday, for instance:</p>

<p>I started working as a teacher&#39;s assistent in pre-primary 1 at the beginning of the month. Sometimes, the two of us can smalltalk a little while the children are copying something off the whiteboard or solving a task. Yesterday, teacher J. asked me whether I&#39;d go out on Saturday to celebrate.
In the afternoon, Lola and I went for a shopping spree in the nearest mall within walking distance as she wanted to buy some beauty supplies and I ran out of toothpaste. At the entrance of Naivas, a Kenyan supermarket chain, we walked past a large Valentine&#39;s setup with teddy bears, flowers and chocolate. And even the paper bag Lola received with her iced coffee at JavaHouse had hearts on it.</p>

<p>I was never so fond of Valentine&#39;s Day because I felt like it was very performative to (only) cherish your loved ones on one set date. Besides, I always thought it was an entirely capitalist invention – until I found out about its Christian origin when I researched it earlier.</p>

<p>Today, it&#39;s different. I still don&#39;t feel connected to any traditions surrounding Valentine&#39;s Day, but I do love it&#39;s granting me an occasion to write about love. I told teacher J. I&#39;m not going out on Saturday and, no, I&#39;m neither in a relationship nor intending to be, as I&#39;m leaving Kenya again in 11 months. But truly, I am certain there is much more to love than the advertisment images for Valentine&#39;s dates make us believe.</p>

<p>I&#39;m thinking of.</p>

<p>My best friend Lena, who is not my best friend in a hierarchical sense, but who has been carrying my heart for so long, she knows its story best. Who could have guessed being separated by 6300 km would only make me feel closer to you?</p>

<p>The letters, my pen pal Julia and I used to send one another, that could very much be considered love letters if we had a more expansive understanding of love.</p>

<p>My friend Siri, who greeted me with roses when I returned home from France last December.</p>

<p><em>All the romance hidden in friendships.</em></p>

<p>Now, I will spend the rest of my day chilling and cooking eggplant casserole for dinner with my Galentine, Lola.</p>

<p>Sorry this text is ending a bit abruptly.
I&#39;m busy celebrating love! xx</p>

<h5 id="german-translation-below">German translation below</h5>

<p>Anders als in den Jahren zuvor war mir der bevorstehende Valentinstag diesen Februar völlig bewusst. Isa hatte ihn vor Wochen zum ersten Mal erwähnt, und seitdem wurde ich hartnäckig daran erinnert. Nehmen wir zum Beispiel gestern:</p>

<p>Ich habe Anfang des Monats begonnen, als Assistenzlehrkraft in der pre-primary 1 (Vorschulklasse) zu arbeiten. Manchmal können die Lehrerin (J.) der Klasse und ich ein wenig smalltalken, während die Kinder etwas von der Tafel abschreiben oder eine Aufgabe lösen. Gestern fragte sie mich, ob ich am Samstag zum Valentinstag ausgehen würde.</p>

<p>Nachmittags waren Lola und ich in der nächstgelegenen Mall einkaufen, da sie einige Kosmetikartikel und ich eine neue Tube Zahnpasta kaufen wollte. Am Eingang von Naivas, einer kenianischen Supermarktkette, kamen wir an einer großen Valentinstagsaufstellung mit Teddybären, Blumen und Schokolade vorbei. Und sogar die Papiertüte, die Lola zu ihrem Eiskaffee im JavaHouse bekam, war mit Herzen verziert.</p>

<p>Ich war nie ein großer Fan vom Valentinstag, weil ich das Gefühl hatte, es wäre sehr performativ, seine Liebsten (nur) an einem einzigen, festgelegten Tag zu feiern. Außerdem habe ich den Valentinstag immer für eine rein kapitalistische Erfindung gehalten, bis ich vorhin von seinem christlichen Ursprung gelesen habe.</p>

<p>Heute ist es anders. Ich fühle mich zwar noch immer nicht mit der Tradition des Valentinstags als solchem verbunden, aber ich freue mich, dass er mir die Gelegenheit gibt, über die Liebe zu schreiben. Ich habe J. gestern gesagt, dass ich am Samstag nicht ausgehen würde, und, dass ich weder in einer Beziehung sei noch plane, eine zu beginnen, da ich Kenia in elf Monaten wieder verlasse. Gleichzeitig bin ich mir vollkommen sicher, dass Liebe viel mehr ist, als die Werbebilder für Valentinstags-Dates uns glauben lassen wollen.</p>

<p>Ich denke an.</p>

<p>Meine beste Freundin Lena, die nicht meine beste Freundin in einem hierarchischen Sinne ist, aber mein Herz schon so lange mitträgt, dass sie seine Geschichte am besten kennt. Wer hätte gedacht, dass 6300 km Entfernung mich dir nur noch näher fühlen lassen würden?</p>

<p>Die Briefe, die meine Brieffreundin Julia und ich uns früher geschrieben haben – welche man durchaus als Liebesbriefe bezeichnen könnte, wenn wir ein breiteres, umfassenderes Verständnis von Liebe hätten.</p>

<p>Meine Freundin Siri, die mich letzten Dezember mit Rosen begrüßt hat, als ich aus Frankreich nachhause gekommen bin.</p>

<p><em>Ich denke an die Romantik, die meine Freundschaften bereichert, und dennoch in ihnen verborgen zu bleiben scheint.</em></p>

<p>Nun verbringe in den Rest des Tages entspannt mit meiner Galentine Lola und koche mit ihr später Auberginenauflauf zum Abendessen für alle.</p>

