Ein Schwarm junger Fische
Sie rinnt mir durch die Finger wie Erdbrösel, Sandkörner, Wasserperlen. Es ist eine sanfte Wucht, unaufhaltsam, aber zärtlich: ein Flussspiel. Die heißen Tropfen prasseln auf meine Haare und meinen Nacken, fließen in Bahnen meinen Körper hinab und prickeln an meiner Handfläche. Wenn ich meine Fingerspitzen um ihnen verschließe, schwinden sie dahin. Zeit ist ein Schwarm junger Fische: Wie magnetisiert folgt ihr Wille den drängenden Fluten und sie winden sich, schnell und hellwach, entwischen meinen Fängen. Verzweifelt wandert mein Blick ihnen nach, beobachtet, wie sich alle Bahnen zu einem Strom vereinigen und im Abfluss versiegen. Was bleibt, fragt mich Kenia.
In meinem Kopf hallt es zynisch und herausfordernd nach: Was kann ich vorweisen, wenn ich zurück nach DE komme?
Ich spüre den Gedanken wie einen Stich, der an meiner warmen Haut verglüht, und besinne mich auf zwei Dinge. Erstens, dass ich nie eine Antwort auf diese Frage schuldig bin. Zweitens, wie frei mich das macht. Wie frei, mich in der Flut wirbeln zu lassen, möge sie wild sein dieses Jahr und rau, verschnörkelt, kraftvoll, und zutiefst: in sich ruhend.
Schon fast 5 Monate in Kenia, what!? 🔥❤️
Ich hoffe, Dir gefällt dieser kurze Text über mein Zeitgefühl in Kenia. Der nächste längere Blogeintrag ist schon in meinem Kopf und wartet darauf, ins Handy getippt zu werden.
Bis ganz bald! Maya