<p>Verzeiht mir, dass dieser Blogeintrag so abrupt endet.
Ich bin jetzt beschäftigt, die Liebe zu feiern! xx</p>
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      <guid>http://lilagesprenkelt.com/happy-valentines-day</guid>
      <pubDate>Sat, 14 Feb 2026 09:41:16 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Hm!</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/hm</link>
      <description>&lt;![CDATA[Zuhause habe ich gar nicht das Gefühl, Essen habe eine kulturelle Bedeutung, auch wenn das natürlich nicht stimmt. Ich empfinde unser Familienessen vielleicht nicht immer als „traditionell Deutsch“, dafür hat es aber Tradition innerhalb unserer Familie, und mindestens einen Bezug zu dem Ort, wo wir wohnen. Wir essen, was es frisch aus dem Garten oder in den Supermärkten zu kaufen gibt: Gemüse, Reis, Nudeln, Brot, Käse. Erdbeeren im Sommer. Eierkuchen. Müsli. Mamas Kräutersauce. Es gibt Essen zu besonderen Anlässen, wie Raclette an Silvester. Natürlich habe ich Lieblingsgerichte zuhause, die ich aber erst mit zuhause verbinde, sobald es sie woanders nicht mehr gibt. &#xA;&#xA;Essen in Kenia macht Spaß, weil es genug neu ist, um spannend zu schmecken, und mich gleichzeitig an Wohlfühlessen zuhause erinnert. Auch hier gilt, dass die Essensgewohnheiten meiner Gastfamilie nicht nur „kenianisch“ sind, sondern durch ihre Geschichte und persönliche Vorlieben geprägt. Ich erzähle euch von einem kenianischen Haushalt, ohne dadurch Rückschlüsse auf jeden anderen zuzulassen.&#xA;&#xA;Morgens essen wir häufig Toast mit Margarine, Bananen oder Süßkartoffeln. In der Schule bäckt die Köchin zur Teezeit manchmal Mandazi für die Lehrkräfte und Freiwilligen: das sind in der Pfanne gebratene Teigtaschen, die ein bisschen süßlich schmecken. Zum Mittagessen gibt es entweder Reis oder Ugali (einen festen Maisbrei) mit Cabbage (gekochter Kohl mit Zwiebeln und Tomaten) oder Bohnen. Ab und zu auch Chapati: eine Art Fladenbrot, das aus Indien nach Kenia gekommen ist. Fleisch ist in meinem Alltag eher selten, aber manchmal in der Bolognese zu den Spaghetti, die in meiner Gastfamilie gerne gekocht werden, oder wenn es Fisch oder Samosa mit Fleischfüllung gibt. &#xA;&#xA;Nichts von alledem schlägt die Mango, die ich mir in meiner zweiten Woche mit Lola geteilt habe, während wir an den Verkaufsständen unserer Straße entlang spaziert sind und uns durch die Früchte probiert haben. Im Januar und Februar haben Mangos in Kenia den Höhepunkt ihrer Saison, und ich finde, man schmeckt es. &#xA;&#xA;English translation below&#xA;&#xA;At home, I don&#39;t feel that food has any cultural significance, even though that&#39;s obviously not true. I might not always consider our family meals to be &#34;traditionally German,&#34; but they are a tradition within our family and have at least some connection to the place where we live. We eat what&#39;s fresh from the garden or available in the supermarkets: vegetables, rice, pasta, bread, cheese. Strawberries in the summer. Pancakes. Cereal. Mom&#39;s herb sauce. There are meals for special occasions, like raclette on New Year&#39;s Eve. Of course I have favorite dishes at home, but I only associate them with home once they&#39;re no longer available elsewhere.&#xA;&#xA;Eating in Kenya is fun because it&#39;s new enough to be exciting and yet reminds me of comfort foods at home. Here too, it&#39;s important to understand that my host family&#39;s eating habits aren&#39;t simply &#34;Kenyan,&#34; but rather shaped by their history and personal preferences. I&#39;m telling you about one Kenyan household, without implying that this applies to every other household as well.&#xA;&#xA;In the mornings, we often eat toast with margarine, bananas, or sweet potatoes. At school, the cook sometimes bakes mandazi for the teachers and volunteers at teatime: these are pan-fried pastries that have a slightly sweet taste.  For lunch, there&#39;s either rice or ugali (a firm maize porridge) with cabbage (cooked cabbage with onions and tomatoes) or beans. Occasionally, there&#39;s also chapati: a type of flatbread that came from India to Kenya. Meat is rather rare in my daily life, but sometimes it appears in the Bolognese sauce with spaghetti, which my host family likes to cook, or when there&#39;s fish or samosa with a meat filling.&#xA;&#xA;None of that, however, beats the mango I shared with Lola during my second week as we strolled along our street, trying out different fruits from the stalls. Mangos reach their peak season in Kenya in January and February, and I think you can taste it.&#xA;&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Zuhause habe ich gar nicht das Gefühl, Essen habe eine kulturelle Bedeutung, auch wenn das natürlich nicht stimmt. Ich empfinde unser Familienessen vielleicht nicht immer als „traditionell Deutsch“, dafür hat es aber Tradition innerhalb unserer Familie, und mindestens einen Bezug zu dem Ort, wo wir wohnen. Wir essen, was es frisch aus dem Garten oder in den Supermärkten zu kaufen gibt: Gemüse, Reis, Nudeln, Brot, Käse. Erdbeeren im Sommer. Eierkuchen. Müsli. Mamas Kräutersauce. Es gibt Essen zu besonderen Anlässen, wie Raclette an Silvester. Natürlich habe ich Lieblingsgerichte zuhause, die ich aber erst mit zuhause verbinde, sobald es sie woanders nicht mehr gibt.</p>

<p>Essen in Kenia macht Spaß, weil es genug neu ist, um spannend zu schmecken, und mich gleichzeitig an Wohlfühlessen zuhause erinnert. Auch hier gilt, dass die Essensgewohnheiten meiner Gastfamilie nicht nur „kenianisch“ sind, sondern durch ihre Geschichte und persönliche Vorlieben geprägt. Ich erzähle euch von einem kenianischen Haushalt, ohne dadurch Rückschlüsse auf jeden anderen zuzulassen.</p>

<p>Morgens essen wir häufig Toast mit Margarine, Bananen oder Süßkartoffeln. In der Schule bäckt die Köchin zur Teezeit manchmal Mandazi für die Lehrkräfte und Freiwilligen: das sind in der Pfanne gebratene Teigtaschen, die ein bisschen süßlich schmecken. Zum Mittagessen gibt es entweder Reis oder Ugali (einen festen Maisbrei) mit Cabbage (gekochter Kohl mit Zwiebeln und Tomaten) oder Bohnen. Ab und zu auch Chapati: eine Art Fladenbrot, das aus Indien nach Kenia gekommen ist. Fleisch ist in meinem Alltag eher selten, aber manchmal in der Bolognese zu den Spaghetti, die in meiner Gastfamilie gerne gekocht werden, oder wenn es Fisch oder Samosa mit Fleischfüllung gibt.</p>

<p>Nichts von alledem schlägt die Mango, die ich mir in meiner zweiten Woche mit Lola geteilt habe, während wir an den Verkaufsständen unserer Straße entlang spaziert sind und uns durch die Früchte probiert haben. Im Januar und Februar haben Mangos in Kenia den Höhepunkt ihrer Saison, und ich finde, man schmeckt es.</p>

<h5 id="english-translation-below">English translation below</h5>

<p>At home, I don&#39;t feel that food has any cultural significance, even though that&#39;s obviously not true. I might not always consider our family meals to be “traditionally German,” but they are a tradition within our family and have at least some connection to the place where we live. We eat what&#39;s fresh from the garden or available in the supermarkets: vegetables, rice, pasta, bread, cheese. Strawberries in the summer. Pancakes. Cereal. Mom&#39;s herb sauce. There are meals for special occasions, like raclette on New Year&#39;s Eve. Of course I have favorite dishes at home, but I only associate them with home once they&#39;re no longer available elsewhere.</p>

<p>Eating in Kenya is fun because it&#39;s new enough to be exciting and yet reminds me of comfort foods at home. Here too, it&#39;s important to understand that my host family&#39;s eating habits aren&#39;t simply “Kenyan,” but rather shaped by their history and personal preferences. I&#39;m telling you about one Kenyan household, without implying that this applies to every other household as well.</p>

<p>In the mornings, we often eat toast with margarine, bananas, or sweet potatoes. At school, the cook sometimes bakes mandazi for the teachers and volunteers at teatime: these are pan-fried pastries that have a slightly sweet taste.  For lunch, there&#39;s either rice or ugali (a firm maize porridge) with cabbage (cooked cabbage with onions and tomatoes) or beans. Occasionally, there&#39;s also chapati: a type of flatbread that came from India to Kenya. Meat is rather rare in my daily life, but sometimes it appears in the Bolognese sauce with spaghetti, which my host family likes to cook, or when there&#39;s fish or samosa with a meat filling.</p>

<p>None of that, however, beats the mango I shared with Lola during my second week as we strolled along our street, trying out different fruits from the stalls. Mangos reach their peak season in Kenya in January and February, and I think you can taste it.</p>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/hm</guid>
      <pubDate>Sun, 01 Feb 2026 14:17:52 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Be patient </title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/be-patient</link>
      <description>&lt;![CDATA[I can watch my body starting to feel home in Kenya. It wakes me gently with the rising sun, always before our alarm at 7:30 a.m. When it becomes hungry for breakfast, perfectly synced with my fellow housemates, I reach for the chocolate-flavoured margarine because my body found to enjoy it on our second morning. I don&#39;t have to think to figure out its needs, by now my body can care for my busy mind instead. It knows to take me outside for reading or stretching on the balcony, to shower hot on some and cold on the other days. My body is much smarter than I had thought. Surprisingly, it&#39;s my mind that is stumbling behind. Most nights, I dream about being home in Germany and having to say goodbye to everyone all over again. Each time I worry about the long, expensive flight I&#39;ll have to endure AGAIN, not realising I have arrived, once and for all.&#xA;&#xA;I wonder how long it&#39;ll take me to start thinking and dreaming in English. Maybe I won&#39;t ever, as I still text my friends back home and talk to Lola in German, when Isa (my roommate from Peru) isn&#39;t around? But I really hope I will, eventually. If I was granted one wish for the next year, I&#39;d even dare to wish for a dream in Swahili. &#xA;&#xA;During the week, Isa, Lola and I work at a community school in Mowlem (neighbourhood in the east of Nairobi). It was founded 2008 by our host mum, who regularly welcomes short-term volunteers in her home additionally to us. Just like you&#39;d imagine, she&#39;s a very active and open-hearted woman - sharing her house with different international guests all year around. Together with her two adult-sons (my host brothers), she works as a teacher.&#xA;&#xA;The place I&#39;ve come to love is located on top of the five-level school building. It&#39;s the school&#39;s kitchen and next to it the roof terrace, where the students (“learners“) spend their breaks and eat lunch. When I rest my chin on the railing surrounding the terrace, I feel like a sailor observing the sea, letting their eyes wander with the waves along the horizon. Except, I&#39;m watching a city&#39;s skyline. My favourite part are the balconies. Almost all of them are hung with laundry, which sways evenly back and forth in the wind&#39;s rhythm.&#xA;&#xA;The cook, who is only called &#34;chef&#34;, and her co-worker Kevin are the second reason I decided to help out in the kitchen most of the time. I have very little cooking experience (does putting noodles into a pot count?), yet they are willing to explain every tiny step, only so that I can participate. When I cannot, I become an observer again. Learning with my senses, in the same way children do. &#xA;&#xA;On Wednesday morning, Isa and Lola woke up feeling sick. As they were feeling even worse when I returned from school, we decided to go the hospital in the afternoon. They were given medication and are doing much better now, fortunately, so I&#39;m only including this here for myself to remember. &#xA;The three of us are very different people in some aspects. Whatsoever, we care for one another nonetheless, and I believe that&#39;s such a meaningful experience. &#xA;&#xA;Lastly I wish you, who are reading this, a lot of patience with yourself and the ones around you. At home, I often felt like I was running out of time, especially when I was still in school. Now it&#39;s so good to be here and realise: I don&#39;t have to know yet - because I DO have time to find out and this is just the beginning, after all. &#xA;&#xA;German translation below (danke Uli!)&#xA;&#xA;Ich kann beobachten, wie mein Körper beginnt, sich in Kenia zu Hause zu fühlen. Er weckt mich sanft mit der aufgehenden Sonne, immer vor unserem Wecker um 7:30 Uhr. Wenn er Hunger auf Frühstück bekommt - perfekt abgestimmt mit den anderen Hausbewohner:innen - greife ich zur Margarine mit Schokogeschmack, weil mein Körper sie an unserem zweiten Morgen für sich entdeckt hat. Ich muss nicht mehr nachdenken, um seine Bedürfnisse zu verstehen. Inzwischen kann sich mein Körper um meinen ratternden Kopf kümmern. Er weiß, wann es Zeit ist, nach draußen zu gehen, um auf dem Balkon zu lesen oder mich zu dehnen, wann ich heiß duschen sollte und an welchen Tagen kalt. Mein Körper ist viel klüger, als ich gedacht hatte. Überraschenderweise ist es mein Kopf, der hinterherhinkt. Die meisten Nächte träume ich davon, wieder zu Hause in Deutschland zu sein und mich erneut von allen verabschieden zu müssen. Jedes Mal sorge ich mich um den langen, teuren Flug, den ich schon wieder auf mich nehmen muss - ohne zu realisieren, dass ich angekommen bin. Ein für alle Mal.&#xA;&#xA;Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis ich anfange, auf Englisch zu denken und zu träumen. Vielleicht werde ich es nie tun, da ich meinen Freund:innen zu Hause weiterhin auf Deutsch schreibe und auch mit Lola Deutsch spreche, wenn Isa (meine Mitbewohnerin aus Peru) nicht dabei ist. Aber ich hoffe sehr, dass es irgendwann passiert. Wenn ich mir für das nächste Jahr einen Wunsch erfüllen dürfte, würde ich es sogar wagen, mir einen Traum auf Swahili zu wünschen.&#xA;&#xA;Unter der Woche arbeiten Isa, Lola und ich an einer Community School in Mowlem (einem Viertel im Osten Nairobis). Sie wurde 2008 von unserer Gastmutter gegründet, die neben uns regelmäßig auch Kurzzeit-Freiwillige in ihrem Zuhause aufnimmt. Wie man es sich vorstellt, ist sie eine sehr aktive und warmherzige Frau – sie teilt ihr Haus das ganze Jahr über mit internationalen Gästen. Zusammen mit ihren zwei erwachsenen Söhnen (meinen Gastbrüdern) arbeitet sie als Lehrerin.&#xA;&#xA;Der Ort, den ich besonders lieben gelernt habe, befindet sich ganz oben auf dem fünfstöckigen Schulgebäude. Dort liegen die Schulküche und direkt daneben die Dachterrasse, auf der die Schüler:innen (hier „learners“) ihre Pausen verbringen und zu Mittag essen. Wenn ich mein Kinn auf das Geländer der Terrasse lege, fühle ich mich wie eine Seefahrerin, die aufs Meer blickt und deren Augen den Wellen bis zum Horizont folgen. Nur dass ich stattdessen die Skyline einer Stadt betrachte. Mein liebster Teil sind die Balkone. Fast alle sind mit Wäsche behangen, die sich gleichmäßig im Rhythmus des Windes hin und her bewegt.&#xA;&#xA;Die Köchin, die nur „Chef“ genannt wird, und ihr Kollege Kevin sind der zweite Grund, warum ich mich entschieden habe, die meiste Zeit in der Küche mitzuhelfen. Ich habe kaum Kocherfahrung (zählt es, Nudeln in einen Topf zu kippen?), und trotzdem erklären sie mir jeden noch so kleinen Schritt – nur damit ich mitmachen kann. Wenn ich es nicht kann, werde ich wieder zur Beobachterin. Ich lerne mit allen Sinnen, so wie Kinder es tun.&#xA;&#xA;Am Mittwochmorgen sind Isa und Lola krank aufgewacht. Als ich nachmittags von der Schule zurückkam, ging es ihnen noch schlechter und wir beschlossen gemeinsam ins Krankenhaus zu gehen. Dort haben sie Medikamente bekommen, durch die es ihnen inzwischen zum Glück viel besser geht. Ich schreibe das hier vor allem für mich selbst, um mich später daran zu erinnern.&#xA;&#xA;Wir drei sind in mancher Hinsicht sehr unterschiedliche Menschen. Trotzdem sorgen wir wie selbstverständlich füreinander, und ich glaube, das ist eine unglaublich wertvolle Erfahrung.&#xA;&#xA;Zum Schluss wünsche ich Dir ganz viel Geduld mit Dir selbst und mit den Menschen um dich herum. Zu Hause hatte ich oft das Gefühl, dass mir die Zeit davonläuft - besonders während meiner Schulzeit. Jetzt tut es so gut, hier zu sein und zu merken: Ich muss vieles noch gar nicht wissen. Denn ich habe Zeit, es herauszufinden. Und das hier ist schließlich erst der Anfang.&#xA;&#xA;image&#xA;Karura Forest, 25.01.26&#xA;&#xA;image&#xA;roof terrace, 29.01.26]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>I can watch my body starting to feel home in Kenya. It wakes me gently with the rising sun, always before our alarm at 7:30 a.m. When it becomes hungry for breakfast, perfectly synced with my fellow housemates, I reach for the chocolate-flavoured margarine because my body found to enjoy it on our second morning. I don&#39;t have to think to figure out its needs, by now my body can care for my busy mind instead. It knows to take me outside for reading or stretching on the balcony, to shower hot on some and cold on the other days. My body is much smarter than I had thought. Surprisingly, it&#39;s my mind that is stumbling behind. Most nights, I dream about being home in Germany and having to say goodbye to everyone all over again. Each time I worry about the long, expensive flight I&#39;ll have to endure AGAIN, not realising I have arrived, once and for all.</p>

<p>I wonder how long it&#39;ll take me to start thinking and dreaming in English. Maybe I won&#39;t ever, as I still text my friends back home and talk to Lola in German, when Isa (my roommate from Peru) isn&#39;t around? But I really hope I will, eventually. If I was granted one wish for the next year, I&#39;d even dare to wish for a dream in Swahili.</p>

<p>During the week, Isa, Lola and I work at a community school in Mowlem (neighbourhood in the east of Nairobi). It was founded 2008 by our host mum, who regularly welcomes short-term volunteers in her home additionally to us. Just like you&#39;d imagine, she&#39;s a very active and open-hearted woman – sharing her house with different international guests all year around. Together with her two adult-sons (my host brothers), she works as a teacher.</p>

<p>The place I&#39;ve come to love is located on top of the five-level school building. It&#39;s the school&#39;s kitchen and next to it the roof terrace, where the students (“learners“) spend their breaks and eat lunch. When I rest my chin on the railing surrounding the terrace, I feel like a sailor observing the sea, letting their eyes wander with the waves along the horizon. Except, I&#39;m watching a city&#39;s skyline. My favourite part are the balconies. Almost all of them are hung with laundry, which sways evenly back and forth in the wind&#39;s rhythm.</p>

<p>The cook, who is only called “chef”, and her co-worker Kevin are the second reason I decided to help out in the kitchen most of the time. I have very little cooking experience (does putting noodles into a pot count?), yet they are willing to explain every tiny step, only so that I can participate. When I cannot, I become an observer again. Learning with my senses, in the same way children do.</p>

<p>On Wednesday morning, Isa and Lola woke up feeling sick. As they were feeling even worse when I returned from school, we decided to go the hospital in the afternoon. They were given medication and are doing much better now, fortunately, so I&#39;m only including this here for myself to remember.
The three of us are very different people in some aspects. Whatsoever, we care for one another nonetheless, and I believe that&#39;s such a meaningful experience.</p>

<p>Lastly I wish you, who are reading this, a lot of patience with yourself and the ones around you. At home, I often felt like I was running out of time, especially when I was still in school. Now it&#39;s so good to be here and realise: I don&#39;t have to know yet – because I DO have time to find out and this is just the beginning, after all.</p>

<h5 id="german-translation-below-danke-uli">German translation below (danke Uli!)</h5>

<p>Ich kann beobachten, wie mein Körper beginnt, sich in Kenia zu Hause zu fühlen. Er weckt mich sanft mit der aufgehenden Sonne, immer vor unserem Wecker um 7:30 Uhr. Wenn er Hunger auf Frühstück bekommt – perfekt abgestimmt mit den anderen Hausbewohner:innen – greife ich zur Margarine mit Schokogeschmack, weil mein Körper sie an unserem zweiten Morgen für sich entdeckt hat. Ich muss nicht mehr nachdenken, um seine Bedürfnisse zu verstehen. Inzwischen kann sich mein Körper um meinen ratternden Kopf kümmern. Er weiß, wann es Zeit ist, nach draußen zu gehen, um auf dem Balkon zu lesen oder mich zu dehnen, wann ich heiß duschen sollte und an welchen Tagen kalt. Mein Körper ist viel klüger, als ich gedacht hatte. Überraschenderweise ist es mein Kopf, der hinterherhinkt. Die meisten Nächte träume ich davon, wieder zu Hause in Deutschland zu sein und mich erneut von allen verabschieden zu müssen. Jedes Mal sorge ich mich um den langen, teuren Flug, den ich schon wieder auf mich nehmen muss – ohne zu realisieren, dass ich angekommen bin. Ein für alle Mal.</p>

<p>Ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis ich anfange, auf Englisch zu denken und zu träumen. Vielleicht werde ich es nie tun, da ich meinen Freund:innen zu Hause weiterhin auf Deutsch schreibe und auch mit Lola Deutsch spreche, wenn Isa (meine Mitbewohnerin aus Peru) nicht dabei ist. Aber ich hoffe sehr, dass es irgendwann passiert. Wenn ich mir für das nächste Jahr einen Wunsch erfüllen dürfte, würde ich es sogar wagen, mir einen Traum auf Swahili zu wünschen.</p>

<p>Unter der Woche arbeiten Isa, Lola und ich an einer Community School in Mowlem (einem Viertel im Osten Nairobis). Sie wurde 2008 von unserer Gastmutter gegründet, die neben uns regelmäßig auch Kurzzeit-Freiwillige in ihrem Zuhause aufnimmt. Wie man es sich vorstellt, ist sie eine sehr aktive und warmherzige Frau – sie teilt ihr Haus das ganze Jahr über mit internationalen Gästen. Zusammen mit ihren zwei erwachsenen Söhnen (meinen Gastbrüdern) arbeitet sie als Lehrerin.</p>

<p>Der Ort, den ich besonders lieben gelernt habe, befindet sich ganz oben auf dem fünfstöckigen Schulgebäude. Dort liegen die Schulküche und direkt daneben die Dachterrasse, auf der die Schüler:innen (hier „learners“) ihre Pausen verbringen und zu Mittag essen. Wenn ich mein Kinn auf das Geländer der Terrasse lege, fühle ich mich wie eine Seefahrerin, die aufs Meer blickt und deren Augen den Wellen bis zum Horizont folgen. Nur dass ich stattdessen die Skyline einer Stadt betrachte. Mein liebster Teil sind die Balkone. Fast alle sind mit Wäsche behangen, die sich gleichmäßig im Rhythmus des Windes hin und her bewegt.</p>

<p>Die Köchin, die nur „Chef“ genannt wird, und ihr Kollege Kevin sind der zweite Grund, warum ich mich entschieden habe, die meiste Zeit in der Küche mitzuhelfen. Ich habe kaum Kocherfahrung (zählt es, Nudeln in einen Topf zu kippen?), und trotzdem erklären sie mir jeden noch so kleinen Schritt – nur damit ich mitmachen kann. Wenn ich es nicht kann, werde ich wieder zur Beobachterin. Ich lerne mit allen Sinnen, so wie Kinder es tun.</p>

<p>Am Mittwochmorgen sind Isa und Lola krank aufgewacht. Als ich nachmittags von der Schule zurückkam, ging es ihnen noch schlechter und wir beschlossen gemeinsam ins Krankenhaus zu gehen. Dort haben sie Medikamente bekommen, durch die es ihnen inzwischen zum Glück viel besser geht. Ich schreibe das hier vor allem für mich selbst, um mich später daran zu erinnern.</p>

<p>Wir drei sind in mancher Hinsicht sehr unterschiedliche Menschen. Trotzdem sorgen wir wie selbstverständlich füreinander, und ich glaube, das ist eine unglaublich wertvolle Erfahrung.</p>

<p>Zum Schluss wünsche ich Dir ganz viel Geduld mit Dir selbst und mit den Menschen um dich herum. Zu Hause hatte ich oft das Gefühl, dass mir die Zeit davonläuft – besonders während meiner Schulzeit. Jetzt tut es so gut, hier zu sein und zu merken: Ich muss vieles noch gar nicht wissen. Denn ich habe Zeit, es herauszufinden. Und das hier ist schließlich erst der Anfang.</p>

<p><img src="https://bilder.lilagesprenkelt.com/i/800aae7f-550a-4c47-891c-7f9df0a5f84a.jpg" alt="image">
<em>Karura Forest, 25.01.26</em></p>

<p><img src="https://bilder.lilagesprenkelt.com/i/d5120000-9298-4fe6-9185-f83046e5a804.jpg" alt="image">
<em>roof terrace, 29.01.26</em></p>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/be-patient</guid>
      <pubDate>Sun, 25 Jan 2026 09:49:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Nairobi, Mambo vipi?</title>
      <link>http://lilagesprenkelt.com/nairobi-mambo-vipi</link>
      <description>&lt;![CDATA[Mein Rücken lehnt an der Mauer, die mein neues Zuhause umgibt. Es ist ein Haus mit zwei Etagen, hellen Treppen und abgedunkelten Räumen, weil die Gardinen geschlossen sind. Hier draußen kann ich der Sonne beim Untergehen zuschauen. 18 Uhr, 12 Stunden nach Sonnenaufgang, wird das helle Blau des Himmels blasser, die Farben der Fassade wärmer im letzten Licht des Tages. 6 Uhr morgens, 12 Stunden nach Sonnenuntergang, wird es zurückkehren. Dann ist meine Ankunft in Nairobi genau eine Woche her. &#xA;&#xA;Von der anderen Seite der Mauer höre ich Rufe und Gelächter. Ich konzentriere mich, um vielleicht ein Wort auf Swahili aufzuschnappen, das ich schon verstehe. Vergeblich. Ich frage mich auch, ob sich das Stimmengewirr belebter Nachbarschaften überhaupt so sehr unterscheidet, je nachdem, welche Sprache gesprochen wird. Und, ich fühle mich ein wenig einsam. Im Haus sind meine zwei Mitfreiwilligen und eine Gruppe Brasilianerinnen, die nur etwas über eine Woche hierbleiben. Doch keine von ihnen ist mir schon wirklich vertraut. Sie scheinen mir näher, sind aber kaum weniger fremd als die Menschen auf der anderen Seite der Mauer. &#xA;&#xA;Ich glaube, das ist meine erste Herausforderung: Auszuhalten, dass alle Beziehungen an ihrem Anfang stehen und nur Zeit sie tiefen wird. Zeit, die dem Fluss der auf- und untergehenden Sonne folgt, nicht meiner Kontrolle. &#xA;&#xA;  What would it feel like to come undone? To not fasten down, but let yourself flood? To not close, but open yourself to experience it all? (Danielle Doby)&#xA;&#xA;  Deutsch: Wie würde es sich anfühlen, sich fallenzulassen? Sich nicht festzuklammern, sondern sich dem Fluss der Gefühle hinzugeben? Sich nicht zu verschließen, sondern sich zu öffnen, um alles zu erleben?&#xA;&#xA;Genau so.&#xA;&#xA;Bevor ich heute morgen von meiner Gastmama und einem meiner Gastbrüder abgeholt wurde, habe ich die ersten 6 Tage auf dem Ankunftsseminar verbracht. Es war ein vollkommen anderes setting, als hätten mich die Koordinatorinnen von ICYE Kenya (meiner Organisation hier) vorsorglich in Watte gehüllt, um eine härtere Landung in Nairobi abzudämpfen. Falls Du ein Familienmitglied oder ein:e Freund:in von mir bist und die ganze Zeit nichts von mir gehört hat, tut es mir leid, dass es auch hier kein vollständiges Recap der Woche geben wird. &#xA;&#xA;Ich habe meine Bankkarte durch zu langes Grübeln beim ersten Geldabheben vom Automaten fressen lassen und zweimal die Bank besucht, um sie zurückzubekommen, nächtelang „tede-teled“ (um irgendwann das Zungen-R rollen zu lernen), Giraffen aus der Hand gefüttert und Lolas 22. Geburtstag gefeiert. Aber in Wirklichkeit noch so viel mehr, was einfach keinen Raum in diesem Text findet. &#xA;&#xA;image&#xA;&#xA;Um in Kenia anzukommen, brauche ich viel Präsenz. Ich möchte mir alles ganz genau anschauen, bevor ich mehr davon erzähle. Hakuna matata - keine Sorge, ich werde mein deutsches Zuhause trotzdem nicht vergessen. 💫 &#xA;&#xA;English translation below&#xA;&#xA;My back is leaning against the wall surrounding my new home. It&#39;s a two-story house with bright staircases and darkened rooms because the curtains are drawn. Out here, I can watch the sun set. At 6 p.m., twelve hours after sunrise, the bright blue of the sky has begun to fade and the colors of the facade warm in the last streams of daylight. At 6 a.m., twelve hours after sunset, it will return. Then it will have been exactly one week since my arrival in Nairobi.&#xA;&#xA;From the other side of the wall, I hear shouts and laughter. I concentrate, hoping to catch a word of Swahili that I already understand. In vain. I also wonder if the cacophony of voices in busy neighborhoods really differs so much depending on the language spoken. And I feel a little lonely. In the house are my two fellow volunteers and a group of Brazilians who are only staying for a little over a week. But none of them are really familiar to me yet. They seem closer, yet are hardly less foreign to me than the people on the other side of the wall.&#xA;&#xA;I think that&#39;s my first challenge: to accept that all relationships are in their infancy and only time will deepen them. Time that follows the flow of the rising and setting sun, not my control.&#xA;&#xA;  What would it feel like to come undone? To not fasten down, but let yourself flood? To not close, but open yourself to experience it all? (Danielle Doby)&#xA;&#xA;Just like that.&#xA;&#xA;Before I was picked up this morning by my host mother and one of my host brothers, I spent the first six days at the arrival seminar. It was a completely different setting, as if the coordinators at ICYE Kenya (my organization here) had preemptively wrapped me in cotton wool to cushion a potentially rough landing in Nairobi. If you&#39;re a family member or friend and haven&#39;t heard from me this whole time, I&#39;m sorry there won&#39;t be a full recap of the week here either. Only so much:&#xA;&#xA;The first time I tryed to withdraw money, I hesitated a second too long - and my card was swallowed by the ATM. In the end, I had to visit the bank twice to get it back. I spent countless nights &#34;tede-tele-ing&#34; (trying to finally learn how to roll my &#39;r&#39;s) in preparation to our Swahili lessons. I hand-fed giraffes, and celebrated Lola&#39;s 22nd birthday. But, really, there&#39;s so much more that simply didn&#39;t find room in this text.&#xA;&#xA;To truly arrive in Kenya, I need to be fully present. I want to let everything sink in before I share more. However, hakuna matata - don&#39;t be worried - even tough I&#39;m seeking distance, I won&#39;t forget my German home. 💫]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Mein Rücken lehnt an der Mauer, die mein neues Zuhause umgibt. Es ist ein Haus mit zwei Etagen, hellen Treppen und abgedunkelten Räumen, weil die Gardinen geschlossen sind. Hier draußen kann ich der Sonne beim Untergehen zuschauen. 18 Uhr, 12 Stunden nach Sonnenaufgang, wird das helle Blau des Himmels blasser, die Farben der Fassade wärmer im letzten Licht des Tages. 6 Uhr morgens, 12 Stunden nach Sonnenuntergang, wird es zurückkehren. Dann ist meine Ankunft in Nairobi genau eine Woche her.</p>

<p>Von der anderen Seite der Mauer höre ich Rufe und Gelächter. Ich konzentriere mich, um vielleicht ein Wort auf Swahili aufzuschnappen, das ich schon verstehe. Vergeblich. Ich frage mich auch, ob sich das Stimmengewirr belebter Nachbarschaften überhaupt so sehr unterscheidet, je nachdem, welche Sprache gesprochen wird. Und, ich fühle mich ein wenig einsam. Im Haus sind meine zwei Mitfreiwilligen und eine Gruppe Brasilianerinnen, die nur etwas über eine Woche hierbleiben. Doch keine von ihnen ist mir schon wirklich vertraut. Sie scheinen mir näher, sind aber kaum weniger fremd als die Menschen auf der anderen Seite der Mauer.</p>

<p>Ich glaube, das ist meine erste Herausforderung: Auszuhalten, dass alle Beziehungen an ihrem Anfang stehen und nur Zeit sie tiefen wird. Zeit, die dem Fluss der auf- und untergehenden Sonne folgt, nicht meiner Kontrolle.</p>

<blockquote><p>What would it feel like to come undone? To not fasten down, but let yourself flood? To not close, but open yourself to experience it all? (Danielle Doby)</p>

<p>Deutsch: Wie würde es sich anfühlen, sich fallenzulassen? Sich nicht festzuklammern, sondern sich dem Fluss der Gefühle hinzugeben? Sich nicht zu verschließen, sondern sich zu öffnen, um alles zu erleben?</p></blockquote>

<p>Genau so.</p>

<p>Bevor ich heute morgen von meiner Gastmama und einem meiner Gastbrüder abgeholt wurde, habe ich die ersten 6 Tage auf dem Ankunftsseminar verbracht. Es war ein vollkommen anderes setting, als hätten mich die Koordinatorinnen von ICYE Kenya (meiner Organisation hier) vorsorglich in Watte gehüllt, um eine härtere Landung in Nairobi abzudämpfen. Falls Du ein Familienmitglied oder ein:e Freund:in von mir bist und die ganze Zeit nichts von mir gehört hat, tut es mir leid, dass es auch hier kein vollständiges Recap der Woche geben wird.</p>

<p>Ich habe meine Bankkarte durch zu langes Grübeln beim ersten Geldabheben vom Automaten fressen lassen und zweimal die Bank besucht, um sie zurückzubekommen, nächtelang „tede-teled“ (um irgendwann das Zungen-R rollen zu lernen), Giraffen aus der Hand gefüttert und Lolas 22. Geburtstag gefeiert. Aber in Wirklichkeit noch so viel mehr, was einfach keinen Raum in diesem Text findet.</p>

<p><img src="https://bilder.lilagesprenkelt.com/i/9116a7a6-7928-4d1c-986b-4b45fbbfd615.jpg" alt="image"></p>

<p>Um in Kenia anzukommen, brauche ich viel Präsenz. Ich möchte mir alles ganz genau anschauen, bevor ich mehr davon erzähle. Hakuna matata – keine Sorge, ich werde mein deutsches Zuhause trotzdem nicht vergessen. 💫</p>

<h5 id="english-translation-below">English translation below</h5>

<p>My back is leaning against the wall surrounding my new home. It&#39;s a two-story house with bright staircases and darkened rooms because the curtains are drawn. Out here, I can watch the sun set. At 6 p.m., twelve hours after sunrise, the bright blue of the sky has begun to fade and the colors of the facade warm in the last streams of daylight. At 6 a.m., twelve hours after sunset, it will return. Then it will have been exactly one week since my arrival in Nairobi.</p>

<p>From the other side of the wall, I hear shouts and laughter. I concentrate, hoping to catch a word of Swahili that I already understand. In vain. I also wonder if the cacophony of voices in busy neighborhoods really differs so much depending on the language spoken. And I feel a little lonely. In the house are my two fellow volunteers and a group of Brazilians who are only staying for a little over a week. But none of them are really familiar to me yet. They seem closer, yet are hardly less foreign to me than the people on the other side of the wall.</p>

<p>I think that&#39;s my first challenge: to accept that all relationships are in their infancy and only time will deepen them. Time that follows the flow of the rising and setting sun, not my control.</p>

<blockquote><p>What would it feel like to come undone? To not fasten down, but let yourself flood? To not close, but open yourself to experience it all? (Danielle Doby)</p></blockquote>

<p>Just like that.</p>

<p>Before I was picked up this morning by my host mother and one of my host brothers, I spent the first six days at the arrival seminar. It was a completely different setting, as if the coordinators at ICYE Kenya (my organization here) had preemptively wrapped me in cotton wool to cushion a potentially rough landing in Nairobi. If you&#39;re a family member or friend and haven&#39;t heard from me this whole time, I&#39;m sorry there won&#39;t be a full recap of the week here either. Only so much:</p>

<p>The first time I tryed to withdraw money, I hesitated a second too long – and my card was swallowed by the ATM. In the end, I had to visit the bank twice to get it back. I spent countless nights “tede-tele-ing” (trying to finally learn how to roll my &#39;r&#39;s) in preparation to our Swahili lessons. I hand-fed giraffes, and celebrated Lola&#39;s 22nd birthday. But, really, there&#39;s so much more that simply didn&#39;t find room in this text.</p>

<p>To truly arrive in Kenya, I need to be fully present. I want to let everything sink in before I share more. However, hakuna matata – don&#39;t be worried – even tough I&#39;m seeking distance, I won&#39;t forget my German home. 💫</p>
]]></content:encoded>
      <guid>http://lilagesprenkelt.com/nairobi-mambo-vipi</guid>
      <pubDate>Sat, 17 Jan 2026 17:40:41 +0000</pubDate>
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